Ein brüchiges Familienidyll in „Hope“ von Maria Sødahl (Foto: Arsenal Filmverleih/Manuel Claro)

Neu im Kino: Hope von Maria Sødahl

„Hope“ ist ein eindrückliches Porträt einer Beziehungskrise ohne Zeit

Text: Rosa Krohn

 

Der Titel des Films „Hope“ könnte banal oder einfallslos erscheinen, insbesondere wenn der Protagonistin zu Beginn ein unheilbarer Tumor diagnostiziert wird. Doch Titel und Film sind vielschichtiger und alles andere als platt.

„Hope“ erzählt von einer schwerkranken Frau und ihrer Familie (Foto: Arsenal Filmverleih)

„Hope“ erzählt von einer schwerkranken Frau und ihrer Familie (Foto: Arsenal Filmverleih)

Anja (Andrea Bræin Hovig) steht mitten im Leben, ob sie jedoch glücklich ist, ist fraglich. Die erfolgreiche Choreografin ist schon lange mit dem wesentlich älteren Tomas (Stellan Skarsgård) liiert, ihre Beziehung wirkt mechanisch und leidenschaftslos. Anja ist es, die hauptsächlich für die Kinder ihrer gemeinsamen Patchworkfamilie sorgt. Gerade feiert sie noch die Premiere einer Tanzaufführung im Ausland, schon stürzt sie sich in die bevorstehenden Weihnachtsvorbereitungen – wäre da bloß nicht dieser heftige Kopfschmerz. Die böse Vorahnung bestätigt sich nach dem Gang zum Arzt: Der Krebs ist zurück, in Form eines unheilbaren Hirntumors. Anja begreift, dass sie diese Herausforderung nicht ohne Hilfe ihres Partners bewältigen kann. Schockiert stehen sie und Tomas nun vor ihren nichts ahnenden Kindern und fragen sich, ob sie sich eigentlich noch lieben und wie viel Zeit ihnen bleibt.

 

Liebe und Vertrauen fallen nicht vom Himmel

 

Regisseurin Maria Sødahl („Limbo“) zeigt in „Hope“ nicht nur, wie eine Frau und Mutter mit einem solchen Schicksals- schlag umgeht. In erster Linie ist der Film eine Liebesgeschichte zweier Figuren, die plötzlich vor der Wahl stehen, sich entweder neu füreinander zu entscheiden oder sich aufzugeben.

Sødahls zweiter Spielfilm erzählt ihre persönliche Geschichte: Die Filmemacherin erhielt vor einigen Jahren eine Krebsdiagnose und überlebte wider Erwarten. Vermutlich gelang ihr genau deshalb ein solch wahrhaftiger Film, dessen Charaktere komplex und ihre Handlungen ambivalent sind. Großartig spielen Andrea Bræin Hovig („All the Beauty“) und Stellan Skarsgård („Good Will Hunting“) ein Paar, das sich neu kennen und lieben lernt. Hovig meistert das Spiel einer Frau, die aufgrund der Gewissheit des nahenden Todes, aber auch der starken Nebenwirkungen von lebenserhaltenden Medikamenten zwischen Wut, Angst, Trauer, Sorge, Apathie und Leidenschaft schwankt mit Bravour. „Hope“ zeigt eindrücklich, dass Liebe und Vertrauen nicht vom Himmel fallen, sondern immer wieder hart erkämpft werden müssen.

„Hope“, Regie: Maria Sødahl. Mit Andrea Bræin Hovig, Stellan Skarsgård, Elli Müller Osbourne. 125 Min. Seit dem 25. November 2021 in den deutschen Kinos.

Für den ersten Eindruck gibt’s hier den Trailer zum Film:


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