(7.6.) Vor der Morgenröte, Zeise Kinos, versch. Zeiten

Rio de Janiero, August 1936. Noch sind die Türen zum Festsaal des exklusiven Jockey Clubs verschlossen. Drinnen rücken Hausmädchen die Weingläser zurecht, zupfen an der Tischdekoration, einem atemberaubenden tropischen Blumenmeer in den verschiedensten Rottönen, das kaum Platz lässt für Tafelsilber und Porzellan. So beginnt Maria Schraders fesselndes Episoden-Epos über das Exil von Stefan Zweig (Josef Harder), und vom ersten Moment an hat jede Form opulenter Schönheit etwas schmerzhaft Tragisches. Denn zwei Jahre zuvor musste der berühmte österreichisch-jüdische Schriftsteller seine Heimat verlassen.
Neben Thomas Mann ist Stefan Zweig der meist gelesene deutschsprachige Autor. Im Ausland wird er gefeiert wie ein Star, es gibt große Empfänge für ihn, wie diesen in Brasilien, Konferenzen, Lesungen, Interviewtermine, aber in Wirklichkeit empfindet er dieses Leben als Albtraum. „Einen Film machen über Europa, der nur außerhalb Europas spielt“, war das Konzept der 50-jährigen Regisseurin und ihres Co-Autors Jan Schomburg. Es ist ein Kriegsdrama fern der Schlachtfelder, doch für Stefan Zweig sind der Nationalsozialismus und dessen Opfer immer präsent, ob in New York, den Zuckerfeldern Bahias oder Petrópolis, der letzten Station seiner Odyssee. (AG)

Zeise Kino
Friedensallee 7-9
7.6., 15.00, 17.30, 20.00, 22.30