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SomeDimSum – Lecker, laut, voll

In der Weidenallee in Eimsbüttel verbindet diese asiatische Futterstube Teigtaschentradition mit gelungenen Fleisch- und Gemüse-Neukreationen.

Hui … ist das voll hier. Zum Glück haben wir reserviert. Als wir uns setzen, merken wir: es ist nicht nur voll, es ist auch eng. Und laut. Vielleicht ein Anfängerfehler des sehr jungen Restaurants in der Weidenallee – zumindest verzeihen wir es schnell, denn die Bedienung ist unverschämt reizend. Wir bestellen bei ihr zur Kühlung der erhitzten Köpfe schnell zwei Bier (Ratsherrn Pils für 3,50 Euro und Pale Ale für 3,80 Euro). Das geht runter wie Öl und passt zum Studium der erfreulich übersichtlichen Speisekarte. SomeDimSum bietet Plates (kleine Vorspeisen), vegetarische Nudeln und Dumplings (kleine Teigtaschen) mit herausragend klingenden Füllungen an. Letztere kann man gebraten oder gedämpft bestellen und hat die Wahl zwischen vegetarischem oder karnivorischem Innenleben. So ordern wir erst mal zwei „Kleine Köstlichkeiten“ aka Plates: Oma He’s Schweinebauch (4,90 Euro) und Pickled Cucumber (3,90 Euro) sowie die erste Runde Dumplings. Für 4,90 Euro bekommen wir je drei Teigtaschen à la Duck Delight (Ente und Wasserkastanie), Thai-Curry (Süßkartoffel und Lauchzwiebel) und Teriyaki-Beef (Rind mit geschmorten Zwiebeln).

Bis auf die Plates sind wir rundum glücklich – ein bisschen ängstlich vielleicht, dass der zweite Gang auf sich warten lassen wird, denn der Service müht sich zu zweit an etwa 90 Gästen ab. Also schnell dumplingmäßig nachgelegt mit Vegan Tofu (Glasnudeln, China- kohl und Shiitake), Spicy Backyard (Glasnudeln, Gewürztofu und Backyard-Spice) und BBQ-Pork (Überraschung: Schwein mit BBQ-Mix) – ziemlich gut. Dazu noch mal eine Runde Bier (Pluspunkt: die Auswahl passt zum Futterangebot). Und bis das Essen kommt? Die Wartezeit lässt sich sonst mit guten Gesprächen überbrücken – hier geht das gesprochene Wort leider konsequent über die halbe Tischlänge verloren. Also lieber zuprosten und verliebt gucken.

Der Nachbartisch ist nicht ganz so geduldig und fängt bald an zu mosern, da kommt zumindest unsere zweite Runde. Danach sind wir vollkommen gesättigt. Der hochgepriesene Cheesecake-Schaum muss noch reinpassen, tut er auch. Schmeckt aber nicht. Schade eigentlich, denn die Selbsteinschätzung auf der Karte stimmte schon beim „wahnsinnig leckeren“ Gurkensalat so gar nicht. Es war trotzdem ein geschmackvoller Abend. Die frische Vorwinterluft ist aber der bessere Nachtisch.

Text: Jenny V. Wirschky

Weidenallee 60 (Eimsbüttel), Telefon 41 12 51 11, Mo-Fr 12–15 und 17.30–22.30, Sa-So 14–22.30 Uhr; www.somedimsum.de


 Dieser Text ist ein Auszug aus SZENE HAMBURG, Januar 2018. Das Magazin ist seit 22. Dezember 2017 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!

FoodSZENE: Jasmin unterwegs #3

Lutz Bornhöft scheut keine Risiken und sattelte mit Cook Up – Culinary Gallery von der klassischen Gastronomie um zur experimentellen Kochschmiede.

Strahlende Augen, struppiger Bart, verschmitztes Lächeln – Lutz Bornhöft wirkt gar nicht wie einer, dem irgendwas zu viel werden könnte. Er sprüht vor Elan, lacht viel und weiß eine Anekdote nach der anderen zu erzählen. Zehn Jahre lang hat er das Restaurant Juwelier in der Weidenallee 27 geführt, dann war irgendwann Schluss für ihn: „Ich konnte und wollte nicht mehr. Ich stand in der Küche und war gleichzeitig Geschäftsführer. Das war weder beziehungstauglich, noch gut für den Körper.“ Catering-Aufträge, Juwelier Espressobar und Feinkostlinie, HFBK-Mensa und die Mietlocation Juwelier Studio gaben ihm den Rest. „Am Ende waren das sechs Standbeine, die ich zusammen mit meiner Geschäftspartnerin Katja Dietrich betreut habe. Das wurde einfach zu viel“, sagt Bornhöft und fährt sich energisch durch die blonden Haare. Geblieben ist aber vor allem eines: seine Passion fürs Kochen, am liebsten saisonal und mit hochwertigen Produkten aus der Region.

Ich war als Saucier Nachfolger von Tim Mälzer

1999 kommt der gebürtige Bad Bramstedter nach Hamburg, um im Landhaus Scherrer und im Tafelhaus zu kochen. „Das Tafelhaus war eine prägende Stätte für mich. Ich war als Saucier Nachfolger von Tim Mälzer und lernte dort Vorbilder wie Gerald Zogbaum von der Küchenwerkstatt und Tom Roßner kennen, heute Geschäftsführer von der Bullerei“, sagt er rückblickend. Die nächste Station führt Bornhöft in eine Weinhandlung, wo er auch Katja Dietrich kennenlernt. Fünf Jahre später eröffnen sie das Restaurant Juwelier. Offene Küche, Platz für 30 Gäste, schlichtes Mobiliar: Von 2006 bis 2016 bietet Bornhöft hier feinste Kochkunst ohne viel Tamtam.

So einen Laden kannst du nicht einfach loswerden

Dann die Kehrtwende: Anfang 2016 beschließt der Tausendsassa, sich von allem freizumachen. Den Restaurantbetrieb empfindet er inzwischen als Klotz am Bein. „So einen Laden kannst du nicht einfach loswerden“, sagt der 41-Jährige. „Du kannst abschließen und dann kommt der zigste Burgerladen oder ein Sonnenstudio rein. Das wollte ich nicht. Außerdem hatte ich das Gefühl, dass meine Zeit noch nicht vorbei ist.“ Zwischen zwei Schnapsgläsern – wie soll es anders sein – kommt ihm plötzlich die Idee: Er will seinen Laden als Pop-up-Fläche zur Verfügung stellen. Er fährt nach Köln, um sich ein ähnliches Konzept anzuschauen. Im August ist es dann soweit: Das sozio-kulturelle Projekt Juwelier des Ostens macht den Anfang. Das Ganze hat so viel Erfolg, dass Bornhöft seinen Urlaub canceln muss. Dann geht alles ganz schnell: Im September holt er den quirligen Miguel Zaldívar rein, der seinen Gästen Tacos und Mezcal serviert (heute Taqueria Mexiko Strasse). Weiter geht’s mit einer Ceviche- Bar, die später unter dem Namen Leche de Tigre in Altona eröffnen wird. „Ich freue mich für die Jungs, dass sie sich so toll selbstständig gemacht haben“, sagt der umtriebige Gastronom nicht ohne Stolz und räumt ein: „So was ist dann natürlich auch für mich eine super Referenz.“

Wer bei uns gekocht hat, kann später mit der Kassenauswertung zur Bank oder einem Investor gehen und zeigen, dass die Idee funktioniert.

Bornhöfts Plan geht auf: jungen Köchen eine Bühne zu bieten, unverbindlich und unkompliziert. Einzige Voraussetzung: die Vorlage von Gewerbeschein, Steuernummer und Gesundheitszeugnis. Im Angebot: ein voll ausgestattetes Restaurant und Bornhöfts Know-how. Und das ist viel Wert. Einige Bewerber haben zwar gute Ideen in petto, aber wenig Praxiserfahrungen. Der Profi weiß: „Sich als Koch selbstständig zu machen, kostet einen Haufen Geld. Ohne Rücklagen oder einen privaten Investor wird das schwierig. Wer bei uns gekocht hat, kann später mit der Kassenauswertung zur Bank oder einem Investor gehen und zeigen, dass die Idee funktioniert.“

Mit jedem Koch ändert sich auch das Publikum

Ob mexikanische, äthiopische oder mongolische Küche – mit jedem Koch ändert sich auch das Publikum. „Meine Stammgäste lachen schon, wenn hier wieder die Bude brennt. Mal ist Rambazamba mit lauter Musik und Trinkgelagen bis in die Puppen angesagt, dann wieder stehen disziplinierte Hotelfachschüler in steifer Kochjacke vor dir“, bemerkt Bornhöft grinsend. Mit seinen Geschichten könnte er mittlerweile ein ganzes Buch füllen. Und klar, auch das ist in Planung.

Im Dezember wird Dirk Neumann kochen, auf den Tisch kommen Klassiker aus Wald, Wild und Wiese. Ob Lutz Bornhöft mit seinem Cook Up jetzt mehr Zeit fürs Privatleben bleibt, sei mal dahingestellt. Sicher ist: Innovative Geister sind eben nicht zu stoppen.

Cook Up – Culinary Gallery, Weidenallee 27 (Eimsbüttel), Telefon 25 48 16 78

 


Who the fuck is…

 

Foto: Philipp Jung

Unsere Kollegin Jasmin Shamsi schlemmt sich für uns durch Hamburg. Als Foodredakteurin schlägt ihr Herz für Kultur und Kulinarik – die zwei großen Ks, für die sie brennt. „Sie hängen eng miteinander zusammen und befinden sich im ständigen Austausch“, sagt sie. Für uns spürt sie die Geschichten über Macher und Marken auf und serviert sie brühwarm und immer neu gewürzt – online und in jeder Ausgabe der SZENE HAMBURG.

jasmin.shamsi@vkfmi.de

Eimsbüttel 2040 : Wie kann die Stadt wachsen?

Eimsbüttel 2040 Die Stadt wächst. Auf knapp 2 Millionen soll die Einwohnerzahl in den nächsten 20 Jahren steigen. Hamburg gehört mit 9,1 % Wachstum (Quelle: Institut der Deutschen Wirtschaft) zu den Spitzenreitern in Deutschland, nur Berlin wächst schneller. Doch wo kann die Stadt eigentlich wachsen? Und wie? Eimsbüttel will vorbereitet sein. Und hat als erster Bezirk ein räumliches Leitbild vorgelegt

Wenn es um eine wachsende Stadt geht, steht Eimsbüttel vor einer ganz besonderen Herausforderung: Der Bezirk ist nicht nur der kleinste der sieben Hamburger Bezirke, sondern auch der am dichtesten besiedelte – 14 Prozent der Einwohner leben hier auf gerade mal 6 Prozent der Fläche. Und Eimsbüttel ist begehrt. Allerdings gibt es weder große Flächen, noch alte Krankenhäuser oder Kasernen, die sich umwandeln ließen. Hinzu kommt der Flughafen als große Begrenzung. Die Rahmenbedingungen seien knackig, sagt denn auch Bezirksamtsleiter Kay Gätgens (Foto). Aber: „Wir wollen das Wachstum gestalten und nicht hinterherlaufen.“ Und dabei geht er ungewöhnliche Wege: Um das Konzept „Eimsbüttel 2040“ auf die Beine zu stellen, durften die Eimsbüttler selbst auch mitreden. „Hier soll niemand vor vollendete Tatsachen gestellt werden“, betont er.

Über eine Online-Befragung, Ständen auf Wochen- und Weihnachtsmärkten sowie Workshops an Schulen mit rund 70 Kindern wurden seit Sommer 2016 Ideen und Hinweise in die Planungen einbezogen. Wichtigstes Thema dabei: „Mobilität und Infrastruktur“. Zu groß sind offenbar die Konflikte zwischen Radfahrern, Autofahrern und Fußgängern. Gefordert wurde allerdings nicht nach einer Entscheidung zwischen Auto oder Fahrrad, sondern: Für wen brauchen wir mehr Platz? „Das ist eine ganz andere Diskussion“, betont Gätgens. Die Antwort ist eindeutig: Auch in Eimsbüttel wächst der Wunsch nach mehr Flächen für Radverkehr. „Das passt zum weltweiten Trend“, betont Gätgens. „Barcelona, Amsterdam und Kopenhagen machen vor, in welche Richtung es geht.“

Fünf wichtige Leitthemen wurden in dem Konzept erarbeitet. Oberstes Gebot: Die Stadt braucht qualitätsvolle Grünflächen. Der Erhalt und die Schaffung neuer Grün- und Erholungsflächen werden von 27 Prozent der Befragten als wichtigstes Zukunftsthema benannt. Die Landschaftsachse aus Grünzügen, Forst, Parks und Wasserflächen soll – so die daraus resultierenden Planungen – über ein verbessertes Wegenetz zu kleineren Grünflächen gestärkt werden. Einig sind sich die Befragten vor allem auch darin: Wenn es um das Thema Bauen geht, dann sollten Grünflächen davon komplett ausgeschlossen werden.

Die Zentren in den Stadtteilen sollen zu „lebendigen Kernen“ ausgebaut werden, die sich vor allem durch eine gute Mischung aus Einkaufen, Wohnen und öffentlichen Plätzen zusammensetzen. Flächenpotenzial böten hier vor allem gering bebaute Grundstücke, gewerblich genutzte Parkplätze oder niedrige Gebäude. Aktuell macht sich der Bezirk wenig Sorgen um den Wohnungsbau. „Wir liegen heute mit 1600 Wohneinheiten weit über unserer Planzahl von 1050“, sagt Gätgens stolz. Das werde sich auch in den nächsten Jahren nicht ändern. Der Bezirk muss aber nicht nur entsprechende Flächen für Wohnraum, sondern auch eine passende Infrastruktur für die heutigen und künftigen Einwohner zur Verfügung stellen.

Auch neue Schnellbahnen sollen dem Wachstum gerecht werden. So sei der Ausbau des Schnellbahnnetzes der stärkste Motor für eine nachhaltige Siedlungsentwicklung, so Gätgens. Vor allem Lokstedt und Stellingen würden von dem geplanten Bau der U5 profitieren, Eidelstedt und Schnelsen von der S21.

Weiteres Leitthema in dem Gesamtkonzept sind „attraktive Magistralen“. Würde sich erstmal der Hauptverkehr dank eines ausgebauten Schnellbahnnetzes unter die Erde verlegen, böten die großen Verkehrsachsen gute Entwicklungsperspektiven. Lärm und Emissionen nehmen ab, die Straßen könnten zu „urbanen, attraktiven Straßen mit Aufenthaltsqualität“ umgestaltet werden. „Und vielleicht wird die Grindelallee dann auch tatsächlich wieder zur Allee“, wagt Gätgens den Blick nach vorn.

Auch beim Thema Gewerbe hat die Verwaltung Pläne. Hier ginge es aufgrund fehlender Flächen vor allem darum, Gewerbe mit hohem Arbeitsplatzanteil und geringem Platzbedarf weiterzuentwickeln.

Eimsbüttel 2040: Bis zum 30.November 2017 mitreden!

Das Leitbild sei natürlich dynamisch, betont Gätgens. „Wir maßen uns nicht an, zu wissen, wie die Stadt in 20 bis 30 Jahren aussehen wird. Aber wichtig ist ein Rahmen.“ Dieser soll regelmäßig alle 2 bis 5 Jahre überprüft werden. Das Konzept wurde jetzt auch im Stadtplanungsausschuss vorgestellt und der politischen Diskussion übergeben. Auch die Bürger dürfen und sollen sich weiter beteiligen. Bis zum 30. November können sie das Leitbild online einsehen und über die Kernthesen abstimmen. Anfang 2018 soll das Leitbild dann beschlossen werden. „Es ist gut, konzeptionell aufgestellt zu sein“, so Gätgens. „Für die eigene inhaltliche, aber auch die politische und öffentliche Diskussion ist es gut, klare Vorstellungen zu haben.“

/ Text und Beitragsbild: Ilona Lütje /

www.eimsbuettel2040.de