Foto: Filmwelt/Stan Mende

Filmkritik: Curveball – Wir machen die Wahrheit

Der neue Film von „Curveball“ von Johannes Naber ist eine Gratwanderung zwischen Groteske und Politdrama, ab dem 9. September 2021 in den Kinos

Text: Anna Grillet

 

Im bayrischen Asylbewerberheim Zirndorf hat Agent Retzlaff (Michael Wittenborn) einen potenziellen irakischen Informanten namens Rafid Alwan (Dar Salim) angeworben. Die Nachricht löst helle Begeisterung beim BND aus, braucht man doch dringend Erfolge im Konkurrenzkampf mit CIA und MI6. Biowaffenexperte Dr. Arndt Wolf (exzellent: Sebastian Blomberg) glaubt noch immer unverdrossen, dass Saddam Hussein trotz UN-Kontrollen Anthrax-Viren herstellen lässt. Er selbst war drei Jahre vor Ort und hatte nach geheimen Produktionsstätten gesucht. Vergeblich. Vom Jagdfieber gepackt, drängt er nun darauf, den Informanten persönlich zu betreuen. Die Angaben von Rafid Alwan bleiben seltsam vage, seine Forderungen dagegen sind klar und unmissverständlich: ein deutscher Pass, eine eigene Wohnung. Er fühle sich verfolgt vom Geheimdienst seiner Heimat. Nach langem Zögern rückt Rafid mit der Sprache raus: mobile Labore. Eine Sensation, die für internationale Schlagzeilen sorgt und am Ende einen Krieg auslöst, auch wenn ein Satellitenfoto beweist, dass die Story frei erfunden ist. Wolf wird entlassen, während andere Karriere machen.

 

Wes Anderson lässt grüßen

 

Regisseur Johannes Naber und Drehbuchautor Oliver Keidel geht es in ihrer Politsatire vorrangig um die Instrumentalisierung von Geheiminformationen, aber auch um den absurden Umgang miteinander in der Maschinerie des Bundesnachrichtendienstes. Wer will sich schon mit der Wahrheit blamieren, die bleibt schließlich topsecret.

Erinnert an Wes Anderson Filme: Curveball; Foto: Filmwelt

Erinnert an Wes Anderson Filme: Curveball; Foto: Filmwelt

Wer das Schweigen bricht, dem droht Landesverrat. Es ist die Geburtsstunde der Fake News. Der skurrile Mix aus Fiktion und Realität ist brillant. Als Rafid nachts entführt wird, nimmt Wolf todesmutig als einsamer störrischer Don Quijote die Verfolgung auf. Die vermeintlichen Schergen entpuppen sich als CIA-Agenten, darunter die Ex-Geliebte des Protagonisten, die er aus der gemeinsamen Zeit im Irak kennt. Sie will ein Exklusiv-Interview fürs USFernsehen. Wenn der glücklose Held im blau gestreiften Pyjama auf einem kleinen Schlitten die schneebedeckten Hügel runterrast, fühlt man sich unweigerlich an Wes Anderson und das Grand Budapest Hotel erinnert.

Curveball – Wir machen die Wahrheit, Regie: Johannes Naber. Mit Sebastian Blomberg, Dar Salim, Thorsten Merten. 108 Min. Ab 9. September 2021 in den Kinos

Noch nicht Überzeugt? Hier gibts den Trailer zum Film:


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