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29.06. | Film | Brot | Zeise Kinos

Brot ist eines der beliebtesten Grundnahrungsmittel – und ein Kulturgut, das längst auch in die Sprache Einzug gefunden hat, wie die Sentenzen „Unser täglich Brot gib uns heute“, „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“, „brotlose Kunst“ oder „sich seine Brötchen verdienen“ verdeutlichen. Brot ist aber nicht gleich Brot. Das zeigt Regisseur Harald Friedl („What Happiness Is“) in seiner gleichnamigen Dokumentation und nimmt den Zuschauer mit auf eine Reise zu Herstellern und Bäckern in Frankreich, Österreich, Deutschland und Belgien. Exemplarisch weist er hierbei auf die fundamentalen Unterschiede hin, die vom klassischen Handwerk bis zur industriellen Fließbandproduktion reichen.

Während auf der einen Seite noch die Liebe zum Brot und zum Backen aufflammt, stehen auf der anderen Technologie und Massenherstellung im Mittelpunkt. Beim Handwerk kommen die Grundzutaten Wasser, Mehl und Salz zum Einsatz, in den Fabriken und Laboren auch diverse Zusätze, wie Enzyme und Weichmacher. Das macht nicht nur geschmacklich einen Unterschied, sondern auch gesundheitlich, wie der Film kritisch zu bedenken gibt.

Zwei Jahre lang recherchierten Regisseur Friedl und Autorin Eva­-Maria Bachinger zum Thema. Herausgekommen ist ein lehrreicher Film, der nicht der Versuchung erliegt, belehrend oder manipulativ zu sein. Highlight ist der Auftritt von Hans-­Jochen Holthausen, Geschäftsführer des im Jahr 1688 in Altona gegründeten Unternehmens Harry-­Brot. Trocken – und ohne mit dem Montblanc zu zucken, offenbart er, dass es ihm immer nur um „Wachstum, Wachstum, Wachstum“ gegangen sei.

„Brot“ ist eine Dokumentation, die zum Nachdenken anregt und so manche zukünftige Kaufentscheidung im Su­permarkt infrage stellt. Der Kon­trast zwischen In­dustrie und Kleinbetrieben ist ausdrucksstark, durch die geringe Anzahl an Beispielen ent­steht jedoch der Eindruck, dass in Deutschland fast ausschließlich die industrielle Massenanferti­gung vorherrscht, während in Frankreich nur leidenschaft­liche kleine Boulangerien be­trieben werden. Hier hätten weitere Beispiele oder die Zu­hilfenahme von Statistiken si­cher nicht geschadet, um dem etwas einseitigen Eindruck entgegenzuwirken.

Die heutige Sondervorstellung des österreichischen Dokumentarfilms findet mit anschließendem Regiegespräch mit Regisseur Harald Friedl in den Zeise Kinos statt.

/ Marco Arellano Gomes

Zeise Kinos
29.06.2020, 20 Uhr


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