Filmkritik: „The History of Sound“

Das einfühlsame Drama „The History of Sound“ erzählt von der tiefen Verbindung zwischen zwei Musikern. Vor dem Hintergrund des Jahres 1917 dokumentieren sie auf einer Expedition durch Maine traditionelles Liedgut. Ein zarter Film über Musik, Liebe und die unüberwindbaren Narben der Geschichte
Lieben sich – und die Musik: Lionel (Paul Mescal) und David (Josh O’Connor)
Lieben sich – und die Musik: Lionel (Paul Mescal) und David (Josh O’Connor) (©Fair Winter LLC)

Ganz zu Anfang sieht man Bilder ländlicher Idylle im US-Bundesstaat Kentucky. Dazu erzählt Farmersohn Lionel („Hamnet“-Star Paul Mescal) per Voiceover von seiner Kindheit. Oft griff sein Vater zur Fiedel und stimmte Folksongs an. Lionel, das zeichnet sich schon früh ab, ist musikalisch hochbegabt. Durch seine Gabe erlangt er ein Stipendium am Konservatorium in Boston. Hier lernt der schüchterne Brillenträger, mittlerweile Anfang zwanzig, David (Josh O’Connor) kennen. Der Beau mit dem verschmitzten Lächeln teilt Lionels Begeisterung für volkstümliches Liedgut. Rasch entwickeln beide zärtliche Gefühle füreinander. Wir schreiben das Jahr 1917, queere Romanzen können nur hinter verschlossenen Türen stattfinden. Die beiden leben ihre Leidenschaft, ohne über die Zukunft nachzudenken. Dann muss David nach Europa an die Front. Lionel, wegen seiner Sehschwäche nicht einberufen, bleibt in tiefer Sorge um seinen Seelenpartner zurück. Zwei Jahre herrscht Funkstille, bevor er endlich einen Brief des mittlerweile aus dem Weltkrieg Heimgekehrten erhält. Darin spricht David ihm die Einladung für eine musikalische Expedition in seiner Heimat Maine aus.

„The History of Sound“ hallt lange nach 

Seit Anfang April im Kino: „The History of Sound“ (©Mubi) 

Mit einem Zelt ausgerüstet ziehen die beiden los. Wo immer Menschen Lieder anstimmen, dokumentieren sie den Gesang per Phonograph. Der Wunderapparat, den sie in einem Koffer mit sich tragen, ritzt akustische Signale in rotierende Wachszylinder – eine frühe Form der Schallplatte. Da die Song-Sammler nie lange an einem Ort verweilen und sich somit der Beobachtung entziehen, kann ihre Romanze erneut aufblühen. Und doch liegt ein Schatten über ihrem Glück. Der Krieg hat David schwer gezeichnet. Obgleich er über seine traumatischen Erlebnisse beharrlich schweigt, scheint er sich von der gemeinsamen „Schatzsuche“ seelische Heilung zu versprechen. Dass dieser Plan letztlich zum Scheitern verurteilt ist, davon erzählt dieser ungemein zarte Film. Seine leisen Töne geraten mit fortlaufender Dauer immer mehr in Schwingung und hallen noch lange nach. 

Hier gibt’s den Trailer zum Film:

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Abonniere unser
"Heute in Hamburg"
Update per E-Mail oder WhatsApp!

Die spannendsten Events in der Stadt und das Neueste aus der Hamburger Gastro- und Kulturszene. Wir halten dich auf dem Laufenden. 😃

👉 Stattdessen via Messenger abonnieren

Wir senden keinen Spam! Erfahre mehr in unserer Datenschutzerklärung.

Abonniere unseren Newsletter!

Erhalte jeden Tag die besten Empfehlungen für deine Freizeit in Hamburg.

Unsere Datenschutzbestimmungen findest du hier.

#wasistlosinhamburg
für mehr Stories aus Hamburg folge uns auf