(4.1.) Kunst, Tiere, Museum für Kunst und Gewerbe, ab 10 Uhr

Das Museum für Kunst und Gewerbe lotet mit dieser Ausstellung das Verhältnis zum Tier aus.

Respekt, Harmonie, Unterwerfung“, liest der Besucher der Ausstellung „Tiere“ als Leitmotiv zu seinen Füßen. Eine wahrlich passende Einstimmung und Motto für das, was kommt: In einer panoramatischen Gesamtschau hat das MKG Exponate rund um das Tier in der Kunstgeschichte versammelt: Verniedlicht, ausgebeutet, verharmlost, als Objekt und Projektionsfläche für Menschliches in Szene gesetzt, doch durch die Jahrhunderte der Kunstgeschichte immer auch als Faszinosum und mächtiger Mythos wirkend, wimmelt es hier vor Affen, Elefanten, Katzen und anderem Getier.

In diesem Tour de Force-Ritt durch Themen und Jahrhunderte der Kunstgeschichte wird klar: Künstler haben das Animalische stets genutzt: Als Symbol für erotisches Begehren wie in der von der Psychoanalyse inspirierten Kunst, oder als mythenträchtiges Zwitterwesen wie bei den zahlreichen allegorischen Mischwesen, die durch die versammelten Bildwelten als Vampir oder dunkler Nachtmahr mäandern. Und schließlich als Phänomen von Abgrenzung und irritierender Nähe wie im Falle unseres engsten Vorfahren, des Affen.

Dabei sind unter den zahlreichen Exponaten durchaus ikonische Schwergewichte versammelt: Neben vergoldeten Tierkopfbronzen von Ai Weiwei oder Beuys’ berühmtem Video von 1974, in dem er einem wilden Kojoten in einer ritualisierten Performance nahezukommen sucht, leuchtet als faszinierendes Schwergewicht Paul Klees auratischer Goldfisch in spannungsgeladener Nähe zu ägyptischer Höhlenmalerei von der Wand, beziehungsweise sucht King Kong im schwarzweiß-flimmernden Stummfilmvideo als Überhöhung von Maskulinität die weiße Frau zu entführen.

Tiere als Objekt

Ekelhaft explizit wird die Ausstellung schließlich mit den großformatigen Fotografien von Michael Schmidt als direktes „Fleisch“ beziehungsweise „Fett“ und führt zugleich den gesellschaftlich irritierenden und meist verdrängten Fleischkonsum vor Augen: „Tiere“ präsentiert so einen inspirierenden Ritt durch die Kunstgeschichte. Eine Tour, bei der die Zeugnisse von Unterwerfung und Gewalt in der Überzahl sein dürften.

Was es braucht, so der implizit mitlaufende und spürbare Subtext, ist mehr Koexistenz statt Dominanz: Eine Ausstellung, die angesichts der menschlichen Ambivalenzen in Bezug zum Tier nachhallen dürfte, auch wenn man längst die Hauskatze wieder verhätschelt: Der Blick auf eine Gesellschaft, die Tiere als Objekte, letztlich sogar als Objekte des künstlerischen Blickes unterwirft und anthropomorph behandelt, wirkt!

/ Stefanie Maeck / Foto: MKG

Museum für Kunst und Gewerbe
4.1.18, 10-21 Uhr / Die Ausstellung läuft noch bis zum 4.3.

Details
04. Januar 2018
10:05
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