Filmkritik: „Father Mother Sister Brother“

Jim Jarmuschs neues Familien-Triptychon enttäuscht: Trotz Star-Besetzung mit Tom Waits und Cate Blanchett verliert der Film nach einem starken Start an Kraft
Sitzt auch gerne mal vor der Kamera herum: die kauzige Songwriter-Ikone Tom Waits
Sitzt auch gerne mal vor der Kamera herum: die kauzige Songwriter-Ikone Tom Waits (©Vague Nation / Atsushi Nishijima)

In Jim Jarmuschs neuem Film dreht sich alles um den Mikrokosmos Familie. In drei Stationen lotet er die Entfremdung erwachsener Kinder von ihren alternden Eltern aus. Das erste Kapitel, „Father“ betitelt, spielt im Nordosten der USA. Die Geschwister Jeff (Adam Driver) und Emily (Mayim Bialik) besuchen ihren Vater (herrlich knarzig: Tom Waits), der unter prekären Umständen in einem abgelegenen Häuschen wohnt. Doch ist Dad wirklich so hilf- und mittellos, wie er vorgibt? Die Rolex, die er unter seinem Ärmel zu verstecken versucht, erzählt eine andere Geschichte. Dieser starke Start macht Hoffnung auf mehr. „Mother“ entführt uns dann in ein schickes Dubliner Stadthaus, wo eine divenhafte Schriftstellerin (Charlotte Rampling) ihre Töchter zum Tee bittet. Der mit erlesenem Gebäck überfrachtete Tisch steht in seltsamem Gegensatz zur kargen Konversation. Nesthäkchen Lilith (Vicky Krieps) provoziert ihre Mutter mit rebellischen Sprüchen. Ihre Schwester Timothea (Cate Blanchett), Typ bebrilltes Mauerblümchen, will die Wogen glätten. Drei tolle Darstellerinnen sind bemüht, ihre arg schablonenhaften Figuren mit Leben zu füllen. Doch das Ergebnis ist allenfalls amüsant.

„Father Mother Sister Brother“: Kein überzeugendes Ganzes 

Seit 26.2.26 im Kino: „Father Mother Brother Sister“ (©MUBI)

Jarmuschs lakonisches Triptychon befindet sich hier bereits im Sinkflug. „Sister Brother“, die finale Episode, zündet dann leider gar nicht mehr. In Paris schwelgen die Zwillinge Billy (Luka Sabbat) und Skye (Indya Moore) in der leer geräumten Wohnung ihrer tödlich verunglückten Eltern in Erinnerungen an ihre Kindheit. Diese Konstellation hätte durchaus Potenzial, versickert aber leider in aufgesetzten, um Coolness bemühten Hipster-Dialogen. Überhaupt ergeben die drei Kapitel kein überzeugendes Ganzes. Episodenübergreifende Elemente wie Skater in Slow Motion, Rolex-Uhren oder der Spruch „Bob’s your uncle“ wirken eher erzwungen als verbindend. Die öde vor sich hin wabernden Farbspiele zwischen den Kapiteln unterstreichen den uninspirierten Gesamteindruck. Dem Familiendreiklang geht leider schon nach dem ersten Akt die Luft aus und ist nur etwas für Jarmusch-Komplettisten. 

Hier gibt’s den Trailer zum Film:

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