„What’s Wrong With Groovin“ (7.5.)

So heißt die junge Partyreihe im Golem, mit der DJ und Veranstalter Mune_Ra monatlich das Hamburger Nachtleben bereichert

Mune_Ra öffnet die Tür mit einem sympathischen Lächeln. Wir treffen uns in seiner Wohn- und Wirkungsstätte in der Stresemannstraße. Sein Arbeitszimmer ist vollgestopft mit Platten. Draußen rattert die S-Bahn über die Brücke vorm Fenster. Hier, in der Nähe der Holsten Brauerei, zwischen Bahndamm und Straße, zeigt sich Hamburg von seiner urbanen Seite. „Erinnert mich ein bisschen an Brooklyn“, meint Mune_Ru, dessen Pseudonym sich aus bürgerlichem Vor- und Nachnamen zusammensetzt. Der leichte schwäbische Einschlag seiner Sprache verrät einen Teil seiner Herkunft.

1980 flieht der heute 39-Jährige mit seiner Familie aus der äthiopischen Region Tigray nach Süddeutschland. „Meine Eltern haben damals Asyl beantragt“, erzählt er. „Es gab auch in dieser Zeit sehr viele Flüchtlinge aus Ostafrika“. Zusammen mit seinen fünf Geschwistern wächst er in einem kleinen Ort in Baden-Württemberg auf. Früh entdeckt er seine Leidenschaft für Musik. Mit 13 beginnt er Freestyle zu tanzen. „Da gehörte die Musikauswahl immer dazu. Wir haben Ende der 80er zu „New Jack Swing“-Sachen performt und sogar Meisterschaften gewonnen.

Aber das ist lange her“, lacht Mune_Ra, während er sich mehrmals auf seinen kleinen Bauchansatz klopft. Durch seinen älteren Bruder kommt er mit Soul, HipHop, Funk und R ’n’ B in Berührung. Mit 16 folgten die ersten eigenen Veranstaltungen im Jugendhaus, wo er sein musikalisches Spektrum mit Punkrock erweitert. Als er zu seiner damals in Hamburg lebenden Schwester zieht, lässt ihn die Stadt nicht mehr los. „Ich habe seitdem viele Freunde hier und immer das Gefühl in einer weltoffenen Stadt zu sein. Im Studium hat es sich ergeben, dass ich ganz nach Hamburg gekommen bin“.

Die Idee seiner „What’s Wrong With Groovin“-Party (WWWG), die seit November letzten Jahres monatlich im Golem stattfindet, entstand aus solch einer Freundschaft. Mit der Gruppe Global Flow veranstaltet Mune_Ra ab 2010 erste Partys im Grünen Jäger. Es folgen Beschäftigungen als Mojo-Booker und eigene DJ-Gigs in Daniela Bar, Familieneck, Jazzcafé und Korall Bar. „In meinen Platten findest du nicht nur ein Genre. In den 90ern habe ich zum Beispiel die komplette Golden Ära im Hiphop mitgenommen. Aber ich höre auch gerne Soul, Funk, Jazz und afrikanische Musik.“

Während draußen die nächste S-Bahn vorbeifährt, verfällt Mune_Ra in einen Monolog, der seine Musikleidenschaft verdeutlicht. Es fallen Schlagworte wie Ethio Jazz, Funky Adis, High-Live-Musik oder Soulful House à la Theo Parrish. „Hauptsache mit viel Soul und Emotionen“. Eine Mischung, die auch seine WWWG-Partys im Golem prägen und die eine immer größer werdende Fanbase anzieht. „Der Name der Party steht für ein Branding, welches die Leute mit guter Musik verbinden. Das kann mal überraschend sein, aber es bleibt eine Tanzveranstaltung, die darauf ausgelegt ist, Spaß zu haben und mit einem Lächeln nach Hause zu gehen.“

Vieles spricht dafür, dass dies Mune_Ra, der sich, wie er betont, mehr als Veranstalter statt als DJ sieht, im Mai erneut gelingen wird: Der für seine elektronischen Livesets bekannte amerikanischer Jazzmusiker Mark de Clive-Lowe kommt erstmals nach Hamburg. Jeder seiner Auftritte ist ein eigener Live-Remix, der von Gig zu Gig anders ausfällt. Als DJ, Produzent, Komponist, Pianist und Performer zählt der Wahl-Kalifornier mit über 250 Veröffentlichungen mit Künstlern wie Jill Scott, Jodey Watle, Leon Ware oder DJ Spinna zu den spannenden und produktiveren seiner Zunft. Als Support wird der Hamburger WWWG-DJ Larris Disco, Boogie und House auf die Plattenspieler legen und in der Golem-Krypta geht Resident DJ Hendrik Warnke auf eine acht Stunden soulful House-Musikreise.

Das Konzept, verschiedene Geschmäcker miteinander zu vereinen, geht somit auf. Und mit Mune_Ras „What’s Wrong With Groovin“ hat Hamburg eine Veranstaltung, bei der am Groove mit Sicherheit nichts falsch ist!

Text: Ole Masch
Foto: Jakob Börner

Golem
Große Elbstraße 14 (Altona-Altstadt)
7.5., 22 Uhr

Am 7. Mai an den Decks