(26.5.) “Sonita”, Abaton Kino, 17 Uhr

Michael Jackson als Vater und Rihanna als Mutter! Liest sich wie ein Tennie-Traum. Ist auch einer. Die Realität ist für die 18-jährige Afghanin Sonita schließlich schlimm genug. Die nach ihrer Flucht ohne Pass in Teheran lebende, mittellose und unbekannte Nachwuchsrapperin soll von ihrer Familie wieder in ihre Heimat zurückverfrachtet und für 9.000 Dollar verkauft werden. Ihre Blutsverwandten brauchen das Geld, damit ihr Bruder sich seine Braut kaufen kann.
Aus diesem Stoff hätte leicht ein pathetisches Melodram werden können. Dokumentarfilmerin Roksareh Ghaem Maghami setzt erfreulicherweise auf das Gegenteil. Ruhige, lange Kameraeinstellungen dominieren den Film. Dabei offenbart sich die Grausamkeit der archaischen Tradition des Brautkaufs in den oftmals verstörend ruhig vorgebrachten Aussagen. „Ob gut oder nicht – das ist unsere Tradition“, erklärt Sonitas Großmutter bei ihrem Besuch in Teheran der betroffenen Leiterin des Armenzentrums. Ebenso sprachlos ist zunächst auch Regisseurin Ghaem Maghami selbst, als Sonita sie um Hilfe bittet und in ein moralisches Dilemma stürzt: Darf eine Dokumentarfilmerin aus guten Gründen in das Schicksal ihrer Protagonistin eingreifen? (Mirko Schneider)

Abaton Kino
Allendeplatz 3 /Ecke Grindelhof
26.5., 17 Uhr