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23.10. | Film | Cortex | Studio-Kino

Kritik

Albtraum ohne Ausweg?

Schuster, bleib bei deinen Leisten, möchte man so manchem Schauspieler zurufen, der den Wechsel auf den Regiestuhl wagt. Jahrelange Erfahrungen vor der Kamera allein reichen schließlich nicht aus, um die kreative Gesamtverantwortung für ein Filmprojekt erfolgreich zu schultern. Ein Gespür für die audiovisuellen Ausdrucksmöglichkeiten und den Aufbau von Geschichten sollte man ebenfalls besitzen.

Mit seinem ersten selbst geschriebenen und inszenierten Spielfilm beweist Moritz Bleibtreu nun, dass er nicht nur ein versierter Darsteller ist. Im Psychothriller „Cortex“ verkörpert er den Wachmann Hagen, der unter Hypersomnie, quälender Tagesschläfrigkeit, leidet. Immer mehr nagt seine Verfassung an der Beziehung zu seiner Ehefrau Karoline (Nadja Uhl). Und immer häufiger sieht er in seinen verwirrenden Albträumen einen jungen Mann (Jannis Niewöhner), der von Kriminellen bedroht wird und offenbar eine Affäre mit Hagens Gattin begonnen hat. Realität und Fantasie kann der Geplagte zu seinem Entsetzen nicht mehr richtig auseinanderhalten.

 

Düsterer Stoff

 

Ein Lob verdient Bleibtreu schon für den Mut, mit einem düsteren Stoff zu debütieren. Wohl wissend, dass das deutsche Publikum Thriller- und Horrorwerke aus heimischer Produktion regelmäßig mit Missachtung straft. Vom ersten Akt an erweist sich „Cortex“ als souverän arrangierter Seelentrip, der alle Register zieht, um den beklemmenden Dämmerzustand Hagens greifbar zu machen.

Gelegentlich mag man sich an David Lynchs „Lost Highway“ und Nicolas Winding Refns weniger bekannten „Fear X – Im Angesicht der Angst“ erinnert fühlen. Mit seinen unbehaglich-blaustichigen Bildern, seinem intensiven Sounddesign, seiner markanten Musikauswahl und seiner unzuverlässigen Erzählperspektive entwickelt der Film aber eine bedrohliche, seltsam entrückte Stimmung, die auf eigenen Füßen steht. Unbedingt sehenswert ist schon der bizarre Kurzauftritt von Charakterkopf Nicholas Ofczarek, der als erklärwütiger, in Traumfragen bewanderter Apotheker ordentlich aufdreht.

Regie: Moritz Bleibtreu. Mit Moritz Bleibtreu, Jannis Niewöhner, Nadja Uhl. 96 Min. Ab 22.10.

/ Christopher Diekhaus

Studio-Kino
23.10.2020


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