Vorschau: Hamburger Theaterfestival

Kampf mit äußeren und inneren Dämonen
Shakespeare-Inszenierung aus Düsseldorf: „Richard III“
Shakespeare-Inszenierung aus Düsseldorf: „Richard III“ (©Thomas Rabsch)

Bei Evgeny Titov sind es die Frauen, die im Zentrum von „Richard III.“ stehen. Der Regisseur hat den Text von Shakespeares Königsdrama auf ein Drittel zusammengestrichen und konfrontiert den Titelhelden (André Kaczmarczyk) ausnahmslos mit den weiblichen Figuren – also jenen, die am meisten unter den Untaten des skrupellosen Brudermörders leiden. Die Inszenierung gehört mit ihrem ganz neuen Zugriff auf den Stoff zu den acht herausragenden Produktionen aus Düsseldorf, Wien, Berlin, München und Stuttgart, die im Rahmen des 18. Hamburger Theater Festivals zu sehen sind.

Festival-Intendant Nikolaus Besch über das Hamburger Theaterfestival

„Theater ist oft politisch“, erklärt Festival-Intendant Nikolaus Besch: „Auch die diesjährige Stückauswahl zeigt das ein ums andere Mal.“ Wie zum Beispiel die surreale Dystopie „Der Schneesturm“, verfasst vom russischen Gegenwartsautor Vladimir Sorokin und umgesetzt von seinem Landsmann Kirill Serebrennikov, beide leben als Regimekritiker im Berliner Exil. Höchst gesellschaftspolitisch sind auch „Der Fall McNeal“ von Ayad Akhtar, der Machtstrukturen zwischen den Geschlechtern hinterfragt (Regie: Jan Bosse, Hauptrolle: Joachim Meyerhoff), sowie Brechts Wirtschaftskrisenstück „Die Heilige Johanna der Schlachthöfe“, dessen Hauptfigur (Kathleen Morgeneyer) Widerstand gegen das kapitalistische System leistet. „Romeo und Julia“ hingegen begehren in der Inszenierung von Elsa-Sophie Jach gegen den Krieg ihrer Familien auf. Um den Kampf gegen innere Dämonen geht es in Franz Kafkas monologischer Parabel „Der Bau“ (Max Simonischek in einer Doppelrolle als Regisseur und Darsteller) und in „De Profundis“, dem zweiten Solo des Festivals. Hier spielt Jens Harzer den Schriftsteller Oscar Wilde, der im Gefängnis eine Lebensabrechnung schreibt. Auf Protokollen des ersten Auschwitz-Prozesses 1963 bis 1965 beruht das Stück „Die Ermittlung“ von Peter Weiss, das in der Bucerius Law School gezeigt wird.

Dieser Artikel ist zuerst in der SZENE 05/26 erschienen.

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