Filmkritik: „The Bikeriders“

„The Bikeriders“ mit Austin Butler und Tom Hardy ist eine nostalgische Hommage an die Motorrad-Clubs der 1960er-Jahre
Benny (Austin Butler) und Kathy (Jodie Comer) leben ein rebellisches Leben (©Focus Features)

Das Aufheulen der Motoren gleicht einer Kampfansage an die bürgerliche Gesellschaft: Für Benny (grandios: Austin Butler), den attraktiven unzähmbaren Rebellen der Chicagoer Peripherie, dreht sich das Leben Mitte der Sechzigerjahre um seine Leidenschaft für den Motorradclub der „Vandals“, gegründet vom charismatischen Johnny (umwerfend: Tom Hardy) und um die Liebe zu Kathy (Jodie Comer). Furchtlosigkeit bedeutet für Benny Freiheit, er lässt keinen Kampf aus – ob in der Bar oder auf der Straße, je aussichtsloser desto besser, Todessehnsucht schwingt immer mit. Die „Vandals“, einst Anlaufstelle für Unangepasste, entwickeln sich von einer Ersatzfamilie zum Verbrechersyndikat samt Drogen, Prostitution und Glücksspiel. Benny muss sich entscheiden, wem seine Loyalität gilt: Kathy oder Johnny, der ihn zum Nachfolger ernennen will.

„The Bikeriders“: ein altmodischer Western mit der Spannung eines Gangsterepos

„The Bikeriders“, ab dem 20. Juni im Kino (©Focus Features)

„The Bikeriders“ ist inspiriert von dem gleichnamigen, 1969 erschienenen Bildband des Fotografen und Dokumentarfilmers Danny Lyon über den Chicago Outlaw Motorcycle Club. Er war selbst Mitglied, übernahm deren Lebensstil, seine Schwarz-Weiß-Aufnahmen besitzen jene besondere spontane Authentizität, die auch dieses Drama prägt. US-Regisseur Jeff Nichols („Take Shelter“) romantisiert weder die Motorradgangs noch deren Protagonisten, zeigt die Gewalt schlicht als Teil des Selbstverständnisses dieser Männer, ihre Art zu träumen.

Lyon (gespielt von Mike Faist) interviewt im Film Kathy – und ähnlich wie Karen in Martin Scorseses „GoodFellas“ oder Kay in Francis Ford Coppolas „The Godfather“ gibt sie, die Außenseiterin, dem Zuschauer Einblicke in den inneren Zirkel der Gang und in ihre eigenen widersprüchlichen Gefühle. Nichols kreiert bewusst Parallelen, um so die Gegensätze zu betonen. „The Bikeriders“ fühlt sich an wie ein altmodischer Western mit der Spannung eines Gangsterepos. Ästhetisch virtuos komponierte Sequenzen als Spiegel eines sich drastisch verändernden Amerikas. Faszinierend, grotesk und abstoßend gleichermaßen. Mittelpunkt bleibt die fatale Dreiecksbeziehung, der Kampf um Liebe und Macht.

Hier gibt’s den Trailer zum Film:

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Diese Kritik ist zuerst in SZENE HAMBURG 06/2024 erschienen.

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