Bis heute staunt Susanne Meyerhoff darüber, dass aus ihrem jüngsten Sohn, dem Legastheniker Joachim, ein Bestsellerautor werden konnte: Parallel zu seiner Schauspielkarriere schrieb er autofiktionale Bücher, einige wurden verfilmt. Im Altonaer Theater gelingt Lea Ralfs eine Inszenierung auf Grundlage seines jüngsten Romans: „Man kann auch in die Höhe fallen“.
Darin beschreibt Meyerhoff, wie er nach einem Schlaganfall aus dem „hysterischen Berlin“ zu seiner Mutter aufs Land nach Schleswig-Holstein flieht. Konfrontiert mit dem selbstbestimmten, aktiven, glücklichen Leben der über 80-Jährigen, fühlt sich ihr Sohn hilflos und unterlegen. Bereitwillig wechselt er die großstädtische, schwarze „Totengräberkluft“ gegen eine rote Latzhose, lässt sich Fußreflexzonenmassagen und Hornhautsocken verpassen. Und obwohl die Agilität seiner Mutter alles andere als die erhoffte Ruhe verspricht, findet er den ersehnten Abstand.
„Man kann auch in die Höhe fallen“: Kreative Regie
In mittlerweile sechs Romanen weiß Joachim Meyerhoff äußerst unterhaltsam von seiner Familie zu erzählen. Sympathischerweise verlässt sich Regisseurin Lea Ralfs nicht allein auf diesen publikumswirksamen Anteil an Komik, sondern zieht mit dem Einsatz älterer Chorsängerinnen eine das Gefühl von Zugehörigkeit symbolisierende Ebene ein, die nachdenklich macht. Marion Martienzen ist die Idealbesetzung der ebenso lebensklugen wie frechen und unkonventionellen Mutter, deren trockener Humor den Sohn mitreißt. Georg Münzel verkörpert Joachim Meyerhoff, er macht im ersten Teil des Abends das, was dem Schauspieler Meyerhoff erklärtermaßen an seinem Beruf auf die Nerven geht: Er schneidet Grimassen. Unweigerlich steht der Vergleich zwischen Original und Kopie auf der Bühne: Meyerhoffs Exzentrik gelingt ihm, bei der Coolness ist Luft nach oben. Jene künstlerische Freiheit, die das Genre Autofiktion beinhaltet, nimmt sich erfreulicherweise auch die kreative Regie.

