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„Wir wollen die IT-Manager:innen von morgen ausbilden“

Jana Langkabel (31) arbeitet beim Zentrum für Aus- und Fortbildung der Stadt Hamburg. Sie koordiniert den Aufbau und ist Projektleiterin für den neuen Studiengang E-Government, den die Stadt ab 2023 in Kooperation mit der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) anbietet. Im Gespräch erklärt sie, wie das neue Studium den digitalen Wandel voranbringen soll, was es braucht, um E-Government zu studieren und ob sie selbst für den neuen Studiengang noch mal die Hörsaalbank drücken würde

Interview: Felix Willeke

 

Moin Frau Langkabel, was haben sie eigentlich studiert?

Jana Langkabel: Ich habe Public Management studiert. Das ist ein dualer Studiengang der Stadt Hamburg in Kooperation mit der HAW.

Wie sind Sie dann beim Zentrum für Aus- und Fortbildung (ZAF) gelandet?

Das hat sich entwickelt. Die öffentliche Verwaltung ist deutlich vielfältiger, als die meisten denken. Bevor ich im ZAF gelandet bin, habe ich in der Personal- und Organisationsentwicklung gearbeitet. Dort konnte ich dann ein abteilungsübergreifendes Digitalisierungsprojekt mit aufbauen. Das heißt, ich habe geholfen, die Beschäftigten in der Behörde auf den Weg in die Digitalisierung mitzunehmen. So bin ich zum Thema Digitalisierung gekommen und habe wenig später angefangen, direkt im IT- und Digitalisierungsbereich zu arbeiten. Dann habe ich gesehen, dass eine Projektleitung für den neuen dualen Studiengang E-Government gesucht wird, und jetzt bin ich hier (lacht).

Welche Ausbildungsmöglichkeiten gibt es denn noch bei der Stadt außer des Studiengangs Public Management?

Bei der Freien und Hansestadt Hamburg (FHH) selbst unzählige. Wir vom Zentrum für Aus- und Fortbildung verantworten zentral die Einstellung der Nachwuchskräfte unserer Ausbildungs- und Studiengänge. Neben dem Studiengang Public Management bietet die Stadt Hamburg auch den Studiengang Soziale Arbeit an. Darüber hinaus stellen wir in der Allgemeinen Verwaltung zum Beispiel auch Auszubildende zu Verwaltungsfachangestellten ein und ab 2023 kommen Nachwuchskräfte des neuen Studiengangs E-Government dazu. Die Ausbildung findet in den unterschiedlichen Behörden und Ämtern Hamburgs statt.

Schwerpunkt Informatik und Mathematik

Sie haben den neuen Studiengang schon angesprochen. Was ist E-Government genau?

Der Studiengang wird am Ende Verwaltung und Informatik verbinden. Inhaltlich ist das Studium breit gefächert. Auf der einen Seite stehen die Grundlagen in der Informatik und Mathematik, wie IT-Sicherheit, Programmiersprachen und Datenschutz und auf der anderen Seite kommen Grundlagen aus der Verwaltung hinzu. Das sind Bereiche und Themen der Sozial-, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften.

„In welchem Bereich die Absolvent:innen genau arbeiten werden, lässt sich nur mit einem Wort beantworten: überall“
Jana Langkabel

Wie unterscheidet der neue Studiengang sich vom Studiengang Public Management?

E-Government ist als komplett eigenständiger Studiengang konzipiert. Wir sprechen damit Personen an, die Lust haben an der digitalen Weiterentwicklung der Verwaltung mitzuarbeiten und dazu informatik- und mathematikaffin sind. Nach dem Studium können die Absolvent:innen als Tarifbeschäftigte bei der Stadt Hamburg arbeiten und nach kurzer Zeit auf Wunsch auch verbeamtet werden. Sie sind Spezialist:innen für IT-bezogene Themenfelder und Projekte. Der Unterschied zu Public Management ist vor allem der Schwerpunkt Informatik und Mathematik. Studierende des Public Management sind eher Generalist:innen in allgemeinen Verwaltungsangelegenheiten. Beim Studiengang E-Government bilden wir schlussendlich Menschen aus, die sich in beiden Sphären als Vermittler:innen möglichst optimal bewegen können.

Ein Schub für die Digitalisierung

Warum ist so ein Studiengang notwendig?

Weil die Stadt Hamburg erkannt hat, dass sie für den digitalen Wandel eines so komplexen Gebildes wie der Verwaltung nicht nur externe Expertise heranziehen kann. Wir wollen auch unsere eigenen Expert:innen ausbilden, die dann den Wandel optimal mitgestalten können. Und am Ende geben diese Absolvent:innen, so hoffen wir, dem Digitalisierungsprozess auch noch mal einen Schub.

Warum hat man dafür ein Studium konzipiert und keine Ausbildung?

Das Studium ist ein erster Schritt in der Entwicklung zur Ausbildung eigener Fachkräfte in diesem spezifischen Bereich und die Entwicklung des Studienganges war auch Teil des aktuellen Koalitionsvertrags. Ich will nicht ausschließen, dass es in diesem Arbeitsfeld zukünftig auch noch ein Ausbildungsangebot bei der Stadt geben kann.

Die Übernahmechancen sind gut

Welche Berufsbilder stehen einem nach dem Studium offen?

Wir sehen in den zukünftigen Absolvent:innen Übersetzer:innen und Vermittler:innen zwischen den unterschiedlichen Fachbereichen und IT-Bereichen. Dazu können sie (hoffentlich) auch neue Impulse setzen, weil sie sich in beiden Bereichen auskennen und wissen, was jeweils die Notwendigkeiten sind. In welchem Bereich die Absolvent:innen genau arbeiten werden, lässt sich nur mit einem Wort beantworten: überall. Es gibt in der ganzen Verwaltung Prozesse, Projekte und Vorhaben, die ihre Expertise in Zukunft benötigen. Das reicht von der IT im Bezirksamt bis hin zu Entwicklung von Online-Diensten oder Apps für Bürger:innen.

Und wie sind die Übernahmechancen?

Unser klares Ziel ist es, alle erfolgreichen Absolvent:innen auch in eine dauerhafte Beschäftigung zu übernehmen.

Die Resonanz ist schon heute gut

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„Mir macht die Vermittler:innenrolle unglaublich viel Spaß“, sagt Jana Langkabel vom ZAF (©privat)

Der Studiengang Public Management geht über sechs Semester, E-Government studiert man zukünftig aber sieben Semester, warum?

Das liegt einerseits an den umfangreichen Studieninhalten, aber andererseits auch am dualen Charakter der Ausbildung, sprich an den Praxisphasen. Die Studierenden starten im Oktober 2023 erstmals für zwei Semester mit Theorie an der HAW. Dann folgt im dritten Semester Praxis in einer Dienststelle der öffentlichen Verwaltung und das Ganze wiederholt sich im sechsten Semester. Das siebte Semester sollen die Studierenden dann wieder an der Hochschule verbringen und sich auf ihre Bachelorarbeit konzentrieren.

Wie sind denn die Praxisphasen konzipiert?

Hier merken wir schon jetzt, dass es eine hohe Nachfrage in der Verwaltung gibt. Wir haben schon heute rund 100 Stellen, die sich für eine:n Studierenden in der ersten Praxisphase interessieren und das obwohl diese erst im Oktober 2024 ihren Praxiseinsatz starten. Vom Aufbau her ist es das Ziel, das wir den rund 30 Studierenden pro Jahrgang eine Art Marktplatz mit Wahlmöglichkeiten zur Verfügung stellen wollen, aus dem sie dann ihre Praxisstationen auswählen können. Die Praxisphasen sollen aber auch einen sogenannten Perspektivwechsel beinhalten, um auch aus Anwender:innensicht auf die eigenen Projekte zu gucken und um festzustellen: Was braucht es überhaupt? Genau diesen Perspektivwechsel sollen die Absolvent:innen später auch in ihrer Vermittler:innenrolle leisten können.

In einem dualen Studium gibt es ja auch eine Ausbildungsvergütung …

… das stimmt (lächelt). Im Fall des Studiengangs E-Government, werden die Studierenden für die gesamte Studienzeit mit rund 1.400 Euro brutto monatlich vergütet. So können Sie sich voll und ganz dem Studium widmen.

Es braucht Affinität zur Informatik

Was sollte man mitbringen, um E-Government zu studieren?

Zur Immatrikulation braucht es eine Hochschulzugangsberechtigung, zum Beispiel Abitur oder Fachhochschulreife. Wer auf dem Weg dahin ist, kann sich jetzt bewerben und seine letzten beiden Zwischenzeugnisse vorlegen. Dann ist wie erwähnt Mathematik wichtig. Da erwarten wir von den Bewerber:innen eine gute Note. Was die Fächer Englisch, Deutsch und Gemeinschaftskunde anbelangt, braucht es zumindest ein befriedigend. Neben diesen Hard Facts, die es auf jeden Fall braucht, richtet sich der Studiengang aber nicht nur an Abiturient:innen. Er ist auch offen für Menschen, die schon erste Berufserfahrung haben und sich umorientieren möchten. Was aber alle mitbringen sollten, ist die Affinität zur Informatik und auch die Lust und Fähigkeit zur Kommunikation. Denn als Vermittler:in ist das unerlässlich.

Würden Sie den neuen Studiengang gerne studieren, wenn sie die Möglichkeit hätten?

Ich habe in den Jahren, in denen ich in der Verwaltung arbeite gemerkt, dass mir die Vermittler:innenrolle unglaublich viel Spaß macht. Jedoch fehlte mir ein wenig die Verbindung zur Informatik. Das war etwas, was bei mir in der Schule nicht angeboten wurde. Erst im Beruf bin ich mit dem Thema IT in Berührung gekommen. Aber wenn ich noch einmal neu starten müsste, wäre das auf jeden Fall auch für mich ein attraktives Angebot, das mich sehr reizen würde.


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