Filmkritik: Astrid Lindgren – Die Menschheit hat den Verstand verloren

Eindrückliche Dokumentation über die berühmte Autorin als kluge Chronistin des Krieges
Sofia Pekkari als Astrid Lindgren, die dem Krieg mit Worten getrotzt hat
Sofia Pekkari als Astrid Lindgren, die dem Krieg mit Worten getrotzt hat (©IDA Film und TV Produktion GmbH)

Astrid Lindgren (1907–2002) ist vor allem als Schöpferin so unangepasster Figuren wie Pippi Langstrumpf, Ronja Räubertochter und Michel aus Lönneberga bekannt – und als leidenschaftliche Fürsprecherin für Kinder. Weniger bekannt ist sie als politische Frau, als mutige Feministin und kluge Chronistin des Zweiten Weltkrieges. Ihre 2015 erstmals veröffentlichten Kriegstagebücher belegen das eindrücklich. Die hat der deutsche Regisseur Wilfried Hauke nun in einer geschickt montierten und elegant inszenierten Dokumentation verfilmt. Hauke lässt in erster Linie Astrid Lindgren sprechen, in deren Rolle in szenischen Passagen die Schauspielerin Sofia Pekkari schlüpft. Häufig aus dem Off trägt sie Tagebucheinträge vom ersten Tag des Krieges 1939 bis ein paar Monate nach Kriegsende vor. Die unterlegt Hauke mit historischem Material, etwa vom Überfall der Deutschen auf Polen, der Operation Gomorrha in Hamburg oder dem Massaker der Nazis im tschechischen Lidice.

Ein kluger und sehr persönlicher Blick auf Astrid Lindgren

Das Filmplakat zum Dokumentarfilm über Astrid Lindgren (©IDA Film und TV Produktion GmbH)

Diese Bilder stehen im krassen Kontrast zu den idyllischen Sommerbildern aus Stockholm, Lindgrens Wohnung in der Dalagatan, ihrem Sommerdomizil am Wasser oder dem elterlichen Haus. Zugleich hat sich Hauke mit Lindgrens Tochter Karin Nyman, ihrer Enkelin Annika Lindgren und ihrem Urenkel Johan Palmberg auf die Reise zu all diesen Orten gemacht, hat sie in den Tagebüchern lesen und sich an die Frau erinnern lassen, die alle drei stets Astrid nennen. Sie gewähren tiefe Einblicke in Lindgrens Lebenswelt und Gedanken, porträtieren sie als vorausschauende und reflektierende Beobachterin, aber auch als eine melancholische Frau, die im Schreiben einen Weg aus ihren Krisen fand – auch wenn sie diesen nicht allzu viel Raum gab. Am Ende steht die Erstausgabe von „Pippi Langstrumpf“ 1945. Es ist ihre erste öffentliche Selbstermächtigung als Autorin – und ein Gegenentwurf zur totalitären Propaganda Hitlers und Stalins, der viele Kinder bis dahin ausgesetzt waren, wie sie selbst schreibt.

Trailer zum Film: 

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Dieser Artikel ist zuerst in SZENE HAMBURG 01 / 26 erschienen.

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