So wie in „The Last Showgirl“ hat das Publikum Pamela Anderson wohl noch nie zu Gesicht bekommen. In dem Drama von Regisseurin Gia Coppola („Mainstream“) feiert die „Baywatch“-Ikone der Neunziger ihr Comeback. Und das in einer Rolle, die ihr enorme emotionale Komplexität abverlangt hat. Verletzlich, ungeschönt und in großen Teilen auch ungeschminkt – für diese Darbietung erhielt die 57-Jährige bereits eine Nominierung für die Golden Globe Awards 2025 in der Kategorie „Beste Hauptdarstellerin – Drama“.
Seit dreißig Jahren steht Tänzerin Shelley (Pamela Anderson) Abend für Abend in Las Vegas auf der Bühne wo sie Teil der Show „The Razzle Dazzle“ ist. Die anderen, größtenteils jüngeren Showgirls sind ihre Ersatzfamilie, in der sie eine Art Mutterrolle einnimmt. Eines Tages überbringt Club-Manager Eddie (Dave Bautista) jedoch schlechte Nachrichten: Die Show soll abgesetzt und durch einen Zirkus ersetzt werden. Für Shelley beginnt nach Verkündung der Hiobsbotschaft eine emotionale Achterbahnfahrt zwischen nostalgischen Erinnerungen, halbherziger Suche nach Neuorientierung und der hoffnungsvollen Kontaktaufnahme mit ihrer Tochter Hannah (Billie Lourd), zu der sie ein schwieriges Verhältnis hat. Warum diese Beziehung so kompliziert ist, offenbart sich im Laufe des Films. Shelley ist eine innerlich zerrissene Figur, die mit kindlicher, zeitweise nerviger Naivität am Glamour vergangener Tage festhält.
Umwerfender weiblicher Cast in „The Last Showgirl“

Die Bildgestaltung greift das auf: Grobkörnige Bilder, Vignetten und Lens Flares erzeugen einen traumartigen Vintage-Look. Er spiegelt die Melancholie wider, die auch die dem Untergang geweihte Show-Welt umgibt. Shelleys Realitätsferne führt dazu, dass sie ihre mütterlichen Fehler aus der Vergangenheit wiederholt: Schroff weist sie ihre Showgirl-Kollegin Jodie (Kiernan Shipka) ab, als diese weinend vor der Tür steht, weil sie zu Hause rausgeflogen ist. Am Ende wird jedoch nicht ganz klar, worauf die Regisseurin und Francis-Ford-Coppola-Enkelin mit ihrer Protagonistin hinauswill. Womöglich ist dieser Umstand aber auch dem umwerfenden weiblichen Cast (phänomenal und kaum wiederzuerkennen: Jamie Lee Curtis als Ex-Showgirl-jetzt-Kellnerin Annette) geschuldet. Denn alle Rollen so auszuerzählen, damit sie jeder einzelnen starken Darstellerin gerecht werden, ist bei einer Filmlänge von unter 90 Minuten unmöglich.
„The Last Showgirl“, Regie: Gia Coppola. Mit Pamela Anderson, Jamie Lee Curtis, Kiernan Shipka. 86 Min. Ab dem 20. März 2025 im Kino
Hier gibt’s den Trailer zum Film:
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Diese Kritik ist zuerst in SZENE HAMBURG 03/2025 erschienen.