Literaturkritik: Kopflos

Entführt
Das Cover zu Ariane Harwicz Roman „Kopflos“
Das Cover zu Ariane Harwicz Roman „Kopflos“(©C.H. Beck)

Abgesehen vom Tod oder einer schrecklichen Krankheit der eigenen Kinder gibt es für Eltern nichts Schlimmeres, als die Situation, ihre Kinder nicht mehr sehen zu dürfen – wie im Falle von Lisa, der Protagonistin aus Ariana Harwicz’ neuem Roman „Kopflos“. Besagte Lisa ist Mutter von fünfjährigen Zwillingen, hat im Sorgerechtsstreit jedoch gegen deren Vater verloren. Einmal im Monat darf sie ihre Kinder nun nur noch sehen, unter Aufsicht. Der Umstand, beim Aufwachsen ihrer Söhne nicht mehr dabei sein zu dürfen, sie jeden Tag, jede Minute zu vermissen, ihnen nicht die Mutter sein zu können, die sie verdient hätten – all das nagt unaufhörlich an Lisa und lässt sie immer verzweifelter werden. Dem Haus der Familie darf sie sich nicht mehr nähern, doch heimlich beobachtet sie ihre Jungs: nicht nur zu Hause, auch unterwegs. Und das zermürbende Gefühl, ihnen nicht nahe sein zu können, wird mit jeder Minute stärker, in der sie ihre Söhne nicht in die Arme schließen kann. Also beschließt sie, wider besseren Wissens, das zu tun, was ihr als einzige Möglichkeit erscheint, ihrer Muttergefühle Herr zu werden: Sie entführt ihre eigenen Kinder. Ein Roman, der einen ordentlich mitnimmt – vor allem Eltern.

Diese Kritik ist zuerst in SZENE HAMBURG 01 / 26 erschienen.

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