Kurzfilm in Hamburg

Mit einer großen Party hat die KurzFilmAgentur im Oktober ihren 25. Geburtstag gefeiert. Schön, schön, happy birthday! Aber – wer oder was ist die KFA eigentlich? Und was machen die da genau? Wir haben bei der Geschäftsführerin Alexandra Gramatke nachgefragt

SZENE HAMBURG: Frau Gramatke, wer ist die Kurzfilmagentur, und was machen Sie genau?

Alexandra Gramatke: Entstanden ist das Ganze aus dem NoBudget Kurzfilmfestival, das schon vor 33 Jahren das erste Mal stattfand. Da gab es immer mehr Nachfragen von Kinos und anderen Veranstaltern, die Kurzfilme auch außerhalb des Festivals zeigen oder sehen wollten. So entstand zunächst der Kurzfilmverleih, der vorrangig an Kinos Kurzfilme verleiht – als Vorfilm oder auch in speziell zusammengestellten, abendfüllenden Programmen. Im Laufe der Zeit entwickelten sich dann immer mehr Bereiche.

Mittlerweile haben wir rund 45.000 Filme, die in unserer Datenbank gespeichert sind.

Zum Beispiel?

Der Vertrieb, der sich um den Lizenzhandel mit Fernsehsendern, Internetportalen oder Bildungseinrichtungen kümmert. Dann haben wir noch den Bereich Kurzfilm Schule, wo Filmemacherinnen Workshops mit Kindern aller Altersklassen und Schulformen veranstalten. Dann haben wir natürlich ein riesiges Archiv, das sich hauptsächlich aus den Einreichungen zum Filmfestival speist. Mittlerweile haben wir rund 45.000 Filme, die in unserer Datenbank gespeichert sind. Wir nutzen das beispielsweise auch dazu, unsere Filmprogramme zusammenzustellen, die wir für unterschiedlichste Veranstaltungen anbieten. Aktuell hatten wir beispielsweise mit dem DESY eine tolle Kooperation: Wir haben zum „Dark Matter Day“ ein entsprechendes Kurzfilmprogramm zusammengestellt. Oder letztens im Rahmen der India Week ein Programm aus indischen Kurzfilmen, die man hier sonst auch nicht sehen kann. Wir bekommen relativ häufig solche Anfragen, auch von außerhalb Hamburgs, weltweit.

Das heißt, Sie sind ein riesengroßes, internationales Unternehmen?

Kann man so sagen, ja. Auch wenn wir nicht so aussehen (lacht). Wir sind tatsächlich dadurch, dass unsere Mitarbeiter durch die ganze Welt reisen und auf Festivals auch in Panels sitzen oder Vorträge halten, weltweit ziemlich gut vernetzt.

Wie viele Mitarbeiter haben Sie denn?

Feste Mitarbeiter? 15, aber nicht alle arbeiten Vollzeit. Und zwei davon kümmern sich um die organisatorische und künstlerische Leitung des Internationalen Kurzfilmfestivals, das ja unter dem Dach der Kurzfilmagentur stattfindet.

Wenn ich jetzt einen Kurzfilm produzieren würde – könnte ich Ihnen den einfach zuschicken?

Ja, genau, ein wichtiger Punkt. Das Schlaueste wäre wahrscheinlich, den bei unserem Festival einzureichen. Da klopfen wir ohnehin alle Filme darauf ab, ob sie beispielsweise als Vorfilm im Kino geeignet sind. Oder ob eventuell Interesse bei einem der Fernsehsender bestehen könnte, mit denen wir zusammenarbeiten. Dann sprechen wir den Filmemacher an und machen einen Vertrag für Verleih oder Vertrieb. Man kann uns den Film aber auch direkt anbieten, dann gucken wir uns das an und melden uns gegebenenfalls zurück.

Wir sehen den Kurzfilm als eigenständige Kunstform und haben mit vielen gestandenen Filmemachern Kontakt, die sich dieser Form verschrieben haben.

Wer schickt Ihnen denn Filme? Hauptsächlich Nachwuchsfilmemacher?

Ja, Nachwuchs ist ein wichtiger Bereich. Aber bei weitem nicht nur. Wir sehen den Kurzfilm als eigenständige Kunstform und haben auch mit vielen gestandenen Filmemachern Kontakt, die sich dieser Form verschrieben haben. Oder beides machen, Kurz- und Langfilm. Natürlich gibt es den finanziellen Aspekt, ein Kurzfilm kostet einfach weniger Geld. Aber ein Kurzfilm ist auch ästhetisch oder inhaltlich interessant, weil man viel mehr Freiheiten als im Langfilm hat, wo man meistens doch recht fest an Genre- oder Formatvorgaben gebunden ist. Man kann viel mehr ausprobieren.

Wie lang darf ein Kurzfilm denn sein, gibt’s da offizielle Grenzen?

Das ist von Land zu Land unterschiedlich. In Deutschland ist die Vorgabe für Förderung, dass er bis zu 30 Minuten lang sein darf. Die meisten Festivals handhaben das auch so. Wir auch. Natürlich machen wir Ausnahmen, wenn uns ein Film wirklich begeistert. Wir haben auch schon welche gezeigt, die 45 Minuten lang waren, auch wenn das offiziell ein „mittellanger“ Film ist. Für den Vertrieb, also die Ausstrahlung bei Fernsehsendern, sind am besten Filme geeignet, die zwischen 15 und 20 Minuten lang sind. Aber auch hier sind Ausnahmen immer möglich.

Wie viele Filme werden bei Ihnen eigentlich eingereicht?

Die meisten beim Festival, das sind zwischen 5000 und 6000 pro Jahr. Das ist natürlich ein ganz schöner Aufwand, die alle zu sichten. Jeder Wettbewerb hat eine eigene Sichtungsgruppe, und die müssen sich dann tage- und nächtelang da durchsehen. Außer der Reihe werden uns auch noch mehrere Filme pro Woche zugesandt.

Aus der ganzen Welt …?

Ja, genau. Unser Archiv ist sehr international.

Wir haben einen eigenen Youtube-Channel, auf dem wir in regelmäßigen Abständen Filme kostenlos zur Verfügung stellen.

Kann ich als Privatperson eigentlich auch bei Ihnen Filme ausleihen? Zum Beispiel für einen Filmabend mit Freunden?

Das ginge, klar. Allerdings müssten Sie dafür ein bisschen Geld bezahlen. Es für uns sehr wichtig, dass die Filme nicht umsonst rausgehen. Zum einen müssen wir natürlich einen gewissen Umsatz machen. Vor allem wollen wir aber, dass die Urheber in irgendeiner Form finanziell irgendetwas zurückbekommen. Auch wenn das manchmal nur kleine, eigentlich symbolische Beträge sind. Schließlich ist so ein Kurzfilm ja auch ein Wert. Wir haben aber trotzdem auch einen eigenen Youtube-Channel, auf dem wir in regelmäßigen Abständen Filme kostenlos zur Verfügung stellen. Das sind normalerweise Filme, die ihre Verwertung schon größtenteils hinter sich haben, also auf Festivals gelaufen sind oder vom Fernsehen gekauft wurden. Davor wird Werbung geschaltet, sodass die Urheber dafür dann auch eine kleine Vergütung erhalten, je nach Klickzahl.

Kurzfilme werden häufig belächtelt. Fühlen Sie sich in Hamburg trotzdem ernst genommen?

Auf jeden Fall! Das hängt auch mit dem Festival zusammen, dadurch werden wir sehr viel besser wahrgenommen. Die Agentur ist für den Endverbraucher ja gar nicht so sichtbar. Der sieht höchstens vielleicht im Kino einen Kurzfilm als Vorfilm oder eine Filminstallation im Museum, weiß aber gar nicht, dass das über uns dort gelandet ist. Wir wünschen uns natürlich mehr Wertschätzung und Aufmerksamkeit für den Kurzfilm, und dass er nicht nur als Nachwuchsformat gesehen wird. Nach oben hin ist da natürlich immer alles offen.

Interview: Maike Schade

www.shortfilm.com


Der KFA-Kurzfilm des Monats Dezember 2017:

 


Dieser Text ist ein Auszug aus der SZENE HAMBURG, Dezember 2017. Das Magazin ist seit 30. Oktober 2017 am Kiosk und zeitlos in unserem Online Shop erhältlich!

 

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