(7.4.) Theater: 3000 Euro, Thalia Gaußstraße, 21 Uhr

Eine Sozialstudie

Die fette Gans ist erlegt. Über die gesamte Bühnenbreite der Garage vom Thalia in der Gaußstraße liegt sie da, mit ausgefranstem Rumpf und zerfetzten Flügeln. Eine Kulisse als Sinnbild für all jene, die aufgrund ihrer sozialen Lage durch die gesellschaftliche Norm gefallen sind. So wie Anton und Denise. Sie, eine Kassiererin im Supermarkt, wünscht sich für ihre Tochter ein besseres Leben. 3000 Euro würden ihr reichen, für diese Summe dreht sie Pornos. 3000 Euro braucht auch der Obdachlose Anton, um seine Schulden zu begleichen und so dem nahenden Gerichtstermin zu entkommen. Wie Anton sagt, habe er sich selbst ins Knie geschossen und hinke seitdem hinterher. Im Wettlauf mit der Gesellschaft um soziale Anerkennung sind beide auf der Strecke verreckt und lecken seitdem ihre Wunden zurückgezogen in Einsamkeit. Doch als die beiden aufeinandertreffen, und ihresgleichen erkennen, keimt die Sehnsucht nach Beistand und ein wenig Liebe auf. In der melancholischen Inszenierung von Julia Jost wird das jeweilige Leben von Denise und Anton über einzelne Szenen und Erzählpassagen rekonstruiert: Wie sind sie in diese Schieflage geraten? Und wie sieht das Leben eigentlich aus, so am Rande der Gesellschaft? Knapp 90 Minuten lang steht das Stück unter dem wagen Schimmer der Hoffnung, doch bekanntlich stirbt diese ja zuletzt. (HB)

Thalia in der Gaußstraße
Gaußstraße 190
7.4. bis 22.4., 21 Uhr