Marsimoto – kein Star zum Anfassen

Marsimoto kommt ins Docks (24./25.11.) – das kiffende Alter Ego von Popstar Marteria rappt auf dem Kiez über Victory-Schuhe und Stereoanlagen

Einfach mal die Identität wechseln, das wünschen sich viele. Drum lässt sich der Abteilungsleiter gelegentlich auspeitschen. Der Dichter liest heimlich GALA. Und der brave deutsche Popstar Marteria setzt sich eine Maske auf und rappt übers Kiffen. Sein Alter Ego Marsimoto ermöglicht dem Musiker Marten Laciny ein zweites künstlerisches Ich. Eines, das auf gewaltigen Bässen und einer hochgepitchten Heliumstimme basiert.

Nicht nur stilistisch, auch textlich liegen Welten zwischen Marteria und Marsimoto. Ersterer schaut in die Zukunft, auf das Schicksal der Menschheit und unseren Planeten. Zweiterer ist ein Kind der Neunziger, rappt über Victory-Schuhe und Stereoanlagen – mit nicht minder vielen doppelten Böden. Das Retro-Faible deutet auch seine Maskerade an: Grasgrün, von Maske bis Fuß, könnte Marsimoto einem alten Comic entsprungen sein, als fleischgewordene Compilation von Superheld Green Hornet und Spiderman-Feind Green Goblin.

Doch Marsimoto braucht weder Superkräfte noch ein Hoverboard, um abzuheben, er schwebt auf einer Wolke aus Weed über den Kiez bis ins Docks, und das gleich an zwei Abenden.

Text: Lena Frommeyer

Grüner wird’s nicht

Kurzgespräch mit Marsimoto über sein neues Album „Ring der Nebelungen“

Marsimoto, auf deinem aktuellen Album geht es viel ums Reisen. Ist dir deine Heimat Green Berlin mittlerweile zu klein geworden?

Ja, das ist ein bisschen so. „Ring der Nebelungen“ beschreibt daher auch den Weg von Green Berlin zu Green Pangea – den einen großen Kontinent. Ich rappe zwar auf Deutsch, sehe mich aber als Weltmusiker und verstehe Menschen nicht, deren Horizont nur von Passau bis Hamburg reicht. Marsimoto repräsentiert alles: ein deutsches Dorf genauso wie eine asiatische Megametropole. Ich bin Mexikaner, Kolumbianer, Chinese, Jamaikaner, Berliner, Hamburger – alles!

Dein Werken und Wirken war und ist stets von Widersprüchen durchsetzt. Ist es wichtig, eine Figur wie Marsimoto nicht greifbar werden zu lassen?

Absolut. Deshalb kann ich auch keine Hände schütteln oder Autogramme geben. Ich bin kein Star zum Anfassen und spiele auch keine kleinen Gigs mehr – hier in Hamburg muss es schon das Docks sein. Mein erster Auftritt zum neuen Album war ja gleich beim Rock am Ring: Urban-Bereich, Dunkelheit, Hauptact. Das ist die Marsi-Attitude. Da fängt es gleich groß an. Weil es groß ist.

Bescheidenheit ist nicht so dein Ding, oder?

Warum auch? Ich habe kein Problem damit, meine Eier auf den Tisch zu legen – weil ich weiß, dass man dann vor lauter Eiern den Tisch nicht mehr sieht.

Interview: Daniel Schieferdecker

Docks
Spielbudenplatz 19 (St. Pauli)
24 & 25.11., 20 Uhr
beide Konzerte sind ausverkauft