Lucas Moissonnier macht seine Ausbildung zum Goldschmied bei der Goldschmiede Christoph Greinert (Foto: Mirko Schneider)

„Ein Goldschmied braucht Durchhaltevermögen“

Lucas Moissonnier (24) möchte Menschen mit Schmuckstücken erfreuen. Und kreativ arbeiten. Warum seine Ausbildung zum Goldschmied bei der Goldschmiede Christoph Greinert beides vereint, erzählt er im Interview

Interview: Mirko Schneider

 

SZENE HAMBURG: Lucas, warum hast du dich für eine Ausbildung zum Goldschmied entschieden?

Lucas Moissonnier: Weil ich etwas Kreatives machen wollte. Über meine erste Ausbildung habe ich ehrlich gesagt nicht so lange nachgedacht. Ich wollte runter von der Schule und habe eine Ausbildung zum Restaurantfachmann absolviert. Das ist kein schlechter Beruf. Ich habe auch zwei Jahre in diesem Bereich gearbeitet. Doch ich bin dort nicht so richtig glücklich geworden und habe mich deshalb noch einmal umorientiert. Nun bin ich im dritten Lehrjahr meiner dreieinhalbjährigen Lehre zum Goldschmied und sehr zufrieden.

Was macht dich so zufrieden?

Schmuck herzustellen, erfüllt mich mit Freude. Besonders, wenn der Schmuck für die Menschen eine ganz spezielle Bedeutung hat. Mein Chef ließ mich gleich zu Beginn meiner Ausbildung Trauringe fertigen. Das hat mir großen Spaß gemacht. Du weißt schon bei der Trauringberatung: Jetzt stellst du etwas her, dass diese beiden sich liebenden Menschen im Idealfall ein Leben lang verbinden wird. Das finde ich sehr motivierend und schön. So wie die Sonderwünsche.

Sonderwünsche?

Wir selbst fertigen fast nur Sonderwünsche unserer Kunden an. Wenn jemand so etwas wie eine 08/15-Kreole möchte, ist es sinnvoller für uns, sie bei einer Fabrik anzukaufen, die sich darauf spezialisiert hat. Möchte jemand aber zum Beispiel einen Ring, der mit Steinen in einer ganz bestimmten Anordnung besetzt sein soll, ist die individuelle Herstellung viel sinnvoller. Das ist unser Bereich. Ich fertige fast nur Sonderwünsche an.

 

Ein Ziel vor Augen

 

Wie sehr hilft dir bei deiner Arbeit zusätzlich zu deinem Betrieb dein in der Berufsschule erworbenes Wissen?

Sehr. Wir lernen dort eine ganze Menge. Natürlich über Metallurgie, also das Verfahren über die Gewinnung und Verarbeitung von Metallen. Wie Werkzeuge funktionieren, wie man etwas ausstanzt, wie ein Scheidevorgang funktioniert. Aber auch Englisch, Wirtschaft und Gesellschaft und Mathematik stehen auf dem Stundenplan. Manchmal haben wir Praxisunterricht. Wir bekommen ein Thema und fertigen dazu Projektarbeiten an. Außerdem besteht die Möglichkeit für mich, meinen Realschulabschluss zu erwerben.

Auf welchem Wege?

Bislang habe ich den Hauptschulabschluss. Wenn meine Noten im Durchschnitt meiner Berufsschuljahre und im Abschlusszeugnis besser sind als ein Notendurchschnitt von 3,0, dann erhalte ich den Realschulabschluss. Darauf arbeite ich natürlich hin.

Was würdest du einem Jugendlichen raten, wenn er sich für eine Ausbildung zum Goldschmied interessiert?

Wer sich dafür interessiert, Goldschmied zu werden, sollte sich sehr sicher sein. Es gibt nicht so viele Ausbildungsplätze. Im Beruf selbst muss man sehr genau arbeiten. Ein Tischler misst in Millimetern, wir messen in Zehntelmillimetern. Das kann grade zu Beginn zu viel Frustration für einen Auszubildenden führen.

 

Durchhaltevermögen

 

Weil auch Sachen schiefgehen und man öfter neu gießen muss, bis das Schmuckstück perfekt ist?

Ja. Dass einem so etwas passiert, ist sogar sehr wahrscheinlich, wenn man jetzt nicht das totale Supertalent ist. Und natürlich ist es nicht schön, seine Arbeit wegen eines kleinen Fehlers wieder von vorne beginnen zu müssen. Außerdem verdient man in der Ausbildung nicht besonders viel. Ich bekomme im dritten Lehrjahr 390 Euro im Monat. Wichtig ist also: Immer weiter lernen wollen und dranbleiben, das eigene Ziel stets vor Augen haben. Durchhaltevermögen ist sehr wichtig.

Was ist dein Ziel?

Ich möchte mich nach Abschluss meiner Ausbildung selbstständig machen. Das hat zum einen finanzielle Gründe. Viele ausgelernte Goldschmiede, die in Anstellung arbeiten, erhalten erst einmal nur den Mindestlohn. Viel wichtiger ist mir aber, selbst kreativ handwerklich tätig zu sein und meine eigenen Ideen verwirklichen zu können. Im Beruf des Goldschmieds ist nicht so viel vorgenormt wie in anderen Berufen. Wenn ich andere Menschen mit meinen Schmuckstücken glücklich machen kann, wäre das sehr schön. Darauf freue ich mich jetzt schon.

goldschmiede-greinert.de


Cover_SH_Ausbildung_2021-02 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Ausbildung. Das Magazin ist seit dem 11. November 2021 im Handel. Bestellt euch das Heft oder die digitale Ausgabe

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