Theaterkritik: Kribbeln in’n Buuk – Der Himmel voller Geigen

„Kribbeln in´n Buuk – Der Himmel voller Geigen“ mit Oskar Ketelhut in der Rolle des Gabor Nordermann und Birthe Gerken in der Rolle der Sabine Walter (v.l.)
„Kribbeln in´n Buuk – Der Himmel voller Geigen“ mit Oskar Ketelhut in der Rolle des Gabor Nordermann und Birthe Gerken in der Rolle der Sabine Walter (v.l.) (©Oliver Fantitsch)

Der Anglerfisch, der in der lichtlosen Tiefsee lebt, hat es bei der Partnersuche womöglich noch schwerer als wir Menschen, vermutet Sabine. Die Zoofachhändlerin im Lebensherbst, die am Ohnsorg-Theater von Birthe Gerken wunderbar schräg verkörpert wird, kennt sich mit tierischen Paarungsritualen bestens aus – hat aber schon drei Ehen in den Sand gesetzt. Nun hofft sie auf einen neuen Frühling und nimmt, zusammen mit fünf weiteren, sehr heterogenen Bestagern, an einem Speeddating teil. In der von Marc Becker verfassten und flott inszenierten Komödie „Kribbeln in’n Buuk – Der Himmel voller Geigen“ begegnen sich nun drei Paare in unterschiedlichen Konstellationen und versuchen, beim Gegenüber zu punkten. Naturgemäß ist die Zeit knapp, denn die jungen Partnervermittler Manfred (Johannes Kalle Schäfer) und Frauke (Laura Uhlig, spielt Schäfer an die Wand), die selbst liebesmäßig nicht in die Pötte kommen, bimmeln mit einem Glöckchen, wenn die Gesprächszeit um ist.

Kribbeln in’n Buuk – Der Himmel voller Geigen: Dating auf Plattdeutsch

So entstehen kurze, knackige Dialoge, die durch die lautmalerische plattdeutsche Sprache (Übertragung von Maike Meiners, die im Stück auch als Partnersuchende Wilma überzeugt) noch gewinnen. Meist geht es urkomisch zu, wenn Gabor (herrlich linkisch: Oskar Ketelhut) in seiner Socke nach einem Spickzettel sucht, sich der Streifenpolizist Udo (lässt es als „Frauenanmach-Profi“ krachen: Robert Eder) als Profiler ausgibt oder Klaus (Till Huster in Hochform) seinen in die Jahre gekommenen Charme spielen lässt. Ernste Anklänge, etwa aus dem Mund von Rosi (sensibel: Beate Kiupel), die weiß, dass Glück ohne Leid nicht möglich ist, wirken nie bitter. So bleibt am Ende der optimistischen, als Ode an die analoge Partnervermittlung zu verstehenden Inszenierung die Erkenntnis, dass die Liebe schon ihren Weg findet – zumindest außerhalb der Tiefsee. 

Dieser Artikel ist zuerst in SZENE HAMBURG 02 / 26 erschienen.

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