Ein finsteres Porträt von Sir Hugo hängt im viktorianischen Salon über dem Kamin. Ab und zu wird das Gemälde des Ahnherren blutrot angeleuchtet, denn seine Schandtat ist unvergessen: 1742 trieb der Porträtierte ein Mädchen in den Tod und entfesselte damit den Familienfluch. Seither – wir schreiben das späte 19. Jahrhundert – heult des Nachts ein monströser Hund in den Mooren um das Anwesen der Baskervilles im englischen Devon, und zwar immer dann, wenn einem Familienmitglied der Tod droht. Das furchterregende Geheul ist jetzt auch Imperial Theater zu hören, wo der „Der Hund von Baskerville“ aus der Feder des britischen Schriftstellers Sir Arthur Conan Doyle schauerlich schön und mit viel Humor von Frank Thannhäuser inszeniert wurde.
Der Hund von Baskerville: Eine spannende Kriminalgeschichte
Im Mittelpunkt der verwickelten Handlung steht einerseits der junge Sir Henry (mimt den sympathischen, aber naiven Erben mit Charme: Niclas G. Icewood), der nach dem unaufgeklärten Tod seines Onkels als letzter Spross des Clans den Landsitz bezogen hat. Andererseits tritt auch das berühmteste Ermittlerduo der Literaturgeschichte auf dem Plan: Sherlock Holmes im Karo-Dress mit Meerschaumpfeife (unschlagbar sachlich, dabei gewitzt und gewieft, wie er im Buche steht: Gosta Liptow) und sein fähiger Kompagnon Dr. Watson (stößt ab und zu launige Lachsalven aus: Janis Zaurins).
Während ihrer Ermittlung in Sachen Spukhund, der draußen im Dartmoor sein mörderisches Unwesen treibt, interagieren die Detektive im Salon mit sämtlichen Nebenfiguren, die jede Menge Drama ins Spiel bringen. Da werden düstere Familiengeheimnisse enthüllt, Liebesversprechen gegeben, Eifersüchteleien gepflegt – und Blumen arrangiert. Dem neunköpfigen Ensemble macht der Auftritt sichtlich Spaß, die Spannungskurve steigt bis zum Schluss und die musikalische Untermalung (Marko Formanek) lässt die Haare angenehm zu Berge stehen.
Diese Theaterkritik ist zuerst in der Printausgabe der SZENE 07/26 erschienen.

