Filmkritik: „A Killer Romance“

„A Killer Romance“ ist ein schillernder Genre-Mix aus Neo-Noir, Actionfilm, Screwball Comedy, Sex und Tiefenpsychologie
Flirt am Schießstand: Madison (Adria Arjona) und Gary (Glen Powell) (©LEONINE)

Gary Johnson (hinreißend komisch: Glen Powell) lehrt Psychologie an der Universität von New Orleans. Der sanftmütige, von den Studenten belächelte Brillenträger ist geschieden, lebt zusammen mit seinen Katzen Ego und Id, und nebenbei arbeitet er als Abhörspezialist für die Polizei. Unerwartet muss er für den suspendierten Undercover-Agenten Jasper einspringen. Ziel des Einsatzes: kriminelle Mitbürger zu überführen, die im Darknet nach einem Auftragskiller suchen. Für Einzelheiten des Deals und der Geldübergabe ist nun Gary als falscher Hitman zuständig, danach klicken die Handschellen.

Der eigentlich doch so uncoole Professor besitzt zur Überraschung seiner Kollegen (und des Kinopublikums) eine spektakuläre Verwandlungsfähigkeit, der Rest ist Intuition. Als Psychologe weiß er: In jedem Menschen schlummert seine ganz eigene (Ideal-)Vorstellung von einem Auftragskiller – und so liefert er maßgeschneiderte Bösewichter jeder Couleur. Kompliziert wird es erst, als unser Protagonist der unwiderstehlichen Maddy Masters (Adria Arjuna) gegenübersitzt, die sich ihres Ehemanns entledigen will. An diesem Tag hat Gary sich für die Rolle des mysteriösen verführerischen Ron entschieden, nur: Wer will schon eine zauberhafte Frau hinter Gitter bringen? Eine turbulente Amour fou beginnt.

„A Killer Romance“ – ein Spiel mit den Erwartungen

Ab 4. Juli 2024 im Kino: „A Killer Romance“ (©LEONINE)

„A Killer Romance“ basiert auf einer 2001 erschienenen Reportage im „Texas Monthly“ von Skip Hollandsworth. Regisseur Richard Linklater („Boyhood“) kennt – genau wie sein Protagonist Gary – unsere Erwartungen, und er spielt damit. Gelungen am Film sind nicht nur die Brüche zwischen den Genres, sondern auch dessen Facettenreichtum – wie in den sonnendurchfluteten Neo-Noir-Sequenzen. Zum ersten Mal erinnert eine Komödie von Linklater an seine „Before“-Trilogie, und so sehnt man sich nach den atemlosen Dauerdialogen zwischen Julie Delpy und Ethan Hawke. Das Drehbuch schrieb Linklater übrigens zusammen mit Glen Powell. Ihr Credo: Schauspielerei, die Kunst des Verstellens, der Täuschung, ist existenzieller Teil unseres Lebens. Das fast schon obsessive Bombardement witziger Verwicklungen garantiert zwar Lacher, nimmt  aber den Akteuren ihren Spielraum, sie werden fast erdrückt von der Situationskomik.

„A Killer Romance“, Regie: Richard Linklater. Mit Glen Powell, Adria Arjona, Austin Amelio. 113 Min. Ab 4. Juli 2024 im Kino

Hier gibt’s den Trailer zum Film:

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Diese Kritik ist zuerst in SZENE HAMBURG 07/2024 erschienen.

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