Theaterkritik: Jungs vun de Waterkant – Die Gebrüder Wolf

Hamburg-Hits mit Seele und Humor
In der Nazi-Zeit mussten sie das Ruder abgeben: Jannik Nowak (l.) und Stephan Möller-Titel als Gebrüder Wolf 
In der Nazi-Zeit mussten sie das Ruder abgeben: Jannik Nowak (l.) und Stephan Möller-Titel als Gebrüder Wolf  (©Oliver Fantitsch)

Die Bretter, die die Welt bedeuten, sind am Ohnsorg-Theater aus Schellack. Denn die Drehbühne hat sich in einen rotierenden Plattenteller verwandelt, darüber hängt ein gigantischer Grammophontrichter, der bei Bedarf auch als Projektionsfläche dient (Bühne: Yvonne Marcour). In dieser schon an sich beredten Szenerie erzählt die Revue „Jungs vun de Waterkant“, geschrieben und inszeniert von Ingo Putz, die bewegten Biografien der Gebrüder Wolf: jener Hamburger Ausnahme-Gesangshumoristen, die mit ihren volkstümlichen Couplets und Döntjes von 1895 bis 1933 äußerst erfolgreich waren.

Humor im Schatten der Geschichte: Die Gebrüder Wolf auf der Bühne

Live begleitet von der Band Mahoin (Saxofon, Tuba, Akkordeon und Schlagzeug), die sich am Rand der Bühne mit ihr dreht, machen Stephan Möller-Titel als Ludwig Wolf sowie Jannik Nowak als Leopold Wolf und später als dessen Sohn James Iwan Wolf ihre gesangskünstlerische Sache sehr gut. Mit viel Witz und Charme intonieren sie ein Dutzend Hamburg-Hits von „Snuten un Poten“ über „Twüschen Elvchaussee un Stadtparksee“ und „Im Himmel ist’s herrlich“ bis „An de Eck steiht ’n Jung mit ’n Tüdelband“; Satire ist immer inklusive.

Zwischen Heiterkeit und Verfolgung: Humor als Überlebenskunst

Dazwischen werden Episoden aus den Künstlerleben beschwingt und dynamisch von Rabea Lübbe und Caroline Kiesewetter geschildert, die auch weitere Rollen übernehmen. Unter anderem tritt Lübbe beängstigend überzeugend als Gestapo-Beamter auf, der die Lieder der Brüder zum Deutschen Volksgut erklärt: Damit ist den jüdischen Schlachtersöhnen aus der Neustadt, die am Spielbudenplatz ein Operettenhaus besaßen, die Darbietung der eigenen Werke ab 1933 untersagt. Putz hält im Stück gekonnt die Waage zwischen unbeschwerter Heiterkeit und zeitbedingter Düsternis. Auch angesichts des Ersten Weltkriegs und des in den 1920er-Jahren erstarkenden Antisemitismus feiern die Gebrüder Wolf den Humor, der zum Garant wird für Würde und Menschlichkeit. 

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