Ein Gespräch mit Robert Pattinson

Während der Berlinale trafen wir den Schauspieler, der mit uns über seinen aktuellen Film „LIFE“ sprach – über schlechte Väter, Fotografie als Kunstform und Frostbeulen an den Fingern

Es ist ein Foto, das jeder kennt. James Dean am verregneten Times Square in New York, den Mantelkragen hochgestellt, eine Zigarette im Mundwinkel und weit und breit keine Menschenseele. Wie es zu den vielen James-Dean-Porträts kam, die der Fotograf Dennis Stock 1955 für das LIFE Magazine schoss, erzählt Anton Corbijn in seinem neuesten Film. Er zeigt, wie die zwei ungleichen Charaktere sich auf die Reise quer durch die USA machen. Stock (Robert Pattinson), ungelenk und getrieben, der seine Chance zum Durchbruch wittert und Dean (Dane DeHaan), so selbstbewusst wie unberechenbar.

SZENE HAMBURG: Wie war es unter den Augen eines legendären Fotografen wie Anton Corbijn selbst einen solchen zu spielen?

Robert Pattinson: (lacht) Zum Glück hab ich Dennis Stock anfangs gar nicht so sehr als Fotografen gesehen. Für mich war er eher jemand, der versucht, ein Künstler zu sein, aber nicht sicher ist, ob er überhaupt das Zeug dazu hat. Ich hatte das Gefühl, die Kamera war für ihn vor allem Mittel zum Zweck, sich auszudrücken.

Wie sind Sie dann selbst mit der Kamera umgegangen? Haben Sie damit eher gepost oder sie wirklich benutzt?

Das Tolle war, dass ich die Kamera bereits ein paar Monate vor den Dreharbeiten bekommen habe. Geliehen hat sie uns das deutsche Leica-Museum und es war das gleiche Modell, mit dem auch Dennis Stock gearbeitet hat. Es gibt nicht mehr viele der Originalkameras, aber sie sind einfach toll, und ich hab meine ausgiebig genutzt.

Was haben Sie fotografiert?

Ich habe direkt danach angefangen den Werner Herzog Film „Königin der Wüste“ zu drehen und konnte gar nicht mehr aufhören, am Drehort zu knipsen. Ich habe Hunderte von Fotos in der Wüste gemacht, am Set und in Marrakesch. So wirklich ernsthaft habe ich das aber nicht betrieben, sondern eher aus Spaß. Ich dachte, ich frage Anton dann später, wie man die Leica richtig bedient. Aber es stellte sich heraus, dass er nicht die leiseste Ahnung davon hat (lacht).

Aber ein paar Tricks hat er Ihnen schon gezeigt, oder? Er ist ja eigentlich der beste Lehrer, den man sich vorstellen kann.

Das dachte ich auch und, dass er mir zeigt, wie ich sie am besten halte und auch bewege. Doch Anton meinte nur, ich müsste mich einfach in die Kamera einfühlen. Irgendwann hab ich ihn dann auch verstanden, denn er ist ein ganz anderer Fotograf als Dennis Stock. Während Anton die Fotografie liebt, weil er sich gerne am Rande des Geschehens bewegt, um alles sehr genau zu beobachten, benahm Stock sich eher wie ein Maler. Er war nicht nur auf sein Gegenüber konzentriert, sondern auch sehr auf sich selbst und suchte ständig nach Anerkennung. Deswegen gefiel er sich auch nicht besonders in der Rolle des Fotografen, denn er wollte viel extravaganter sein.

Robert Pattinson

Das deutsche Leica-Museum lieht Robert Pattinson diese Original-Kamera für die Dreharbeiten

Hat Sie das an der Rolle interessiert?

Ehrlich gesagt, hat mich als Erstes interessiert, dass er so ein verdammt schlechter Vater war. In meinem Alter kommt es sowieso selten vor, dass man einen Vater spielt und dieser liebt sein Kind noch nicht einmal und kann es selbst nicht verstehen. Ich finde es gibt diese sehr schöne Szene, in der James Dean mit seinem Neffen spielt, Stock die beiden beobachtet und sich den Kopf darüber zerbricht, wie Dean es schafft, so selbstverständlich und liebevoll mit dem Kind umzugehen. Das fand ich herzzerreißend. Dazu kommt, dass man so jemanden automatisch für ein Arschloch hält und ich fand es spannend, ihn trotzdem sympathisch darzustellen.

Die Bilder von Dennis Stock hingegen stecken voller Gefühle.

Man kann auf ihnen richtig sehen, dass er James auf seine eigene Art wirklich geliebt hat. Er konnte es ihm nicht direkt sagen, aber die Bilder wirken, als hätte Stock ihm eine Krone aufgesetzt. Gleichzeitig aber schimmern Neid und Bitterkeit durch, aber auch was für einen starken Einfluss James auf ihn hatte. Ich liebe Stocks Fotografien aus dieser Zeit, auch die der Jazzmusiker, die er fotografiert und die zeigen, wie sehr er sie bewunderte. Ich glaube, die Fotografie war der einzige Weg für ihn, seine Liebe ihnen gegenüber auszudrücken.

Hat die Rolle ihre eigene Sicht auf die Fotografen, von denen Sie ständig umgeben sind, verändert?

Überhaupt nicht. Selbst wenn ein Fotograf damals darauf aus war, Paparazzi-Fotos zu schießen, musste er ein gewisses Können haben. Schon allein, um den Blitz zu bedienen (lacht). Ganz abgesehen davon, dass Leute wie Dennis Stock einen ganz anderen Anspruch an die Fotografie hatten. Sie waren auf der Suche nach einer neuen Bildsprache, wollten die Dinge überhöhen und die Menschen im besten Licht präsentieren. Sie wollten sie vibrieren lassen und unbekannte Seiten an ihnen entdecken, und auch die Leser wollten das. Heute muss man nicht mehr viel mehr können als auf den Auslöser zu drücken, und die Paparazzi sind sowieso nur darauf aus, einen zu erniedrigen. Es ist, als ob sie sich selbst nicht leiden können und deshalb auch in den anderen nur das Schlechte suchen. Ich kann das überhaupt nicht verstehen und finde es einfach schrecklich.

Ist das eigentlich Anton Corbijn selbst, der bei der Filmpremiere von „Jenseits von Eden“ am roten Teppich steht und einen der Fotografen spielt?

Ja, das ist er. Und ich würde sagen, er hat mehr Takes für seine eigene Szene gebraucht als für alle anderen in dem Film (lacht). Immer wieder meinte er „Oh, ich hab es nicht richtig gemacht“ und am Ende haben wir bis 10 Uhr morgens gedreht. Das war verrückt.

Ist James Dean heute noch wichtig für junge Schauspieler? Ist er überhaupt noch ein Vorbild?

Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich 16 war und er eines meiner riesigen Idole. Alle kannten das berühmte Foto am Times Square und er war der Idealtyp des Understatements. Als ich dann angefangen habe zu schauspielern, war ich sehr befangen. Mein Spiel sollte auf keinen Fall übertrieben wirken, sondern ganz so wie seines, so ruhig und voller Gefühle, die er ganz verinnerlicht hatte.

Gab es für Sie eine James-Dean-Szene in dem Film?

Zumindest, was das ganz Ruhigbleiben angeht (lacht). Die Szenen auf der Farm der Deans haben wir in Toronto gedreht, es waren Minus 40 Grad und ich konnte wirklich nicht verstehen, wie man bei solchen Temperaturen draußen dreht. Die Kamera fror jedes Mal an meinen Fingern fest und ich musste mich an die Heizung stellen, um sie wieder loszueisen. Wir waren kurz davor, uns Frostbeulen zu holen und ich war irgendwann so wütend, dass ich schon gar nicht mehr richtig wütend sein konnte und ganz, ganz ruhig wurde.

Text & Interview: Sabine Danek

Regie: Anton Corbijn. Mit Dane DeHaan, Robert Pattinson, Joel Edgerton, Ben Kingsley, Kristen Hager. „LIFE“ läuft aktuell in folgenden Hamburger Programmkinos: Holi, 3001 und Abaton Kino