Der Clubkinder e.V.: Vom Nachtleben in die Schule

Aus dem Nachtleben hervorgegangen, engagiert sich der Clubkinder e. V. seit fast 15 Jahren für soziale Projekte. 2025 musste ihr Spendenclub „Unterm Strich“ schließen. Über die Hintergründe, seine Auszeichnung als Lehrkraft des Jahres und die gesellschaftliche Bedeutung des Ehrenamts spricht Vorstandsmitglied Julian Lee
Gut gelaunt fürs Ehrenamt: Clubkinder 
Gut gelaunt fürs Ehrenamt: Clubkinder  (©Julia Schwendner)

SZENE HAMBURG: Julian, seit wann bist du ein Clubkind?

Julian Lee: Lose angebunden war ich bei den Clubkindern schon seit 2017 im „Clubkinder Klanglabor“ durch meine Band Kill Stings. 2018 bin ich dann bei den Clubkindern als Ehrenamtlicher eingestiegen.

Mit welchen Aufgaben?

Mein erstes großes Projekt bei den Clubkindern war das Sonnenschein Café, ein Begegnungsort für Menschen ohne festen Wohnsitz. In dem Kontext habe ich dann 2019 das Projekt „Bollerwagen für Obdachlose“ zusammen mit einer Schülerin aus dem Boden gestampft. Mittlerweile bin ich als Vorstand der Clubkinder tätig und hauptsächlich im Projekt „Clubkinder Schulen“ unterwegs. Nebenher bin ich noch als Gesellschafter bei GoBanyo aktiv.

In welchen Clubs der Stadt trifft man dich?

In der Hebebühne in Altona fühle ich mich total zu Hause, weil dort so viele großartige Menschen arbeiten. Aber auch in der Markthalle. An beiden Orten durfte ich auch mit meiner Band die schönsten Gigs erleben. Mein anderer absoluter Lieblingsclub war das „Unterm Strich“, der Spendenclub der Clubkinder, welcher 2025 leider seine Tore schließen musste.

Gab es keine Möglichkeit, ihn weiterzuführen?

Die Möglichkeit, es am selben Ort fortzuführen, gab es schon. Das Molotow hat sich dann aber letztendlich dagegen entschieden, den weltweit einzigen Spendenclub, der Spenden für gemeinnützige Projekte in Hamburg sammelte und das Zuhause der coolsten FLINTA* Party „Sheroes“ und der „Hoodkinder“ war, zu übernehmen. Es ist sehr schade, dass es wohl als nicht so wichtig erachtet wurde, dass solche Formate einen Platz in der Hamburger Clubszene haben. Aber wir sind dabei, das „Unterm Strich“ als Ort in der einen oder anderen Form wieder aufleben zu lassen.

Veränderung nach der Schließung des Spendenclubs der Clubkinder 

Hat sich mit der Schließung eure Ausrichtung geändert?

Das Projekt „Clubkinder Schulen“ rückte mehr in den Fokus. Am Kerngeschäft hat sich aber nichts geändert, weil unsere Mission schon immer darin bestand, mehr Menschen ins Ehrenamt zu bringen. Wir setzen nur etwas früher an, also bei den Jugendlichen, veranstalten aber weiterhin Events, die es Menschen aller Altersstufen ermöglicht, niedrigschwellig ins Ehrenamt zu finden.

Ihr seid bereits seit 2022 an Schulen unterwegs. Wie kam es dazu?

Mir hat das Ehrenamt bei den Clubkindern viel gegeben und ich wollte diese Erfahrung auch meinen Schüler:innen ermöglichen. Daher startete ich bei uns die „Clubkinder AG“ als Nachmittagsangebot und etablierte im Philosophieunterricht die Projektaufgabe „Soziale Projekte in deiner Region“, aus welcher dann die Bollerwagen für Obdachlose entstanden. Damit es aber nicht nur bei dem einen Leuchtturmprojekt bleibt, habe ich die „Clubkinder Schulen“ ins Leben gerufen, um dieses Format allen Hamburger Schulen zugänglich zu machen.

Die Projekte des Clubkinder e.V. 

Welche Aktionen habt ihr dort in letzter Zeit umgesetzt?

Wir vermitteln Hamburger Schüler:innen in gemeinnützige Organisationen, die in ihren jeweiligen Schulbezirk ansässig sind. Sie lesen etwa jüngeren Kindern Geschichten vor, helfen bei der Tafel, leiten Jugendgruppen in Sportvereinen oder sind bei der Freiwilligen Feuerwehr aktiv. Mein persönliches Highlight ist das Wutzrock-Festival, bei dem sich etliche Jugendliche ehrenamtlich engagieren, damit dieses wunderbare Musikfestival, was auch gerade für die Nachwuchsarbeit in der Musikszene wichtig ist, stattfinden kann.

Warum ist diese Vermittlung wichtig?

Es ist wichtig, dass Schüler:innen sich ehrenamtlich engagieren, damit sie lernen, dass auch sie ein bedeutsamer Teil der Gesellschaft sind und dass man auch mal Dinge machen muss, die einem persönlich nicht nutzen, aber wichtig und richtig sind. Wenn die Jugendlichen keine Selbstwirksamkeitserfahrungen machen können und nicht das Gefühl bekommen, ein Teil der Gesellschaft zu sein, ziehen wir eine Generation groß, die ein dysfunktionales Demokratieverständnis besitzt. Unsere Gesellschaft braucht Ehrenamt und die meisten gemeinnützigen Organisationen leiden unter einem Ehrenamtsmangel, daher braucht es die „Clubkinder Schulen“ als Vermittlungsinstanz.

Du wurdest kürzlich mit dem deutschen Lehrkräftepreis ausgezeichnet. Was ist das für ein Preis und wofür wurdest du geehrt?

Der bundesweite Wettbewerb hat zum Ziel, „ausgezeichnete Lehrkräfte“ zu küren und die öffentliche Wertschätzung des Lehrberufs zu steigern. Mich hatten einige meiner ehemaligen Schüler:innen nominiert, wohl vor allem für das soziale Engagement, welches ich in die Schule trage, und dafür, dass ich ihnen auf Augenhöhe begegne.

Wo und was unterrichtest du?

Ich unterrichte die Fächer Englisch und Philosophie am wunderschönen Gymnasium Allermöhe in Bergedorf. Dort bin ich außerdem noch für die Begabungsförderung und die Berufsorientierung zuständig und agiere als Verbindungslehrkraft.

Die Auszeichnung öffnet hier und da ein paar Türen

Julian Lee
Clubkind und Lehrkraft des Jahres: Julian Lee (©Julia Schwendner)

Verändert diese „Prominenz“ deine Arbeit als Lehrer?

Ich denke nicht, dass es viel ändern wird, weil ich genauso weitermachen möchte. Mein Wirken als Lehrkraft scheint ja nicht völlig verkehrt gewesen zu sein. Ansonsten möchte ich dem Titel der besten Lehrkraft Deutschlands natürlich so gut wie möglich gerecht werden.

Wie nutzt du die Auszeichnung für dein Engagement bei den Clubkindern?

Die Auszeichnung öffnet hier und da ein paar Türen und man findet etwas mehr Gehör, sodass ich mehr für unseren Verein Clubkinder und die „Clubkinder Schulen“ werben kann, damit noch mehr Schüler:innen ins Ehrenamt finden dürfen. Ich hoffe, dass wir dadurch auch auf der bildungspolitischen Ebene etwas bewirken können.

Mit welchen weiteren Aktionen sind die Clubkinder gerade in der Hamburger Kultur- und Clubszene unterwegs?

Wir sind weiterhin Teil des Clubkombinats und vernetzen uns dort mit verschiedensten Veranstalter:innen, die unter anderem Teil des „Clubkinder Schulen“-Projekts sein können. Außerdem ist die Clubszene ein großer Bestandteil unserer DNA. Zusätzlich sind wir auf verschiedenen Festivals im Sommer als Rahmenprogramm mit dabei. Die Festivals „48h Wilhelmsburg“ und die „Altonale“ sind nur zwei Festivals von weiteren, mit denen wir aktuell im Gespräch und in der Planung sind.

Mitmachen bei den Clubkindern

Wie kann man bei euch mitmachen?

Uns kann man jeden zweiten Mittwoch ab 19 Uhr zu unseren öffentlichen Vereinstreffen im Futur III im Karoviertel treffen. Dort sprechen wir über Bereiche, zu denen wir aktuell arbeiten. Themen sind: Veranstaltungsplanung, „Clubkinder Schulen“ und administrative Aufgaben, wie Förderungen, Sponsorings und IT.

Welche Veranstaltungen plant ihr in der nächsten Zeit?

Wir sind auf der Altonale am 14. Juni und haben die Möglichkeit bekommen, von 12 bis 17 Uhr auf der Bühne am Altonaer Balkon unsere altbewährten Formate wie unser interaktives Musikbingo zu präsentieren, aber auch für Fragen und Antworten zur Verfügung zu stehen.

Dieses Interview ist zuerst in der SZENE 04/26 erschienen.

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