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Das Edelfettwerk: Im Wandel

Seit bald 20 Jahren wird in einer umgebauten Fabrikanlage in Eidelstedt gefeiert. Über die Veränderung von der Eventlocation zum Musikclub, Corona-Auswirkungen und das aktuelle Programm berichtet Alexander Müller, neuer Booker im Edelfettwerk

Interview: Ole Masch

SZENE HAMBURG: Alexander, wie wird man Booker im Edelfettwerk?

Alexander Müller: Ich habe bereits 2018 nach einer legalen Open-Air-Location in Hamburg gesucht und bin im Edelfettwerk gelandet. Das Besondere hier: Das Edelfettwerk befindet sich in einem Industriegebiet und man hat somit die Möglichkeit, etwas lauter zu sein als in anderen Locations. Dazu gibt es noch eine perfekte Anbindung durch die S-Bahn in Eidelstedt. Ich habe das Potenzial gesehen und bin zu Beginn der Pandemie, als alle Termine frei wurden, auf das Edelfettwerk zugegangen und habe angeboten, der erste Booker zu werden.

Was hast du vorher gemacht?

Im musikalischen Bereich bin ich seit 2016 als Veranstalter aktiv. In den vergangenen Jahren konnte ich durch eine Vielzahl von Veranstaltungen in über 20 Clubs und Locations eine Menge Erfahrungen sammeln. Außerdem lege ich selbst hin und wieder auf, deshalb weiß ich, was es bedeutet auf der Bühne zu stehen und was gegeben sein muss, damit man sich als Artist wohlfühlt.

Wo gehst du in Hamburg sonst feiern?

Ich persönlich hatte immer schöne Nächte im Südpol, aber bin auch hin und wieder überall dort anzutreffen, wo es sich Menschen zur Aufgabe gemacht haben, schöne Partys zu veranstalten.

„Es geht uns im Großen und Ganzen gut“

Dein Highlight seitdem du im Edelfettwerk bist?

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Macht das Booking im Edelfettwerk: Alexander Müller (Foto: Anri Coza)

Dass viele, die im Hamburger Nachtleben im Bereich der elektronischen Musik unterwegs oder aktiv sind, wahrnehmen, dass sich etwas Neues entwickelt und dem Laden eine Chance geben. Danke an dieser Stelle. Für Kritik, Fragen oder Verbesserungsvorschläge sind wir immer aufnahmebereit, schickt einfach eine Mail an: booking@edelfettwerk.de.

Wie seid ihr durch die Pandemie gekommen?

Durch die umfangreichen Förderprogramme auf Bundes- und Landesebene geht es uns im Großen und Ganzen gut. Hätte es diese nicht gegeben, würde das Edelfettwerk mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr existieren. Auf der anderen Seite haben wir über die Pandemie eine Menge Personal verloren, was uns heute sehr zu schaffen macht. Parallel erbringt das Kernteam derzeit Höchstleistungen, das muss man an dieser Stelle einfach sagen. Ich denke alles in allem können wir uns glücklich schätzen, dass wir zwei Open-Air-Flächen haben und trotz Auflagen einige Veranstaltungen durchführen konnten.

Fokus elektronische Musik

Gab es bauliche Veränderungen?

Die gibt es. Zuallererst möchte ich erwähnen, dass wir unseren Parkplatz (Backyard) mit einer Bühne ausgestattet haben und damit eine weitere Fläche für Open-Air-Events in Hamburg erschlossen haben. Die Kapazität dieser Fläche liegt bei etwa 1000 Personen, somit können hier auch etwas größere Events stattfinden. Unser Strand hat neben einer neuen Funktion-One-Anlage in diesem Jahr eine Überdachung bekommen, somit haben alle Beteiligten Planungssicherheit bei schlechtem Wetter. In den Innenbereichen haben wir neue Soundsysteme von BetaOne installiert, die WCs erneuert und jede Menge dunkle Farbe verbraucht. Derzeit bauen wir in unserem Nebengebäude einen dritten Dancefloor für etwa 300 Personen aus, dieser kann separat betrieben, oder bei größeren Indoor-Events als dritte Stage genutzt werden.

Und am Programm?

Es gibt eine neue Grundregel im Edelfettwerk: Öffentliche Veranstaltungs-Slots werden bis auf wenige Ausnahmen nur noch an Veranstalter aus dem Bereich der elektronischen Musik vergeben. Ansonsten sind wir derzeit mit einem Konzertveranstalter im Gespräch, der 2023 unter der Woche eine Vielzahl von Open-Air-Konzerten veranstalten möchte. Dazu kann ich leider noch nicht mehr sagen. Wir sind offen für Veranstalter, die sich entwickeln wollen und Visionen verfolgen, Veranstalter, für die eine schöne Party genauso wichtig ist, wie eine professionelle Zusammenarbeit auf Augenhöhe.

Wie lockt man Leute an einem Donnerstag nach Eidelstedt?

Gute Frage: Wir bespielen die Donnerstage bis auf Weiteres nur noch mit unserem hauseigenen Open-Air-Konzept [Secret Garden]. Das bedeutet, dass wir eine Kontinuität für die Besucher:innen an diesem Tag schaffen möchten. Außerdem präsentieren wir im Rahmen dieser Reihe in diesem Jahr, an 14 ausgewählten Terminen, sehr interessante Künstler:innen wie Madmotormiquel, Marco Resmann oder die Power Suff Girls, die nicht wöchentlich im Hamburger Nachtleben anzutreffen sind.

Spontane Verlegung? Kein Problem!

Habt ihr bei den Open Airs kein Lärmproblem?

Es gibt bestimmte Gesetze für Immissionsorte außerhalb von Gebäuden. Diese Gesetze sind Grundlage für unsere Arbeit vor Ort. Hin und wieder erhalten wir trotzdem Anrufe, auch an Tagen wo gar keine Veranstaltungen stattfinden.

„Das Edelfettwerk ist derzeit im Wandel, von Eventlocation zum Musikclub“

Alexander Müller, Booker im Edelfettwerk

Geht es nachts indoor weiter?

Das ist immer abhängig von der jeweiligen Veranstaltung, wobei eigentlich alle Open Airs, die am Freitag oder Samstag stattfinden, auch eine After-Show-Party zur Folge haben. Manchmal sind die Partys auch nur indoor.

Könnt ihr auch bei Regen dahin switchen?

Ja. Das ist einer der Punkte, die ich persönlich als Veranstalter am meisten am Edelfettwerk zu schätzen weiß. Stell dir vor, wie praktisch es ist, wenn du ein Event nicht absagen musst, weil es spontan rein verlegt werden kann. Super gut!

Ein Spagat zwischen Mietlocation und Club mit Stammpublikum

Stehen in diesem Jahr noch weitere Veränderungen an?

Das Edelfettwerk ist derzeit im Wandel, von Eventlocation zum Musikclub. Die damit verbundenen konzeptionellen Änderungen sind genauso wichtig wie die Umsetzung vor Ort. Daran arbeiten wir gerade. Außerdem wird derzeit unser Brandschutzkonzept überarbeitet, der normale Gast wird im Nachhinein nichts merken, aber es handelt sich dabei um ein Projekt mit immensem Aufwand. So etwas zum Beispiel läuft im Hintergrund, kostet die Beteiligten jedoch enorm viel Energie und bindet derzeit Ressourcen.

Wie geht ihr mit dem Spagat zwischen Mietlocation und Club mit Stammpublikum um?

Neben der Praxis findet dieser aus meiner Sicht im Bereich der Kommunikation statt. Klar haben wir hin und wieder ein Firmenevent bei uns, allerdings muss man sich auch vor Augen führen, dass diese Events das Überleben und die Weiterentwicklung des Edelfettwerks als Kulturstandort sichern.


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