Tom: „Wir leben in einer Isoliertheit“

„Wir Menschen fremdeln untereinander, das isoliert uns. Dafür braucht es keine Pandemie, wir leben in einer generellen Isoliertheit. Ich bin gebürtiger Rheinländer, lebe jetzt seit vielen Jahren in Hamburg, aber ich werde nie Hamburger sein. Genauso wenig wird ein Hamburger je Rheinländer sein. Denn so lange die Menschen Angst haben vor Leuten aus Bayern, Berlin oder Hessen, schlicht aus dem Grund, weil es etwas anderes ist, braucht mir keiner mit Rassismus zu kommen. Es ist viel mehr der Urgedanke des Menschen, dem Fremden zu misstrauen.

Das beginnt morgens beim Bäcker: Schrippe oder Semmel? Ist doch egal! Die Leute müssen die Tünche aufbrechen. Ich bin freier Schauspieler und in meinem Leben viel gereist. Ich habe die ersten Aida-Kreuzfahrten um die Jahrtausendwende mitgemacht als Stagemanager und habe unterschiedliche Länder und Kulturen kennengelernt. Mein Leben richte ich nach außen, ich liebe die Sprache und bin unbekümmert, wenn es darum geht, andere Menschen anzusprechen.

Betrachten wir es analog, reicht es doch, wenn ich sehe, dass es ein Baum ist. Irgendwann erfahre ich dann, dass es ’ne Ulme oder ’ne Birke ist, aber in erster Linie ist es doch einfach nur ein Baum – da bin ich vielleicht sehr naturverbunden. Aber gleiches gilt doch für den Menschen an sich. Ob du Architekt, Ingenieur, Student, schwarz, weiß, klein oder groß bist, macht keinen Unterschied. Du sitzt da und drückst mit deinem Gewicht auf den Boden ein. Ganz einfach.

Achtung, jetzt wird es noch philosophischer: Aber ich glaube, man muss zunächst einmal das eigene Fremde kennenlernen. Und dafür sollte man vielleicht zur Abwechslung auch mal das Gegenüber gewinnen lassen und in gewissen Dingen in Unwissenheit weiterleben. Na ja, das klingt alles wenig hoffnungsvoll, merke ich gerade. Aber so lange es Marzipan-Nuss-Schokolade gibt, ist auch noch nicht alles verloren.“

/ Max Nölke

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