(26.6.) Film, „Hereditary“, Cinemaxx Dammtor, 20:30 Uhr

Der Kino-Erstling des jungen Regisseurs Ari Aster erzählt von einer Familie, die ein entsetzliches Erbe antritt. Die kunstvolle erste Einstellung zeigt ein Atelier voller Puppenstuben, alle Zimmerchen sorgfältig bestückt. Plötzlich erwacht Leben in einem der Räume: Ein Vater fordert seinen Sohn auf, sich für eine Beerdigung umzuziehen. Man ahnt schon die düstere Präsenz einer Macht, die Menschen zu willfährigen Miniaturen degradiert.

Erschafferin der Dioramen ist die Objekt-Künstlerin Annie Graham. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in einem luxuriösen Eigenheim am Waldrand (das, von außen betrachtet, wiederum einem Modell gleicht). Beerdigt wird Ellen, die jüngst verstorbene Großmutter. In Annies Bestattungsrede schwingt Erleichterung über das Ableben ihrer sehr besitzergreifenden Erzeugerin mit.

Wirklich zu trauern scheint einzig Annies Tochter Charlie, eine von seltsamen Tics geplagte, somnambule 13-Jährige. Sie war Omas Liebling, doch der Einfluss der alten Dame war wohl nicht förderlich: Warum sonst verstümmelt das Nesthäkchen mit Hingabe Taubenleichen? Überhaupt mehren sich die Zeichen, dass Ellen auch nach ihrem Tod die Zügel im Hause Graham noch fest in den Händen hält.

Eine Spirale des Grauens

Einen grauenvollen Todesfall später lernt Annie bei einer Gruppentherapie die mütterliche Joan kennen. Von ihr erhält sie nicht nur herzlichen Trost, sondern wird auch in die Welt der Geisterbeschwörungen eingeführt. Hing die Tür zum Reich der Toten bis dahin lose in den Angeln, kracht sie nun endgültig polternd zu Boden.

In rund zwei Stunden Spielzeit steigert sich Asters sensationeller Schocker in eine wahre Raserei hinein, verliert dabei aber nie seine ausgefeilte innerfamiliäre Psychologie aus den Augen. Versteckte Schuldzuweisungen bilden das Fundament für die Spirale des Grauens, die sich nun immer schneller dreht und sogar abgebrühten Genre-Kennern die Nackenhaare tanzen lässt. „Hereditary“ ist ein makellos durchdesigntes Terror-Gemälde, dessen Plot unablässig garstige Haken schlägt. Getragen wird das Ganze von einer schier wahnwitzigen Performance der Hauptdarstellerin Toni Colette. Der furchterregendste Film 2018, da darf man sich bereits im Juni schon mal festlegen.

/ Calle Claus / Foto: Splendid Film

Cinemaxx Dammtor
26.6.18, 20:30 Uhr