3 Hamburger Frauen: Mit dem Edwin-Scharff-Preis ausgezeichnet 

Ergül Cengiz, Kathrin Wolf und Henrieke Ribbe, Hamburgerinnen des Monats Januar,  lernten sich an der Hochschule für bildende Künste Hamburg kennen. 2004 gründeten sie das Kollektiv „3 Hamburger Frauen“. Ihre Wandbilder, Skulpturen oder begehbaren Rauminstallationen spielen mit Rollenbildern, Klischees, Archetypen, Kunstgeschichte und Popkultur. Immer mit scharfem Blick, ohne dabei den Humor aus den Augen zu verlieren. Im November 2025 wurden die 3 Hamburger Frauen für ihre herausragenden künstlerischen Leistungen mit dem Edwin-Scharff-Preis der Stadt Hamburg ausgezeichnet 
Titel: MOIREN, 2019 Ausstellung „Feelings" Pinakothek der Moderne, München, Mischtechnik auf Wand 500 x 1000 cm ©3 Hamburger Frauen
Titel: MOIREN, 2019 Ausstellung „Feelings" Pinakothek der Moderne, München, Mischtechnik auf Wand 500 x 1000 cm ©3 Hamburger Frauen (©Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Johannes Haslinger)

SZENE HAMBURG: Gratulation zum Edwin-Scharff-Preis. Und zum 20-jährigen Jubiläum, das ihr letztes Jahr gefeiert habt. Wie entstand die Idee zu den 3 Hamburger Frauen?

Henrieke: Die 3 Hamburger Frauen-Idee entstand 2004 in Österreich. Wir hatten eine gemeinsame Ausstellung in Horn, wo wir an verschiedenen Wänden gemalt haben. Da kam uns die Idee, das übereinander zu legen. Als Titel daher, wer wir sind: In Österreich waren wir lediglich 3 Frauen aus Hamburg.

Kathrin: Die Stimmung, raus aus der Kunsthochschule und rein ins ungewisse Künstlerinnenleben war spannend für unseren Start.

In Österreich waren wir lediglich 3 Frauen aus Hamburg

Henrike Ribbe

Was habt ihr voneinander gelernt, das euch keine Kunsthochschule beibringen kann?

Henrieke: In der Kunsthochschule haben wir gelernt, Partys zu machen, danach haben wir gelernt, uns im Geschäft durchzuschlagen.

Ergül: Füreinander einzustehen und dass wir als Gruppe widerstandsfähiger sind und die künstlerische Position jeder Einzelnen zu respektieren. Ich lerne noch, mich nicht zu ernst zu nehmen.

Kathrin: Freundschaft, Zusammenarbeit und Humor über viele Jahre und verschiedene Lebensphasen hinweg lebendig zu halten. Unsere eigene Welt zu erschaffen. Aber vielleicht haben wir das doch auch an der Kunsthochschule gelernt. Wir waren da von Anfang an mit viel Freiheit ziemlich auf uns alleine gestellt – und wurden zu den 3 Musketieren. Da gab es auch mal ein Wandbild zu dem Thema bei der Sammlung Falckenberg.

Performative Kunst: 3 Hamburger Frauen 

Verleihung Edwin-Scharff-Preis in den Deichtorhallen. Ergül Cengiz, Kathrin Wolf und Henrieke Ribbe (v. l. n. r.)  (©Markus Gölzer)

Bei euch treffen unterschiedliche künstlerische Disziplinen und Positionen aufeinander. Henrieke arbeitet die Figuren aus. Ergül Flächen und Hintergründe. Kathrin ist für die Zeichnungen zuständig. Funktioniert das reibungslos basisdemokratisch oder kommt ihr euch da auch mal in die Quere?

Ergül: Der Trick ist, Techniken zu entwickeln, die jede sichtbar bleiben lässt. Das macht uns aus.

Henrieke: Mittlerweile kennen wir die andere Handschrift so gut, dass wir einander imitieren können. Falls einmal eine nicht kann, ist es trotzdem noch ein 3 Hamburger Frauen-Original.

Kathrin: Es entstehen gerade dadurch spannende Arbeiten, dass wir uns in die Quere kommen. Wir sind nicht in Konkurrenz zueinander, deshalb funktioniert es.

Wir waren da von Anfang an mit viel Freiheit ziemlich auf uns alleine gestellt

Katrin Wolf

Wie haben sich eure Narrative im Lauf der Jahre verändert?

Henrieke: Die Narrative ändern sich parallel zu uns und unseren Lebensrealitäten, anfangs waren es Prinzessinnen, dann arbeitende Mütter. Das Alter und Tod sind nahe liegende Themen, mit denen wir uns zurzeit beschäftigen, wie auch die Malerei mit Bewegung und Körper im Raum.

Kathrin: Starke Frauenfiguren, historisch oder aktuell, aus der Kunstgeschichte, Literatur, Musik oder Politik inspirieren und begleiten unserer Arbeit. Das ist eine inhaltliche Konstante, würde ich sagen.

Ihr seid aufgestellt wie eine Band, eure Kunst ist performativ. Schon mal überlegt, Musik zu machen?

Henrieke: (lacht). Musik ist ein stetiger Begleiter während wir malen, aber selbst Musik machen, das sind nicht wir.

Ergül: Es gibt mehrere Compilations von unseren Roadtrips zu den Ausstellungsorten.

Ich kann nur Handlungsempfehlungen aussprechen: Bildet Banden!

Ergül Cengiz

Was ist euer aktuelles Projekt?

Henrieke: Kunstpavillon München, Eröffnung 25.6.2026.

Ergül: Seit geraumer Zeit beschäftigen wir uns mit Loïe Fuller, eine amerikanische Tänzerin und Erfinderin (1862–1928), und mit der Pattern and Decoration (P&D)-Bewegung (1975–1985, Vereinigte Staaten). Die Künstlerinnen und Künstler der P&D-Bewegung setzten sich für einen politisch-emanzipatorischen Anspruch ein, legten Wert auf die Stellung von Frauen, amerikanischen Ureinwohnern und ethnischen Minderheiten im Kulturbetrieb und nutzten kunsthandwerkliche Techniken. Diese Bewegung fand in unseren Geburtsjahren statt. Im Kunstpavillon werden wir unsere künstlerische Auseinandersetzung mit beidem zeigen. Lassen Sie sich überraschen. Ein sehr geschichtsträchtiger Ort.

Der Frauenanteil an deutschen Kunsthochschulen ist deutlich höher als der Männeranteil. Trotzdem sind männliche Künstler sichtbarer und verdienen mehr. Wie ist die Situation für Künstlerinnen in Hamburg? Wo besteht besonders dringender Handlungsbedarf.

Ergül: Ich kann nur Handlungsempfehlungen aussprechen: Bildet Banden! Werdet aktiv in Künstler*innen-Gemeinschaften, arbeitet mit den Honorarrichtlinien vom BBK (Berufsverband bildender Künstler*innen Hamburg), arbeitet generationsübergreifend, wenn ihr die Möglichkeit bekommt ein Projekt oder eine Ausstellung zu realisieren, wählt FLINTA Personen, lasst euch nicht sagen: Qualität hat nichts mit Geschlecht zu tun. Fragt euch: Wer hat die Qualität bestimmt? An was/wem messen wir uns, sucht euch Verbündete, sucht euch weibliche Vorreiterinnen – in der Schule wird das immer noch nicht beigebracht – werdet eurer Privilegien bewusst, wenn möglich teilt Preisgelder, falls man bis dahin kommt, lasst uns gemeinsam unser Berufsbild sichtbarer machen und die Notwendigkeit für unsere Gesellschaft.  

Kathrin: Ich sehe unsere Anliegen in der von Künstlerinnen gegründeten Hamburger Initiative: „Mehr Mütter für die Kunst“ und im „K&K – Bündnis Kunst und Kind München“ vertreten. Es werden unter anderem Fördermöglichkeiten verlangt, die mit einem Familienleben vereinbar sind.

3 Hamburger Frauen: KI und neue Möglichkeiten 

Wie steht ihr zu KI? Teufelszeug oder ganz neue Möglichkeiten?

Henrieke: Ich liebe KI! Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, was Malvorlagen angeht. Ausführung bleibt bei uns, ganz klar.

Ergül: Als Assistent*in prima für Tabellen etc., wobei ich am liebsten jemanden bezahlen würde, und ich bin überzeugt, dass das, was während unserer Arbeitstreffen entsteht, nicht durch KI möglich wäre. Ich nutze KI für Texte und Recherche, meine künstlerische Arbeit hat sich dadurch nicht verändert. Sie wird für mich eher noch wichtiger, persönlicher. 

Wie wichtig sind soziale Medien für Künstler und Künstlerinnen? Braucht es Follower, um gesehen zu werden?

Henrieke: Wir lieben unsere Follower, aber der Trend zu einer Zeit, wo alle gesehen werden wollen, geht zurück zur Qualität, nicht Quantität.

Kathrin: Nach wie vor sind doch die persönlichen Kontakte ausschlaggebend, denke ich.

Ich liebe KI! Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, was Malvorlagen angeht.

Henrike Ribbe

Was wärt ihr geworden, wenn ihr keine bildenden Künstlerinnen geworden wärt?

Henrieke: Gute Frage. Da ich damals schon keine Antwort darauf hatte, werde ich auch Malerin bleiben.

Ergül: Wenn ich ein gutes Gebäude oder Bühnenbild sehe, bin ich immer so überwältigt. Vielleicht Bühnenbildnerin oder Architektin, aber ich hatte schon immer Probleme mit Autorität, daher bin ich ganz froh über meine Berufswahl.

Kathrin: Ich habe mir während der Schulzeit mal vorgestellt, Diplomatin, Köchin oder Sozialarbeiterin zu werden. Dass ich Kunst machen möchte, habe ich dann während meines Auslandsjahrs, an einem einsamen Ort, gemerkt. Und auch wenn ich viel Trubel und Austausch liebe, am liebsten bin ich doch alleine in meinem Atelier.

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