Filmkritik: The Piano Tuner

Heist-Thriller auf den Spuren von „Baby Driver“
Leo Woodall, bekannt aus „The White Lotus“, als „The Piano Turner“
Leo Woodall, bekannt aus „The White Lotus“, als „The Piano Turner“ (© Black Bear Pictures)

Der für seinen Dokumentarfilm „Navalny“ mit dem Oscar ausgezeichnete kanadische Regisseur Daniel Roher liefert mit „The Piano Tuner“ sein Spielfilmdebüt. Niki White (Leo Woodall) verfügt über ein sensibles Gehör (Hyperakusis) und arbeitet mit seinem Mentor Harry Horowitz (Dustin Hoffman) als Klavierstimmer. Alltagsgeräusche sind für Niki überfordernd, aber seine Hörfähigkeit ist überdurchschnittlich. Als eine Bande dubioser Security-Arbeiter von Nikis Talent erfährt, erhält er ein unmoralisches Angebot: Er soll einen Safe knacken. Der Film lehnt sich tonal und thematisch stark an den 2017 erschienenen „Baby Driver“ an. So könnte auch „The Piano Tuner“ für Newcomer Leo Woodall (bekannt aus der zweiten Staffel „The White Lotus“) ein Erfolg werden. Gerade in der Beziehung zur Klavierspielerin Ruthie (Havana Rose Liu) punktet er durch die stoische, empathische Art seiner Figur.

Filmplakat zu „The Piano Tuner“

Die Chemie zwischen den beiden stimmt einfach. Einige Momente, wie das gemeinsame Klavierspielen, entwickeln eine solch zärtliche Spannung, dass man sich eine Rom-Com wünscht. Musik ist ohnehin das verbindende Element des Films. Es ist kein Zufall, dass alle emotionalen Szenen durch die Tasten eines Pianos ihren Ausdruck finden. Daneben bereichern Jazz-Stücke den Soundtrack. Endlich findet wieder ein Heist-Plot den Weg auf die Leinwand! Fans des Genres sollten jedoch keine zu hohe Erwartung haben, denn diesem wird ein eher beiläufiger Stellenwert zugeordnet. Zwar fügt sich der Nebenjob als Safeknacker gut in das Gesamtgeschehen ein, dennoch folgt er bekannten Mustern. Auch das Skript ist gelegentlich etwas zu bequem mit seiner Vielzahl an Zufällen. Auf der Unterhaltungsebene fallen beide Punkte jedoch weniger schwer ins Gewicht. Die größte Errungenschaft bleibt, dass „The Piano Tuner“ neben Titeln wie „Sound of Metal“ oder „Sorda“ ein Film ist, der uns eine andere Perspektive eröffnet und uns audiovisuell an der Hörwahrnehmung des Protagonisten teilhaben lässt. Und das, ohne ihn dabei in eine Opferrolle zu drängen, sondern vielmehr seine Stärken hervorzuheben. Wo sonst überwiegend im Drama ein solches Thema bearbeitet wird, ist es hier der Katalysator in einem Genrefilm. 

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