Schafft Pierre (Guillaume Canet) es, den Hof seines Vaters erfolgreich zu modernisieren? (Foto: Nord-Quest Films)

Neu im Kino: Das Land meines Vaters

Mit seinem Spielfilmdebüt gelingt Edouard Bergeon in „Das Land meines Vaters“ ein einfühlsamer Blick auf eine krankhafte Agrarindustrie

Text: Rosa Krohn

 

Allzu oft wird – nicht nur in Filmen – das Leben und Arbeiten von Bauern romantisiert. Dass die Realität hingegen schonungslos ist, zeigt das autobiografische Spielfilmdebüt des Dokumentarfilmers Edouard Bergeon. Pierre ist voll Lebenslust, Motivation und Liebe für seine Verlobte Claire, als er Ende der 1970er-Jahre aus Wyoming in seine französische Heimat zurückkehrt, um den Hof seines Vaters zu übernehmen. Mit Tatendrang und neuen Ideen plant er, diesen zu modernisieren, um konkurrenzfähig zu sein. Etliche Jahre später – Pierre und Claire haben mittlerweile zwei jugendliche Kinder – muss er jedoch feststellen, dass die Mühe und Arbeit bis zur Erschöpfung vergebens sind. Die Schulden steigen, während die Bereitschaft der Konsumenten, einen angemessenen Preis für Nahrungsmittel zu zahlen, sinkt. Die kritische Lage verschlechtert sich, als eines Tages die Scheune mitsamt dem Vieh in Flammen steht.

 

Die Frage nach dem Preis unserer Nahrung

 

„Das Land Meines Vaters“, das autobiografische Spielfilmdebüt von Edouard Bergeon (Foto: Nord-Quest Films)

„Das Land Meines Vaters“, das autobiografische Spielfilmdebüt von Edouard Bergeon (Foto: Nord-Quest Films)

Der Protagonist in „Das Land meines Vaters“ ist Opfer eines nach unendlichem Wachstum und Konsum strebenden Systems, dessen Perversion Kleinbauern zu Massentierhaltung und Monokulturen zwingt. Seine unterstützende Familie muss ohnmächtig dabei zusehen, wie er langsam an diesem System zerbricht. Regisseur Bergeon erzählt nicht nur die persönliche Geschichte seines Vaters, sondern adressiert damit auch die bedauerlicherweise noch immer hochaktuellen Missstände der industriellen Landwirtschaft. Visuell eindrucksvoll setzt Kameramann Éric Dumont die französische Provinz in Szene: Die kraftvolle Farbgestaltung und Ästhetik seiner Bilder stehen dabei in zynischem, fast höhnischem Kontrast zu Pierres endloser Verzweiflung. Gleichzeitig verleiht nicht zuletzt die starke schauspielerische Darbietung der Erzählung Authentizität – von der sichtbar artifiziellen Halbglatze, die Guillaume Canet wohl in Anlehnung an den Vater des Regisseurs verpasst wurde, einmal abgesehen. „Das Land meines Vaters“ ist ein wichtiger Film. Er wirft einen besonderen Blick auf die tiefgreifenden Probleme der Agrarindustrie und stellt die Frage nach dem Preis unserer Nahrung.

„Das Land meines Vaters“, Regie: Edouard Bergeon. Mit Guillaume Canet, Veerle Baetens, Anthony Bajon. 103 Min. Ab dem 18. November im Kino

Neugierig? Hier gibt es den Trailer zu „Das Land meines Vaters“.


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