Filmkritik: „Resurrection“

„Resurrection“ ist ein surreales Science-Fiction-Kaleidoskop
Äpfel gehen immer – auch für Shu Qi als „die große Andere“
Äpfel gehen immer – auch für Shu Qi als „die große Andere“ (©Well Go USA Entertainment)

In einer Welt, wo die Menschheit zugunsten des ewigen Lebens bewusst das Träumen aufgegeben hat, begibt sich ein namenloses Monster (grandios: Jackson Yee) auf eine Odyssee durch Zeit und Raum, um die Träume vor dem Vergessen zu bewahren. Solche wie er, die sich den Regeln widersetzen, werden als Fantasmer verfolgt, können sie doch mit ihren Träumen den Fluss der Zeit verändern. Regisseur Bi Gan inszeniert das Kino als betörende Schwellenerfahrung und stellt diese zugleich als trügerisches Spannungsfeld zwischen Diesseits und Jenseits, Realität und Utopie infrage. Bei dem chinesischen Regisseur zerfließt die Zeit, der Körper des Monsters verschmilzt mit dem Projektor. Film ist Medium und Akteur zugleich, Genres lösen sich in ihre Bestandteile auf, verlieren ihren Horizont, um ihn neu zu entdecken. Zu Beginn von „Resurrection“ wird durch ein brennendes Loch in der Leinwand der Blick auf einen vollen Kinosaal freigegeben. Wir sind gefordert! In rätselhaften melancholischen Traumsequenzen, die Bi Gan jeweils einem der Sinne widmet, lässt sich das Monster durch ein ganzes Jahrhundert treiben.

„Ressurection“: überwältigend und künstlerisch brillant 

(©Filmladen Filmverleih) 

Alle sechs Geschichten werden im Stil unterschiedlicher Epochen und Genres erzählt. Der Protagonist verwandelt sich seiner Rolle entsprechend, bis er jegliche physische Form vollständig verliert. Am Ende ist er kein einzelnes Wesen mehr, sondern ein Kollektiv leuchtender Gestalten oder Menschen, die in Flammen stehen. Filmgeschichte und chinesische Historie greifen ineinander über. Am Anfang steht eine Stummfilmepisode, Format 4:3, im Stil des deutschen Expressionismus, der körperlich entstellte Fantasmer erinnert an Nosferatu oder Dr. Caligari. Ob religiöser Spuk oder Gangster, die sich mit Vampiren zusammentun – was Bi Gan anstrebt, ist die Wiederherstellung der Erfahrungen und Textur einer Epoche, etwas zu schaffen, das ihrem Geist so treu ist, dass es ihn selbst zu Tränen rühren würde. Der eigentliche Protagonist bleibt aber das Jahrhundert selbst. „Resurrection“ ist überwältigend, technisch wie künstlerisch brillant, ein einzigartiges Erlebnis: Filmkunst als eine Frage von Leben und Tod. 

Hier gibt’s den Trailer zum Film:

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