Maria (Noomi Rapace) wandert in „Lamb“ durch den dichten isländischen Nebel (Foto: Koch Films)

Horror zum Jahresstart: „Lamb“

„Lamb“ ist ein Mystery-Drama in isländischer Einsamkeit. Die Verbindung von schmerzhaft-realistischem mit dem Fantastischen und Bizarren erzeugt Unbehagen – perfekt für die richtige Portion Mystery und Horror an kalten Wintertagen

Text: Christopher Diekhaus

 

Die Wolken sind dicht und grau. Bergketten ragen bedrohlich auf. Spuren größerer Siedlungen sucht man vergeblich. Valdimar Jóhannssons Regiedebüt „Lamb“ spielt irgendwo im kargen isländischen Nirgendwo und erzählt in einschüchternd-wuchtigen Bildern von einem Ehepaar, das eben dort, am gefühlten Ende der Welt, eine kleine Schafzucht betreibt. Die harte Arbeit bestimmt den Alltag. Und oft liegt ein Schweigen über dem Hof, das nicht zuletzt von einem schrecklichen Verlust herrührt. María (Noomi Rapace) und Ingvar (Hilmir Snær Guðnason) haben, wie der Zuschauer mit etwas Verzögerung erfährt, ihr Kind verloren.

 

Eine Mischung aus Tier und Mensch

 

Umso größer ist das Staunen, als sich bei der Geburt eines Lamms plötzlich eine zweite Chance auf elterliches Glück ergibt. Dass es sich bei dem kleinen Wesen um eine Mischung aus Tier und Mensch handelt, was der Film ebenfalls nur schrittweise preisgibt, stört die beiden Bauern nur wenig. Anders als Ingvars Schwierigkeiten magisch anziehenden Bruder Pétur (Björn Hlynur Haraldsson), der sich vorübergehend bei ihnen einquartiert und seine Verwunderung über die seltsame Kreatur deutlich zum Ausdruck bringt.

 

Stimmungsvolle Bilder

 

„Lamb“, zurecht mit dem Europäischen Filmpreis ausgezeichnet (Foto: Koch Films)

„Lamb“, zurecht mit dem Europäischen Filmpreis ausgezeichnet (Foto: Koch Films)

Das in Cannes uraufgeführte, provokativ entschleunigte, ein diffuses Unbehagen erzeugende Mystery-Drama verbindet auf überraschend gelungene Weise das Schmerzhaft-Realistische mit dem Fantastischen und Bizarren. Angesichts der schrägen Familienkonstellation könnte die Handlung leicht ins Lächerliche kippen. Jóhannsson und Co-Autor Sjón ziehen aus ihrer Geschichte aber unerwartet berührende Momente und erleichtern es einem dadurch, sich auf das eigenwillige Szenario einzulassen. Dass die beim Europäischen Filmpreis für ihre visuellen Effekte ausgezeichnete Debütarbeit ihrem eindringlichen Aufbau im überhastet wirkenden Schlussdrittel nicht gerecht wird, ist sicherlich schade. Der insgesamt starke Sinn des Regisseurs für stimmungsvolle Bilder entschädigt aber für eine abrupte Auflösung, in der die Rache der Natur am Menschen ein wenig plakativ zum Vorschein kommt.

 

„Lamb“, Regie: Valdimar Jóhannsson. Mit Noomi Rapace, Hilmir Snær Guðnason, Björn Hlynur Haraldsson. 106 Min. Ab dem 6. Januar 2022 in den Kinos

Einen Vorgeschmack gefällig? Hier gibt‘s den Trailer zu „Lamb“:


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