Noch sieht es nach Baustelle aus: Menschen mit gelben Warnwesten und gelben, roten, blauen und weißen Helmen kreuzen die Straßen, wimmeln durch das neue Westfield Hamburg-Überseequartier. Sie machen alles bereit für die große Eröffnung am 8. April. Draußen klopfen zwei Arbeiter Steinplatten in den Boden, Regale werden vom Baustaub befreit, ein Mann wischt mit einer Aufsitz-Scheuersaugmaschine den Boden. „Wir sind in der finalen Stufe des Test- und Inbetriebnahme-Prozesses“, sagt Unibail-Rodamco-Westfield-Zentraleuropa-Chef Jakub Skwarlo, der im Showroom neben einem detailreichen Model des Projektes steht.
Vom Überseeplatz bis zum Kino
„Willkommen auf dem Überseeplatz“, sagt Quartiersmanagerin Theda J. Mustroph, die ausgewählten Pressevertretern heute einen Rundgang anbietet. Zwischen zwei Gebäuden mit roter Klinkerfassade führt ein mit Glas überdachter Gang direkt in das Herz des Quartiers: die Einkaufsmeile mit Gastronomie und Kino. Neben ein paar neu gepflanzten Bäumen gibt es großzügige Sitzgelegenheiten. Manche eröffnen den Blick auf einen großen Bildschirm. Dort sollen nicht nur kommerzielle Inhalte, sondern auch zu 50 Prozent Hamburg-Inhalte zu sehen sein, erklärt Mustroph. „Es ist uns wichtig, die Stadt, in der wir sind, zu präsentieren.“ Hamburger Unternehmen sind auch im Quartier vertreten. „Local Heros“ nennt Mustroph sie. Zu diesen zählen etwa der Burger-Laden Bear Claw und das Omelett-Restaurant Lolas. Auch die aus Hamburg stammende Buchhandlung Thalia ist mit einem großen Store im neuen Quartier vertreten, in direkter Nachbarschaft zum LEGO Discovery Centre mit seiner farbfrohen XXL-Legostein-Fassade, in der mittig ein großer Monitor Filmchen abspielt. Nur wenige Meter weiter, schräg gegenüber, führt eine Rolltreppe eine Etage höher. Unter dem Namen „The Kitchen“ bieten hier lokale Unternehmen Streetfood an, zusätzlich gibt es mittig eine Bar. Daneben führt eine (Roll-)Treppe eine weitere Etage nach oben ins Kinopolis. Zehn Säle mit knapp 2200 Sitzplätzen umfasst das neue Premium-Multiplex-Kino. Der größte Saal hat Platz für bis zu 450 Personen. Es ist zudem das erste Dolby Cinema in Hamburg. Mehr Sound geht nicht. Eine kleine Kostprobe gab es auch. Gezeigt wird der Trailer zu „Top Gun: Maverick“. Turbinengeräusche dröhnen von allen Richtungen ins Ohr, die Luxussitze vibrieren. Cineasten werden es lieben.
Das Licht geht an, der Rundgang weiter. Es geht hinunter. Im Untergeschoss befinden sich Geschäfte wie Zara, Snipes und Breuninger. „Wir sind startklar“, sagt Henning Riecken, Geschäftsführer von Breuninger in Hamburg. „Auch, wenn wir es schon früher gewesen wären“, fügt er hinzu. Eine kleine Spitze konnte er sich angesichts der zweimaligen Verschiebung des Eröffnungstermins nicht verkneifen. Es ist kühl. „Hier ist frische Hamburger Luft“, sagt Mustroph. Der Gebäude-Komplex ist kein abgeschlossener Raum, keine Mall, wie oft fälschlicherweise angenommen. Die Struktur ist halboffen. Da bleibt eine gewisse Hafenfrische nicht aus.
Es geht zunächst wieder raus, dann ins benachbarte Bürogebäude. In einem noch nicht ausgekleideten Aufzug geht es zügig in das oberste Stockwerk, der 13. Etage. Oben angekommen ist es noch kühler. Der Raum ist leer, nur Estrich bedeckt den Boden. Rundherum ist die Etage mit großen Glasfenstern versehen. Der Blick über Hamburg und den Hafen ist beeindruckend. Na, wenn hier nicht die erhabenen Ideen von morgen entstehen. Nach einer kurzen Runde geht es wieder zurück auf den Boden der Tatsachen.
Der Rundgang neigt sich dem Ende zu. Letzter Stopp: Port des Lumières. Es grüßt General Manager Jan-Peter Becker: „Wir nehmen Sie heute mit auf eine kleine Reise. Wir haben 100 Jahre zusammengedampft auf fünf Minuten“, sagt Becker. Zu sehen sind: Gustav Klimt, Friedensreich Hundertwasser und einige zeitgenössische Kunst, raumfüllend und immersiv. Mittendrin statt nur dabei. Leicht verträumt verlässt man den mit hohen Decken ausgestatteten Raum, als käme man aus einer Parallelwelt. Und ein Stück weit trifft das auch auf das Überseequartier zu, dem neuen Viertel am Hafen. Eine große, verspielte Parallelwelt an der Elbe. Vielleicht ja genau das Richtige in diesen zunehmend ernsten Zeiten.