Filmkritik: Good Boy – Wir wollen nur dein Bestes

Schuld und Sühne
Anson Boon als Tommy in „Good Boy – Wir wollen nur dein Bestes“
Anson Boon als Tommy in „Good Boy – Wir wollen nur dein Bestes“ (©X Verleih _ RPC Good Boy Limited _ Skopia Film _ Luk)

Tommy (Anson Boon) ist definitiv kein „guter Junge“. Wenn er nicht gerade wehrlose Opfer drangsaliert, seine Freundin demütigt oder gestohlene Autos zu Schrott fährt, feiert er die Nächte zugedröhnt in Clubs durch. Seine Schandtaten überträgt er live via Social Media. Als er eines Morgens nach Hause torkelt, fährt ihn plötzlich ein Auto über den Haufen. Wieder bei Bewusstsein, findet er sich im Keller eines einsamen Landhauses wieder. Die schwere Kette mit der Eisenmanschette, die sich um seinen Hals schließt, ist solide in der Wand verschraubt. Sein Kidnapper ist der irritierend freundliche Toupet-Träger Chris (Stephen Graham). Er lebt hier mit seiner geisterhaften Frau Kathryn (Andrea Riseborough). Der stets zwanghaft lächelnde Sohn Jonathan, Spitzname „Sunshine“ (Kit Rakusen), komplettiert die Familie.

Good Boy – Wir wollen nur dein Bestes: Makabre Familienfabel

Das weirde Trio hat Tommys haltloses Treiben im Internet verfolgt und will einen besseren Menschen aus ihm machen. Wenn der Gefangene nun abwechselnd seine eigenen Gewalt-Clips und Anger-Management-Lehrvideos anschauen muss, durchweht ein Hauch von „Clockwork Orange“ den Kinosaal. Wird Tommy aggressiv, zieht das körperliche Züchtigung nach sich. Gutes Betragen hingegen wird belohnt, indem sich Tommys Kette nach und nach verlängert. So kann der Delinquent sich Stück für Stück in die oberen Stockwerke des geräumigen Hauses „hocharbeiten“. Nach vollzogener Läuterung wird Tommy ein fester Platz in seiner neuen Sippe in Aussicht gestellt, offenbar soll er hier eine schmerzende Lücke füllen. Mitleidlos und schwarzhumorig beschreibt die makabre Familienfabel des polnischen Regisseurs Jan Komasa einen sozialen Reintegrationsversuch an einem wahrlich finsteren Ort und stellt fiese Fragen über Erziehung, Unterwerfung und Machtmissbrauch. Im dritten Akt lädt das Drehbuch der eh schon kruden Story dann leider einige Wendungen zu viel auf und die Figurenpsychologie droht zu entgleisen. Dank einer durch die Bank erstklassigen Darstellerriege vermag „Good Boy“ aber trotzdem zu fesseln.

Titelbild des Film
(©X Verleih _ RPC Good Boy Limited _ Skopia Film _ Luk)

Trailer zum Film:

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Dieser Artikel ist zuerst in der SZENE HAMBURG/06 erschienen.

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