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25.04. | Literatur | Mauern | Kai Lüdders

Kritik

Text: Eira Richter

 

In seinen Büchern schreibt der Hamburger Politologe und Jurist Kai Lüdders über die Widersprüche und Verwerfungen des Lebens. So auch in seinem neuen Roman „Mauern“, der die Geschichten von fünf Menschen während der Corona-Pandemie erzählt.

Da ist der Hamburger Familienvater Frederick Bauer. Er hat es endlich geschafft: Sein Start-up ist erfolgreich. Was sich allerdings schlagartig ändert, als Covid-19 Deutschland erreicht. Zu allem Überfluss erweckt die Maskenpflicht ein Kindheitstrauma bei seiner Frau Juliette. Fortan leidet die Familie nicht nur unter Existenzangst, Homeschooling und dem Leben auf engem Raum, sondern erfährt durch ihre Kritik an den Corona-Maßnahmen auch zunehmend soziale Ausgrenzung. Selbst ihre besten Freunde, das Paar Nele und Jack, können dieses Verhalten nicht verstehen – und brechen den Kontakt ab.

Die Situation spitzt sich zu, und am Ende steht Frederick gar kurz davor, einen Mord zu begehen. Ein Nebenstrang, der sich erst zum Schluss mit der Hauptgeschichte verknüpft, dreht sich um Zola aus Zimbabwe, deren Geschichte die der anderen an Dramatik nochmals übertrifft.

Auf 333 Seiten kreiert Lüdders fünf Charaktere, deren Handeln auf ihre Schicksale zurückgeführt wird. Zurück bleibt die Frage, ob man andere zu oft verurteilt, bevor man ihnen richtig zugehört hat. Und auch wenn das Erzähltempo stellenweise durch die häufigen Liebesbekundungen von Juliette und Nele ins Stocken gerät, bleibt „Mauern“ durch die verschiedenen Perspektiven ein spannendes, kurzweiliges Werk.

Kai Lüdders: „Mauern“, Velum, 333 Seiten, 14 Euro


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