Liebeserklärung an Hamburgs Musicals

Löwen, Vampire und fliegende Teppiche: Eine Liebeserklärung an die oft belächelte Hamburger Musicallandschaft

Musicals sind keine Shakespeare-Klassiker. Es gibt keine sprachlich anspruchsvollen Dialoge, komplexen Figurenzeichnungen oder innovativen Inszenierungen. Das wird Musicals von Kritikern oft zum Vorwurf gemacht: Sie seien kitschig, kommerziell und platt. Wer das gesellschaftskritische Theater als Maßstab setzt, hat Musicals nicht verstanden. Hier geht es nicht um intellektuelle Stimulierung oder künstlerischen Anspruch.

Es geht um Unterhaltung, große Show und ein bisschen Eskapismus: Es geht darum, der Welt um einen herum für ein paar Stunden zu entfliehen und ins Reich der Vampire, Zauberer, in die afrikanische Savanne oder ins Land fliegender Teppiche und Wunderlampen einzutauchen. Und diese Reise funktioniert für viele Menschen – und ja, das ist auch total okay – eben besonders gut mit Heldengeschichten, imposanten Kostümen, spektakulären Effekten und den passenden Balladen. Wer sich darauf einlassen kann, wird vielleicht auch bemerken, dass die Geschichten gar nicht so stumpf sind, wie oftmals angenommen.

 

Musicals erzählen Geschichten fürs Herz

 

In „König der Löwen“ verliert der junge Simba seinen Vater durch den hinterhältigen Mord des machtsüchtigen Onkels. Es gilt, Rache zu nehmen und die Verhältnisse wieder geradezurücken. Klingt ein bisschen nach Hamlet, oder? Das „Phantom der Oper“, das mit seinem entstellten Gesicht zum Außenseiter wurde, ringt mit seiner Kunst um Anerkennung und Liebe. Gar nicht mal so seichter Stoff. Und in „Pretty Woman“ geht es immerhin um das Überwinden gesellschaftlicher Vorurteile.

Im Übrigen sind Musicals gesanglich und tänzerisch alles andere als anspruchslos. Im „Phantom der Oper“ oder „Cats“ kann man klassische Ballettdarbietungen bewundern. Und in manchen Musical-Melodien müssen die Darsteller durchaus opernähnliche Tonsprünge leisten. Hamburgs Musicals sind zwar manchmal keine Broadway-Leistungen, aber dennoch bieten die oft internationalen Stars großes Können.

Musicals sind im herkömmlichen Sinn nicht immer intellektuell sehr herausfordernd, aber sie erzählen Geschichten fürs Herz, bei denen – im Gegensatz zu Shakespeares Dramen – am Ende meist das Gute siegt. Und genau das will man manchmal sehen.

/ Natalja Fischer 


Cover_SZ1020 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Oktober 2020. Das Magazin ist seit dem 27. September 2020 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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