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Die Schönheit des Verfalls

22 Jahre alt und eine umfangreiche Biografie. Elizaveta Ostapenko, die russischstämmige Künstlerin besuchte die British Higher School of Art & Design in Moskau und nahm an internationalen Festivals wie der Monumenta in Leipzig teil. Aktuell studiert Elizaveta an der Hochschule für bildende Künste Hamburg (HfbK) bei Pia Stadtbäumer

Interview: Markus Gölzer

SZENE HAMBURG: Lisa, in deiner Serie „Pasteurisation“ arbeitest du mit Fundstücken von der Straße wie Papierfetzen oder Plakatresten.

Elizaveta Ostapenko: Ich gehe gern spazieren und mache Fotos von kuriosen Fundstücken. Diese Fotos sind Grundlage für Experimente. Ich verarbeite sie zu Gemälden, indem ich sie übermale und per Tiefdruck auf Papier übertrage. Ich bin sehr neugierig, wie die die Leute das interpretieren. Ich möchte Aspekte der Stadt zeigen, die oft unbemerkt bleiben wie zum Beispiel Plakatfetzen. Ich finde es schön, wie sie sich auf natürliche Weise verändern. Wenn sich die Betrachter meiner Bilder danach die Straße genauer ansehen und auch etwas finden, bin ich zufrieden mit meiner Arbeit.

Was fasziniert dich am Thema „Haltbarmachen“?

Ich interessiere mich sehr für Nostalgie und Zeit. Das ist etwas Russisches, glaube ich (lacht). Alle Russen sind nostalgisch. Ich interessiere mich, wie bestimmte Orte aussehen, welche Bedeutung sie haben, wie sie sich verändern und warum. Das hat auch mit Konservierung zu tun. Wie können wir Bilder dokumentieren und konservieren, die später verschwinden. Warum sollen wir das machen? Was bedeutet das für die Kunst? Was ist der Unterschied zwischen Alt und Neu? Altes ist für viele Leute uninteressant. Für mich ist es interessant.

Hamburg und Berlin

Deine Fundstücke stammen aus Hamburg, Berlin, Moskau, St. Petersburg und Brüssel. Wie ging es dir in den diversen Lockdowns mit ihren Bewegungsbeschränkungen?

Am Anfang war es sehr schwierig für mich. Ich reise gerne, und es ist wichtig für mich, draußen neues Research-Material zu finden. Während des ersten Lockdowns habe ich mein altes Fotoarchiv durchforstet, um Inspiration zu finden. Das hat mir sehr geholfen. Ich habe eine kleine neue Serie gemacht, das Quarantine Sketchbook.

Du warst zuerst in Berlin und bist dann nach Hamburg gegangen. In der Kunstszene ist es meist umgekehrt.

Ich bin nach Berlin gezogen, weil ich mich an einer deutschen Kunsthochschule bewerben wollte. Die Kunstszene in Deutschland entwickelt sich sehr gut. Es gibt so viele Möglichkeiten für junge Künstler. Ich habe eine Cousine, die damals in Berlin gelebt hat. Ich konnte bei ihr wohnen und verschiedene Kunsthochschulen ansehen. Ich habe mich an drei Schulen beworben und dann in Hamburg meinen Platz bekommen.

„Es ist schrecklich, was im Moment in Russland passiert“

Du bist ziemlich rumgekommen. Fühlst du dadurch weniger oder eher mehr als Russin?

Als ich ihn Russland war, dachte ich, ich wäre sehr international. Jetzt lebe ich seit drei Jahren in Deutschland und es wichtig für mich, dass ich einen russischen Hintergrund habe. Wenn ich mit Leuten spreche oder meine Kunst mache, versuche ich, etwas Russisches hinzuzufügen, weil es ein großer Teil von mir ist.

In westlichen Medien hört man selten Gutes über die russische Politik. Wie empfindest du das?

Ich denke, das ist ein wichtiges Thema. Es ist schrecklich, was im Moment in Russland passiert. Ich bin sehr traurig darüber. Aber ich versuche, meinen Freunden ein paar Insights über Russland zu geben. Es gibt trotz der aktuellen Situation so viele tolle Dinge, tolle Projekte und talentierte Menschen in Russland. Es hat nicht alles mit Politik zu tun.

Was ist dein aktuelles Projekt?

Im Moment arbeite ich an einer Serie von Objekten. Ich habe mich entschieden, in Richtung Skulpturen zu gehen. Ich arbeite mit Pappmaché und Keramik. Mit dieser Serie wird mein Research über die Stadt und ihre Straßen fortgesetzt. Ich plane, sie in der Jahresausstellung der HfbK zu zeigen.

elizavetaostapenko.com


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