Mobilisierung in der Innenstadt: Politik und Aktivismus vereint
Am Donnerstagabend soll sich der Rathausmarkt in Hamburg in einen Ort des Protests verwandeln. Ab 17.30 Uhr sind Bürgerinnen und Bürger aufgerufen, ein Zeichen gegen sexualisierte Gewalt zu setzen. Angestoßen wurde die Demonstration von der SPD-Abgeordneten Annika Urbanski, die in ihrem Aufruf klare Worte findet: „Es reicht, die Scham muss die Seite wechseln.“ Geprägt wurde der Satz durch den Fall Pelicot, und steht seitdem sinnbildlich für die Forderung, die gesellschaftliche Perspektive auf sexualisierte Gewalt zu verändern.
Unterstützung kommt aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen, darunter auch von Klimaaktivistin Luisa Neubauer. Der Protest richtet sich nicht nur gegen die aktuellen konkreten Vorwürfe von Collin Fernandez gegenüber Christian Ulmen, sondern vor allem gegen strukturelle Defizite beim Schutz von Betroffenen.
Digitale Gewalt im Fokus: Lücken im Gesetz
Im Zentrum der Kritik steht insbesondere der Umgang mit sexualisierter Gewalt im digitalen Raum. Auslöser ist ein öffentlich diskutierter Fall rund um Collien Fernandes. Sie wirft ihrem Ex-Partner Christian Ulmen, unter anderem virtuelle Vergewaltigung vor.
Expertinnen und Experten verweisen auf ein grundlegendes Problem: Viele Formen sogenannter Deepfakes, also KI-generierter, täuschend echter Bild- oder Videoinhalte, sind in Deutschland bislang nur unzureichend geregelt. So kann etwa die Erstellung nicht einvernehmlicher, gefälschter Nacktaufnahmen strafrechtlich schwer zu fassen sein, wenn keine eindeutige Persönlichkeitsrechtsverletzung nachgewiesen wird.
Aktivistinnen und Aktivisten sehen darin eine gefährliche Lücke: Digitale sexualisierte Gewalt nehme seit Jahren zu, während die Gesetzgebung mit der technischen Entwicklung kaum Schritt halte.

