Extremer könnten die Gegensätze kaum sein, die in „Dreams – Gefährliches Verlangen“ aufeinanderprallen: Fernando reist illegal über die mexikanische Grenze in die USA ein, flieht zu Beginn aus einem mit Menschen überfüllten Lkw, schlägt sich dann zu einer Luxuswohnung in San Francisco durch, wo er auf seine Liebhaberin wartet. Jennifer, die einer wohlhabenden Familie entstammt, betätigt sich als Philanthropin und kennt den Besucher aus einer von ihrer Stiftung unterstützten Ballettakademie in Mexiko. Ihre geheime Beziehung schlittert nach Fernandos Ankunft in den Staaten schnell in eine Krise. Doch letztlich scheint die Anziehung größer zu sein. Der austauschbare deutsche Untertitel klingt nach einem reißerischen Erotikthriller aus den Neunzigern.

Teorema , Freckle Films, AR Content)
Mit formelhafter B-Ware hat Michel Francos neuer Film aber wenig gemein. Sein zwischen den Perspektiven der beiden Hauptfiguren hin- und herspringendes Drama stellt, gerade in Zeiten von Donald Trumps knallhartem Vorgehen gegen Migrantinnen und Migranten, drängende Fragen, ohne in einfache Schwarz-Weiß-Muster zu verfallen. Jennifer tritt liberal und großzügig auf, behandelt Fernando mitunter aber wie ein Spielzeug, lässt ihn das Machtgefälle deutlich spüren. Liebt sie den talentierten Tänzer wirklich? Oder genießt sie es bloß, Sex mit einem durchtrainierten jungen Mann zu haben? Jessica Chastain, die zum zweiten Mal nach „Memory“ für Franco vor der Kamera stand und auch als ausführende Produzentin involviert ist, entwirft das spannende Porträt einer Frau mit eisernem Willen, der ein „Nein“ keine Grenzen setzt. Im Zusammenspiel mit Newcomer Isaac Hernández, einem echten Ballettstar, vermittelt sie eindringlich die toxische Abhängigkeit der Protagonisten. Interessanterweise bleibt der Regisseur trotz des erotisch aufgeladenen Plots seinem fast dokumentarischen Stil treu. Viele Szenen sind aus einer gewissen Distanz gefilmt, oft statisch. Selbst das vielleicht etwas kalkuliert provokante, düstere Finale ist eher nüchtern bebildert.
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