Sozial schenken: Spenden in Hamburg

Konsum macht uns nicht nachhaltig glücklich. Wie wäre es mit einer Spende statt Weihnachtsgeschenken? Wir stellen sieben Projekte und Initiativen aus Hamburg vor, die es zu unterstützen lohnt

1. Einen Tisch decken

Rund ein Sechstel der Hamburger lebt in Armut oder ist davon bedroht. Zugleich landen extrem viele noch essbare Nahrungsmittel im Müll. Die Tafeln sammeln Lebensmittelspenden, verteilen sie an sozial benachteiligte Menschen und schaffen somit einen kleinen Ausgleich. Dabei fallen viele Kosten wie Miete, Betriebskosten und Mitarbeitergehälter an. Mit dem Flüchtlingszustrom wächst auch die Anzahl der Bedürftigen, was die Organisation vor große Herausforderungen stellt. Unterstützen kann man die Hamburger Tafel nicht nur mit einer Geldspende, sondern zum Beispiel mit Schlafsäcken oder Decken, die im Winter an Obdachlose verteilt werden.
www.hamburger-tafel.de

2. Verfolgte schützen

Die Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte nimmt seit 1986 jedes Jahr Aktivisten, Künstler und Journalisten auf, die in ihrer Heimat politisch verfolgt werden, und ermöglicht ihnen mit einem Stipendium einen sicheren Aufenthalt und die Chance ihre Arbeit fortzusetzen. Eine ehemalige Stipendiatin, die Journalistin Sihem Bensedrine, gehört mittlerweile zum tunesischen Menschenrechtsdialog, der gerade den Friedensnobelpreis erhalten hat. Wer nicht nur spenden, sondern auch die Macher kennenlernen möchte, kann zur Benefizlesung mit Suzanne von Borsody am 9. Dezember kommen. Mit dieser Veranstaltung soll etwa die Hälfte eines Jahresstipendiums für einen Gast im nächsten Jahr finanziert werden.
www.hamburger-stiftung.de

3. Kultur fördern

Kultur kostet Geld, das so mancher nicht übrig hat. Viele Vereine versuchen mit kostenlosen oder günstigen Kulturangeboten auch weniger wohlhabenden Menschen die Teilhabe zu ermöglichen. Der Kulturlotse listet täglich eintrittsfreie Veranstaltungen in Hamburg. Der Kulturpalast Billstedt bringt Kindern klassische Musik nahe und fördert junge Talente in einer HipHop-Akademie (siehe HipHop-Gala Seite 16). Mit dem Club Bambi Galore bereichert der Kulturpalast zudem die Hamburger Livemusik-Szene. Aber auch andere Kulturzentren und Bürgerhäuser wie das Goldbekhaus, die Zinnschmelze oder die Werkstatt 3 verrichten bedeutende kulturelle Arbeit und sind wichtige Begegnungsstätten. Das Bürgerhaus in Ihrem Stadtteil zu unterstützen wäre sicherlich auch ein schönes Weihnachtsgeschenk.
www.kulturlotse.de
www.kph-hamburg.de
www.werkstatt3.de
www.goldbekhaus.de

4. Bildungschancen verbessern

Bildung ist die beste Investition in die Zukunft – gerade bei Menschen mit schlechteren Startbedingungen, um die sich mehrere Vereine im Hamburg kümmern. Zeit für Zukunft ist ein gemeinnütziges Mentorenprogramm zur Förderung von Kindern und Jugendlichen aus sozial benachteiligten Milieus. Dabei verbringt das Kind alle paar Wochen Zeit mit einem Mentor. Das soll die Kinder motivieren sowie ihre Bildungschancen und Kommunikationsfähigkeit steigern. SchlauFox stellt jungen Flüchtlingen einen Mentor zur Seite, der ihnen zum Spracherwerb, zu einem Schulabschluss oder einer Ausbildung verhilft. Der Jugendhilfeträger Nordlicht kümmert sich hingegen um verhaltensauffällige und gewaltbereite Mädchen und Jungen, indem er Erziehungshilfe, Familienberatung und Jugendwohnungen anbietet.
www.zeitfuerzukunft.org
www.nordlicht-ev.de
www.schlaufox.de

5. Flüchtlingen helfen

Zehntausende Flüchtlinge kamen 2015 nach Hamburg: eine logistische Herausforderung für die Stadt. Ohne die ehrenamtlichen Helfer, die wahnsinnige Arbeit leisten, wäre es noch schwieriger. Es gibt viele Möglichkeiten, Flüchtlingen zu helfen. Kleiderspenden können bei der Kleiderkammer abgegeben werden. Der Bedarf variiert, mal werden gerade Männerjacken gebraucht, dann fehlt es an Kinderkleidung – vorher nachfragen ist sinnvoll. Es gibt auch viele andere Arten zu helfen. Die Initiative Westwind hat sich der Mobilität von Flüchtlingen verschrieben und nimmt Spendenfahrräder an, die sie an Flüchtlingsunterkünfte abgibt. In einigen Unterkünften gibt es zudem Selbsthilfewerkstätten, wo die Ehrenamtlichen die Räder zusammen mit Flüchtlingen reparieren. Fahrradspenden oder Mithilfe in einer der Werkstätten sind immer willkommen.
www.zusammenschmeissen.de
www.hamburgasyl.de/helfen-spenden-unterstuetzen.html

6. Kinder unterstützen

Kinder, die von Armut oder ernsthaften Krankheiten betroffen sind oder in gewalttätigen Familien leben, sind oft auf sich selbst gestellt. In Hamburg gibt es einige Initiativen, die versuchen, Kinder in schweren Lebenssituationen zu unterstützen. Sie sind auf Geld-, aber auch auf Sachspenden wie Bücher, Windeln oder Bastelutensilien angewiesen. Das Hilfsprojekt Arche unterstützt sozial benachteiligte Kinder in Jenfeld mit Hausaufgabenbetreuung, Mittag-
essen- und Freizeitangeboten. Im nächsten Jahr soll ein zweiter Standort eröffnet werden. Das Kinder-Hospiz Sternenbrücke steht Familien von kranken oder sterbenden Kindern zur Seite. Dunkelziffer e.V. kämpft gegen sexuellen Missbrauch von Kindern – ein Tabuthema, bei dem die Opfer oft alleingelassen werden – und hilft betroffenen Kindern und Familien mit Therapie und Beratung.
www.sternenbruecke.de
www.freundeskreis-arche-hh.de
www.dunkelziffer.de

7. Dinieren für den guten Zweck

Die gemeinnützige Gesellschaft Hilf Mahl! sammelt zusammen mit engagierten Gastronomen Spenden für Obdachlose Gutes Essen und guter Wein beflügeln unsere Sinne, öffnen das Herz und bereichern unser Leben.“ Worte, die man Ulrich Tukur, Schauspieler, Musiker und Genussmensch, sofort abnimmt. Legendär sind auch seine Restaurantkritiken für SZENE HAMBURG ESSEN + TRINKEN. Und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass er für die gemeinnützige Gesellschaft Hilf Mahl! als Schirmherr fungiert. Hilf Mahl! sammelt im vierten Jahr über die Wintermonate Spenden für obdachlose Menschen in Hamburg, und zwar auf bestechend einfache Weise: Sie, werte Leserinnen und Leser, gehen in einem guten Restaurant essen, finden auf dem Tisch eine Notiz, die darauf hinweist, dass Ihre Rechnung um einen Euro höher ausfällt, solange Sie keinen Einwand erheben. Aufstocken ist natürlich auch erlaubt.

Diese Euros werden von dem Gastronomen abgeführt und kommen ausgesuchten Hilfsorganisationen wie dem Hinz & Kunzt-Winternotprogramm, dem Containerprojekt für Frauen oder der Schwerpunktpraxis in der Hamburger Innenstadt zugute. Hilf Mahl! arbeitet ehrenamtlich und kann deshalb die eingesammelten Spenden zu 100 Prozent weitergeben. Anlass genug, mal wieder gut essen zu gehen. Die Liste der teilnehmenden Restaurants finden Sie auf der Internetseite. Kleiner Hinweis an mitlesende Gastronomen: Engagieren Sie sich ebenfalls, melden Sie sich bei Hilf Mahl! und sammeln Sie über die Wintermonate Spenden ein, damit Essen, Kleidung und Medikamente an Obdachlose verteilt und Notunterkünfte betrieben werden können.
www.hilfmahl.de

Texte: Natalia Sadovnik
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