Texte sind Hilferufe. Sagt Maxim Biller. Doch man muss schon genau hinlesen. Sein Roman „Mama Odessa“ erschien 2023 und könnte mit dem Überfall Russlands auf die Ukraine in Zusammenhang gebracht werden, tatsächlich beendete der Autor ihn bereits Monate vor Kriegsbeginn. Darin will sich Biller gar nicht hinter dem Ich-Erzähler Mischa verstecken – zu groß sind die Gemeinsamkeiten: Es geht um eine in Hamburg lebende russisch-jüdische Familie, im Mittelpunkt steht die vielschichtige Mutter-Sohn-Beziehung. Beide verbindet Liebe, gegenseitiger Verrat, das Schreiben und eine nicht endende Sehnsucht, irgendwo anzukommen. Und die Familiengeschichte, beginnend mit dem Massaker der Nazis an der jüdischen Bevölkerung 1941 in Odessa. Für die Hamburger Kammerspiele entsteht eine Textfassung, an der Regisseur Kai Wessel mitschrieb; Adriana Altaras und Florian Lukas spielen Mutter und Sohn.
Dieser Artikel ist zuerst in SZENE HAMBURG 01 / 26 erschienen.

