Junge Konzerte Hamburg 2026: Deine Stadt, deine Bühne, dein Sound!

Hört uns! Junge Konzerte Hamburg geben Schülerinnen und Schülern eine Bühne
Jonas S., Rafael S., Rosa W., Kai R. und Pius H. setzen sich für Jugend musiziert mit gesellschaftlichen Themen aus ihrer eigenen Erfahrung auseinander (@jumu-HH)
Jonas S., Rafael S., Rosa W., Kai R. und Pius H. setzen sich für Jugend musiziert mit gesellschaftlichen Themen aus ihrer eigenen Erfahrung auseinander (@jumu-HH)

Mit dem Projekt „Junge Konzerte Hamburg – deine Stadt, deine Bühne, dein Sound!“ unter der Schirmherrschaft von Schulsenatorin Ksenja Bekeris hat Jugend musiziert Hamburg auch 2026 eindrucksvoll gezeigt, mit welchem Engagement junge Menschen innovative Konzertformate entwickeln, die bewegen, inspirieren und zum Nachdenken anregen.

Das von der Haspa Musik Stiftung geförderte Projekt, das in Kooperation mit der Hochschule für Musik und Theater Hamburg stattfindet, bringt Schülerinnen und Schüler mit jungen Musizierenden von Jugend musiziert in kollaborativen Teams zusammen. Gemeinsam entwickeln sie künstlerische Ideen, setzen diese eigenständig um und erwerben zugleich zentrale Kompetenzen der Projektarbeit – von Konzeption, Organisation und Kommunikation bis zur Umsetzung auf der Bühne. So entsteht ein praxisnaher Erfahrungsraum, in dem Jugendliche Selbstwirksamkeit erleben und wichtige Zukunftskompetenzen entwickeln.

Gerade in einer Zeit gesellschaftlicher Verunsicherung und zunehmender Polarisierung eröffnet das Projekt jungen Menschen die Möglichkeit, ihre Perspektiven sichtbar zu machen und in gemeinsamen künstlerischen Ausdruck zu übersetzen. Janna Prüßner, Geschäftsführerin der Haspa Musik Stiftung, betont: „Wenn Jugendliche ihre eigenen Themen auf die Bühne bringen, entsteht mehr als Musik: Es entsteht Haltung. Junge Konzerte Hamburg gibt jungen Stimmen Raum – und zeigt, wie kulturelle Bildung gerade jetzt Zusammenhalt stärkt und Schüler befähigt, Verantwortung zu übernehmen und unsere Gesellschaft aktiv mitzugestalten.“

In diesem Jahr wurde das Projekt um ein eigenes Konzertdesign-Team erweitert, das sich aus Teilnehmenden und Preisträgertragenden von Jugend musiziert zusammensetzte und die kreative Entwicklung der Konzerte aktiv mitgestaltete. In professionell begleiteten Workshops entstanden erneut außergewöhnliche Performances, die gesellschaftlich relevante Themen aus eigener Erfahrung aufgriffen. So hieß es in einem der Texte:

„Stell dir vor, du läufst durch eine Stadt. Für die meisten von uns ist der Weg einfach nur Asphalt. Doch für viele andere ist dieser Weg ein steiniger, aus schiefen Blicken, Kommentaren und verschlossenen Türen. Wieso ist das so? Weil Diskriminierung kein lauter Knall ist, sondern oft still und heimlich wie ein langsames Gift wirkt. Sie ist der Rassismus, der sich in der Frage versteckt: ‚Woher kommst du eigentlich wirklich?‘ – als ob ein Name, eine Hautfarbe oder irgendetwas sonst in der Art einen Menschen ausmachen würde. Sie ist die teilweise bewusste, teilweise unbewusste Ablehnung oder das mulmige Gefühl im eigenen Umfeld, weil man ‚anders‘ sei oder anders aussehe. Und sie ist der Alltagssexismus, der sich als Kompliment tarnt – etwa in der Aussage: ‚Für eine Frau bist du ziemlich gut in Mathe‘ – oder als ‚Witz‘ verkauft wird. Sie ist das ständige Messen mit zweierlei Maß. Wir haben uns an diese kleinen Stiche gewöhnt. Wir nennen sie ‚normal‘. Aber nichts daran ist normal. Ein starkes Statement bedeutet nicht, nur dagegen zu sein. Es bedeutet, hinzusehen. Es bedeutet, den Mund aufzumachen, wenn ein Spruch fällt oder jemand übergangen wird.“

Jonas S., Rafael S., Rosa W., Kai R. und Pius H. setzen sich für Jugend musiziert mit gesellschaftlichen Themen aus ihrer eigenen Erfahrung auseinander (@jumu-HH)

Das Auftaktprogramm „UMBRUCH“ am 20. Mai in der Grundschule Neugraben setzte sich mit Zukunft, Veränderung und gesellschaftlicher Teilhabe auseinander. Rund 80 Erst- und Zweitklässler erlebten ein interaktives Konzert: nicht nur zuhören, sondern aktiv teilnehmen. Mit großer Neugier, Begeisterung und vielen Fragen begegneten die Kinder den Musikerinnen und Musikern von Jugend musiziert auf Augenhöhe und machten das Konzert zu einem besonderen Erlebnis für alle Beteiligten.

Am 27. Mai präsentierte eine 7. Klasse der Sankt-Ansgar-Schule in Borgfelde ihr Konzertprojekt „Behind the Smile“. Ausgehend von der Frage „Lache ich wirklich, wenn ich lache?“ entwickelten die Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit Teilnehmenden von Jugend musiziert ein vielschichtiges Konzept. Musik, persönliche Gedanken und kreative Beiträge verbanden sich zu einem Abend, der Einblicke in die Lebenswelt junger Menschen gab und Themen wie Gefühle, Erwartungen und gesellschaftlichen Druck sensibel sichtbar machte.

Die Band des Heisenberg-Gymnasiums im Spiegelsaal des Grand Elysée Hotels (©jumu-HH)

Am 29. Mai folgte mit „HÖRT UNS!“ ein weiteres eindrucksvolles Konzertprojekt des Heisenberg-Gymnasiums, das im Spiegelsaal des Grand Elysée Hotel präsentiert wurde. Im Mittelpunkt standen Rollenbilder, gesellschaftliche Erwartungen und die Frage, welche Stimmen in unserem Alltag wahrgenommen werden – und welche ungehört bleiben. Mit Musik, Texten und persönlichen Statements schufen die Jugendlichen einen bewegenden Konzertabend, der das Publikum dazu einlud, eigene Sichtweisen zu hinterfragen und jungen Perspektiven Raum zu geben:

Wir sind hier. Nicht später, nicht irgendwann – jetzt! Unsere Stimmen sind keine Hintergrundgeräusche zwischen wichtigen Themen. Wir sind das Thema. Also hört uns. Wirklich. Nicht nur mit den Ohren, sondern mit dem Willen zu verstehen.

Schülerinnen und Schüler des Heisenberg-Gymnasiums 

Den festlichen Abschluss bildete am 31. Mai das große Finale im Forum der Hochschule für Musik und Theater Hamburg mit einer Auswahl der „Best-of“-Beiträge des diesjährigen Projekts. Das abwechslungsreiche Programm spiegelte die Vielfalt der entstandenen Ideen wider und machte deutlich, mit welcher musikalischen Kreativität die Jugendlichen ihre Themen auf die Bühne brachten. „Besonders berührend war zu erleben, wie die Teilnehmenden im Verlauf der vier Monate gemeinsamer Arbeit über sich hinauswuchsen. Manche bekamen zu Beginn kaum einen Ton heraus oder trauten sich nicht auf die Bühne“, so Cecilia Amado, Geschäftsführerin von Jugend musiziert Hamburg, „ich hatte die zwölfjährige Abigail wenige Tage zuvor in der Schulaula mit ihrem Song „Human“ von Christina Perri noch sehr verhalten erlebt – und bekam Gänsehaut, als sie auf der großen Bühne des HfMT-Forums ihr Stimmvolumen viel selbstbewusster nutzen konnte und der mitreißende Vibe sich auf das Publikum übertrug.“

Thomas Bressau, Referent für die Hamburger Schulwettbewerbe, brachte in einem Interview mit den jungen Moderierenden des Abends zum Ausdruck, wie sehr ihn die Offenheit der Jugendlichen beeindruckt habe – etwa in einem Vortrag von Schülerinnen der 7. Klasse über ihre widersprüchlichen Lebensgefühle, live auf der Gitarre begleitet von einem Mitschüler mit „Tears in Heaven“ von Eric Clapton.

Die Schülerinnen der 7. Klasse performten „Tears in Heaven“ von Eric Clapton (©jumu-HH)

Überzeugend wirkte auch die Verbindung unterschiedlicher Kunstformen und Genres: klassisches Repertoire von Schostakowitsch bis Schönberg, Pop, Sprache, tänzerische Performance und visuelle Elemente verschmolzen zu einem Gesamterlebnis, das die persönliche Handschrift der jungen Gestalter trug. Das Programm zeigte eindrucksvoll, dass kulturelle Teilhabe weit mehr bedeutet als Musizieren: Sie schafft Räume für Austausch, Mitbestimmung und gesellschaftliches Engagement. Im O-Ton der Jugendlichen:

„Gerade die Stimmen junger Menschen verdienen es, gehört zu werden. Ihre Perspektiven, ihre Ideen und ihre Gefühle sind entscheidend für unsere Zukunft. Dieses Konzert ist mehr als nur Musik; es ist ein Aufruf, aufeinander zuzugehen und uns gegenseitig Gehör zu schenken. Es wäre wünschenswert, wenn im Alltag öfter die Zeit gefunden würde, nicht nur zu hören, sondern wirklich zuzuhören. Denn jede Stimme zählt, und gemeinsam könnte eine Welt geschaffen werden, in der sich jeder gehört und wertgeschätzt fühlt.“

Mit den Jungen Konzerten 2026 ist es erneut gelungen, jungen Menschen eine authentische Stimme zu geben und sie zu ermutigen, ihre Sicht auf die Welt kreativ umzusetzen und öffentlich sichtbar zu machen. Die große Resonanz bei Publikum, Schulen und Beteiligten zeigt: Dieses Format hat sich als wichtiger Baustein kultureller Bildung in Hamburg etabliert – und wird auch im nächsten Jahr junge Menschen dazu inspirieren, ihre Stadt aktiv mitzugestalten.

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