(27.12.) Film, Nocturnal Animals (OmU), Zeise, 17/19.45/22.30 Uhr

Gigantische Fleischmassen wogen, schwingen, drehen sich in Slow Motion zu unwiderstehlich schwelgerischer Musik. Die übergewichtigen, fast nackten Burlesque-Tänzerinnen lächeln lüstern Richtung Kamera. Mit dieser ästhetisch betörenden Kampfansage an die auf Magerkeit fixierte Modewelt beginnt der amerikanische Stardesigner Tom Ford (“A Single Man”) seinen neuen Film.

Die deftige Provokation entpuppt sich als Kunstinstallation auf der Vernissage von Galeristin Susan Morrow (Amy Adams), hier trifft sich die schillernde Schickeria von Los Angeles. Die Galeristin führt ein privilegiertes, aber unerfülltes Leben an der Seite ihres attraktiven, oberflächlichen Gatten Hutton. An diesem Tag erhält sie ein Manuskript ihres Ex-Ehemanns Edward Sheffield (Jake Gyllenhaal). Seit 19 Jahren hat sie nichts mehr von ihm gehört, der Text ist Susan gewidmet und der Titel “Nocturnal Animals” eine Anspielung auf ihre Schlaflosigkeit. Sie beginnt den Roman zu verschlingen, aber eigentlich verschlingt der Roman sie.

Edward erzählt die Geschichte von Tony Hastings (ebenfalls dargestellt von Gyllenhaal), der auf einer nächtlichen Landstraße irgendwo in Texas mit Frau und Tochter unterwegs ist. Drei brutale Gangster drängen den Wagen von der Straße ab. Hilflos muss Tony zuschauen, wie seine Familie entführt wird. Susan erinnert sich voller Schrecken, mit welcher Grausamkeit sie selbst damals Edward erniedrigt hat.

Dieser mörderische Thriller geht unter die Haut, von nun dreht sich alles um Rache, blutige und sehr subtile, aber deshalb nicht weniger schmerzhaft. Was unseren Atem stocken lässt, ist die Intensität der Gefühle: Demütigung, Angst, Leidenschaft, schließlich Hass.

Tom Ford ist ein begnadeter Erzähler mit einer Obsession für Details. Sein kunstvoll strukturiertes Drehbuch wechselt mühelos zwischen den drei Handlungssträngen, zwischen Gegenwart und Vergangenheit, Wirklichkeit und Fiktion. Nie ist Rache je zuvor auf der Leinwand so exquisit zelebriert worden. Ford zerlegt Genres wie Pulp oder Soap in deren Einzelteile, kreiert einen unverwechselbaren neuen visuellen Stil von außerordentlicher Schönheit, der mit Hitchcock oder Kubrick konkurrieren kann. “Nocturnal Animals” basiert auf Austin Wrights Roman “Tony & Susan” (1993). / Anna Grillet / Credit: Merrick Morton/Focus Features

Zeise
27.12.16, 17 / 19.45 / 22.30 Uhr