Freilichtmuseum am Kiekeberg: Ein Tag wie anno dazumal

An der Hamburger Stadtgrenze, eingebettet in die malerischen Schwarzen Berge, liegt ein Ort, an dem die Zeit scheinbar stehen geblieben ist und sich doch stetig weiterdreht. Das Freilichtmuseum am Kiekeberg in Rosengarten-Ehestorf bietet eine Zeitreise durch Jahrhunderte norddeutscher Lebensart
Geschichte zum Anfassen: Bei „Sonntags im Museum“ können Kinder historische Handwerkstechniken wie das Weben oder Spinnen selbst ausprobieren
Geschichte zum Anfassen: Bei „Sonntags im Museum“ können Kinder historische Handwerkstechniken wie das Weben oder Spinnen selbst ausprobieren (©FLMK)

Wer das Gelände des Freilichtmuseums am Kiekeberg betritt, lässt den Lärm der Großstadt schnell hinter sich. Über 40 historische Gebäude, eingebettet in Bauerngärten und weite Wiesen, erzählen von einer Welt, in der das Leben vom Rhythmus der Natur und harter körperlicher Arbeit geprägt war. Doch der Kiekeberg ist weit mehr als eine Ansammlung alter Balken und Reetdächer. Es ist ein lebendiger Kosmos, der zeigt, wie sich Landwirtschaft, Handwerk und das tägliche Miteinander über die Jahrhunderte gewandelt haben. Ein markantes Herzstück des Museums ist das „Agrarium“. Auf 3300 Quadratmetern schlägt diese Ausstellungswelt die Brücke zwischen der Vergangenheit und der Zukunft unserer Ernährung. Hier stehen glänzende historische Traktoren und massive Dampfmaschinen neben Stationen, an denen moderne Lebensmittelindustrie erklärt wird. Besonders für Kinder wird Wissen hier spielerisch vermittelt. Wer möchte, kann auf einem Traktorsitz Platz nehmen oder sein Geschick beim Melken einer Modellkuh testen. Die zentrale Frage „Wo kommt unser Essen eigentlich her?“ wird hier fundiert und spannend beantwortet. Die architektonische Reise führt Besucher von den tief geduckten Bauernhöfen des 17. Jahrhunderts bis in die jüngere Vergangenheit.

Über 40 historische Gebäude und Gärten auf dem zwölf Hektar großen Gelände des Freilichtmuseums am Kiekeberg erzählen vom Leben und Arbeiten in vergangenen Jahrhunderten (©FLMK)
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Erlebbare Vergangenheit: Der Aufschwung der Bundesrepublik und Artenerhalt

Ein besonderes Highlight der letzten Jahre ist die „Königsberger Straße“. Dieser Straßenzug macht die Nachkriegszeit und den Aufschwung der jungen Bundesrepublik greifbar. Eine historische Tankstelle und Ladeneinrichtungen runden das Bild ab und wecken bei älteren Besuchenden oft lebhafte Erinnerungen, während Jüngere staunend vor der Ästhetik des Wirtschaftswunders stehen. Das Museum engagiert sich aktiv für den Erhalt alter Nutztierrassen. Bunte Bentheimer Schweine, Bentheimer Landschafe und die stolzen Ramelsloher Hühner gehören ebenso zum Inventar wie die Schwarzbunten Niederungsrinder in der warmen Jahreszeit. An Aktionstagen wie „Sonntags im Museum“ oder bei Terminen der „Gelebten Geschichte“ wird die Illusion der Zeitreise perfekt. Wenn Darsteller in historischer Kleidung am Spinnrad sitzen, weben oder die Felder bestellen, entstehen Dialoge auf Augenhöhe. Fragen zum harten Alltag früherer Generationen werden hier direkt bei der Arbeit beantwortet. Neben der Landwirtschaft widmet sich das Museum intensiv dem Handwerk. Im „Haus des Handwerks“ wird dokumentiert, wie sich Berufe über zwei Jahrhunderte veränderten – vom hölzernen Werkzeug hin zur Industrialisierung. Für die jüngsten Gäste (und die im Herzen jung Gebliebenen) sind die „Spielwelten“ ein Magnet. Rund 2000 Exponate zeigen die Evolution des Spielzeugs und laden an vielen Ecken zum Ausprobieren ein. Im Gasthof „Stoof Mudders Kroog“ kommen regionale Gerichte nach alten Rezepten auf den Tisch, stilecht auf einer plattdeutschen Speisekarte präsentiert. Wer den Duft von frisch geröstetem Kaffee liebt, sollte das „Das Wegewitz“ besuchen. Hier wird in einem Trommelröster von 1932 Kaffee veredelt, der hervorragend zu den hausgemachten Torten passt. An Backtagen zieht zudem der Duft von frischem Brot aus dem Holzofen der Museumsbäckerei über das Gelände. 

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