Filmkritik: „Nürnberg“

„Nürnberg“ ist ein packender Gerichtsthriller auf historischer Bühne
Russell Crowe als Nazi Hermann Göring in „Nürnberg“ auf der Anklagebank
Russell Crowe als Nazi Hermann Göring in „Nürnberg“ auf der Anklagebank (©Bluestone Entertainment)

Nürnberg 1945. Die Alliierten standen am Ende des Zweiten Weltkriegs vor der Frage, was mit den überlebenden Mitgliedern des Nazi-Oberkommandos geschehen soll, die bei der Befreiung Europas gefangen genommen worden waren. Winston Churchill wollte sie erschießen lassen, Josef Stalin einen Schauprozess plus Exekution, US-Präsident Harry S. Truman aber beharrte auf reguläre Gerichtsverhandlungen, einem internationalen Tribunal zwischen den Trümmern jener Stadt, die einst als Kulisse für Hitlers Propagandaveranstaltungen gedient hatte.

Für den US- Regisseur und Drehbuchautor James Vanderbilt bedeuten die vielschichtigen juristischen, ethischen und logistischen Herausforderungen des Prozesses ein waghalsiges Unterfangen, während er versucht, uns so hautnah wie möglich in den Kampf um die Wahrheit mit einzubeziehen. Der amerikanische Armeepsychiater Dr. Douglas M. Kelley (Rami Malik) erhält die Order, den mentalen Zustand der NS-Gefangenen einzuschätzen und nebenbei Informationen aufzuschnappen. Die Alliierten sind sich bewusst, dass Gerechtigkeit in Nürnberg nicht nur an Urteilen gemessen werden wird, sondern auch an der Auseinandersetzung mit den Wurzeln des Bösen selbst.

„Nürnberg“: Hochkarätig besetztes Geschichtsdrama 

Ab 7. Mai im Kino: „Nürnberg“ (©Weltkino Filmverleih) 

Der ehrgeizige Kelley ist fasziniert von seinem populären Patienten, dem Reichsmarschall Hermann Göring (Russell Crowe), der früheren rechten Hand Adolf Hitlers. Beide Männer versuchen, einander mit ihren Zaubertricks zu blenden: Göring versteht sich darauf, sein Gegenüber mit einem Mix aus Charme und diabolischer Schläue zu manipulieren.

Kelley tappt in die Falle. Vanderbilts Psychogramm eines Jahrhundertprozesses mutiert nicht zum Meisterwerk wie Jonathans Glazers „The Zone of Interest“, sondern präsentiert sich als hochkarätig besetztes Gerichtsdrama nach Old-School-Manier.

Der Film basiert auf Jack El-Hais Buch „Der Nazi und der Psychiater“. Oscar-Preisträger Russell Crowe endet in ironischen Überheblichkeiten nahe der Karikatur. Beängstigend eindrucksvoll nichtsdestotrotz seine Rhetorik, auf der Anklagebank leugnet er jedes Wissen vom Holocaust, bis im Gerichtssaal auf der Leinwand zum ersten Mal Archivmaterial aus den Konzentrationslagern gezeigt wird. Kelley war seiner Zeit weit voraus, der Begriff der Banalität des Bösen taucht bei ihm zuerst auf, doch er stieß auf Widerstand – gerade in den USA. 1958 nahm er sich das Leben: mit Zyankali – wie Hermann Göring. / Anna Grillet

Hier gibt’s den Trailer zum Film:

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