Petit Amour: Kleine Liebe, großes Essen

Französisch: Ein Weltenbummler bekocht die Ottenser auf Top-Niveau

An seinem Namen verknoten sich Franzosen die Zunge, und doch erinnern sich viele seiner Ex-Chefs von Alain Ducasse (Le Jules Vernes im Eiffelturm) bis Jean-Claude Bourgueil (Im Schiffchen in Düsseldorf) gern an diesen jungen Hamburger Koch zurück, der immer ein bisschen mehr lernen wollte als die anderen.

In diesen beruflichen Wanderjahren (bis nach Tokio) wurde Boris Kasprik nicht nur immer frankophiler, sondern vor allem am Herd immer besser – zuletzt verhagelte ihm nur die plötzliche Schließung der Bahrenfelder Gourmet-Hoffnung Chez Fou den längst verdienten Stern. Dorthin ist auch bei seinem neuesten Projekt noch ein weiter Weg, auf dem er aber nach der Eröffnung seines ersten echten eigenen Restaurants Petit Amour jeden Tag ein Stückchen vorankommt.

Amour_Boris KasprikDer 30-jährige Kochmeister hat über ein Jahr lang und mit großem persönlichen Risiko für 170.000 Euro die üble Bier-Kaschemme Spritzenklause zu einem der schicksten Restaurants Ottensens umgebaut. Und wer jetzt „Gentrifizierung, nein danke!“ ruft, sollte einfach mal zwei, drei Kasprik-Teller probieren. Ruckzuck wird er dabei ein weiteres Fremdwort lernen: magnifique! Boris und sein Team aus drei Köchen und dem liebenswert-kompetenten Service um Restaurantleiter und Sommelier Mathias Mercier (aus Avignon) zaubern die puristisch-produktverliebte, dabei aber tabulos globalistisch über den Franko-Tellerrand inspirierte High-Cuisine in ein mit bequemen Sesseln und angesagten Grau-Tönen zum langen Verweilen einladendes Restaurantambiente. Die Preise (nur Menüs) sind der Küchenleistung und den verwendeten Spitzenprodukten angemessen: drei Gänge für 49 Euro, sieben für 89 Euro, donnerstags Lunch für 25 bis 35 Euro.

Kein Problem also für die Feinschmecker Hamburgs, die endlich eine neue echte Gourmet-Alternative bekommen. Und erst recht nicht für die zahlreichen Gentrifizierungsmietenzahler rings um den Spritzenplatz.

Text: Peter Wagner
Fotos: Andreas Laibe

Spritzenplatz 11 (Ottensen)
Di-Mi 18–223 Uhr
Do 12-14.30 Uhr
Fr-Sa 18-23 Uhr